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«Projekte kann man immer hinterfragen»

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«Projekte kann man immer hinterfragen»
Baudirektor Beat Vonlanthen äussert sich zur geplanten Poyabrücke
Am 24. September äussert sich das Freiburger Stimmvolk zum 58-Millionen-Kredit für das Projekt der Poyabrücke. Der zuständige Staatsrat Beat Vonlanthen ist überzeugt, dass es das richtige Projekt zur richtigen Zeit ist.
Mit BEAT VONLANTHEN sprach JEAN-LUC BRÜLHART
Seit bald 50 Jahren ist die Rede von einer neuen Saaneüberquerung. Weshalb braucht es die Poyabrücke gerade jetzt?
Das Projekt Poyabrücke ist notwendig, um die Probleme im Agglomerationsverkehr zu entschärfen und den historischen Stadtteil mit der Kathedrale vor den Abgasen zu schützen. Von den 26 000 Fahrzeugen, die sich täglich durch das Burgquartier zwängen, sind 90 Prozent Durchgangsverkehr. Unser Ziel ist es, dass die Fahrzeuglenker die Autobahn A 12 als Umfahrungsstrasse benutzen. Der Autobahnabschnitt ist Teil einer äusseren Ringstrasse, die mit der möglichen Realisierung der Verbindungsstrasse Marly-Posieux ergänzt wird. Noch sind dort erst Studien im Gang, die zeigen, ob die Verbindungsstrasse für das Perolles-Quartier der Stadt Freiburg auch die tatsächlich gewünschte Entlastung bringt.
Ist die Realisierung dringend wegen den 67,5 Millionen Franken Bundessubventionen?
Wenn wir jemals eine Poyabrücke wollen, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen. Das Projekt geniesst im Legislaturprogramm 2001/06 des Staatsrats Priorität. Seit ich Baudirektor bin, habe ich immer versucht, die Poyabrücke voranzutreiben. Die Poyabrücke – auch wenn sie auf Papier seit bald 50 Jahren existiert – ist ein dringliches Projekt und wird deshalb vom Bund unterstützt. Klar ist, dass es ohne Subventionen keine Brücke gibt.
Aber der Zeitplan ist eng. Wenn nicht vor Ende 2008 gebaut wird, gibt es kein Geld von Bundesbern.
Es ist falsch zu glauben, dass wir das Projekt nur der Subventionen wegen vorantreiben. Während Jahren wurde daran gearbeitet: an der Brücke, am Tunnel, an der Linienführung. Das Projekt überzeugt mich, denn damit können wir unsere Ziele erreichen. Wir wollen das Burgquartier und die Kathedrale schützen, den öffentlichen Verkehr (ÖV) sowie die Verbindung zwischen dem rechten Saane-Ufer mit der A 12 und dem Stadtzentrum verbessern. Obwohl das Projekt eine lange Entwicklungsgeschichte hat, ist es ein modernes Projekt.
Aber wie kann dieses Projekt nach Jahrzehnten Planung noch modern sein?
Das Projekt wurde laufend ange-passt, das Trassee korrigiert. Es entspricht der heutigen und vor allem auch der zukünftigen Verkehrssituation. Jedes Projekt kann zu jedem Zeitpunkt grundsätzlich hinterfragt werden. Auch könnte man die Planung von vorne beginnen, aber da kämen wir nirgendwo hin. Das Projekt ist richtig für die heutige Zeit und für die weitere Entwicklung der Agglomeration.
Auch die Brücke – ein Teil des Projektes – hat nichts Modernes. Die Stadt Freiburg hatte sich bereits 1989 für dieses Brückenkonzept entschieden.
Die Brücke setzt Akzente und überzeugt heute noch. Es gibt zwar Spezialisten, die die Nase rümpfen, aber so ist es doch bei vielen Projekten. Auch über die Ästhetik lässt sich streiten. Ich sehe die Poyabrücke als weiteren Schritt in der Brückenentwicklung. Die Brücken in der Stadt Freiburg zeigen verschiedene Epochen und Stile.
Vor 20 Jahren war die Agy-Ebene kaum überbaut. Heute führt das Projekt durch Gewerbezone, Sportstätten und Wohnbauten. Ist ein Verkehrschaos nicht programmiert?
Die Agy-Ebene hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Wir finden eine starke Massierung vor von Gewerbe, Sportstätten und Wohnungen. Die Frage des Verkehrsaufkommens stellt sich hier natürlich auch ohne die Poyabrücke. Wir sind überzeugt, mit der vierspurigen Murtenstrasse die Probleme im Griff zu haben. Berechnungen der Ingenieure zeigen, dass im Jahr 2020 und unter Berücksichtigung zukünftiger Projekte wie zum Beispiel Gottéron-Village die Murtenstrasse erst zu 85 Prozent ausgelastet sein wird. Auch für den Langsamverkehr – wie es die Vereinbarung mit dem VCS zeigt – haben wir eine gute Lösung gefunden.
Die Radfahrer dürfen die Poyabrücke benützen, die Töfflifahrer nicht. Weshalb?
Damit die Radfahrer das St. Leonhard erreichen, werden sie vom Schönberg aus vor dem Tunnel über eine Rampe ins Palatinat geleitet und von dort durch eine Unterführung der SBB-Bahnlinie an ihr Ziel. Die Töfflifahrer hingegen werden St. Leonhard über die Zähringerbrücke und die Murtengasse erreichen. Dies haben wir zum Schutz der Bewohner des Palatinat vor übermässiger Lärmbelastung entschieden.
In der Botschaft zum Verpflichtungskredit steht: So wird der motorisierte Individualverkehr das Quartier zu den Zeiten durchqueren dürfen, in denen keine Busse fahren. Können Sie das bestätigen?
Die Zähringerbrücke wird für den öffentlichen Verkehr und für den Langsamverkehr offen bleiben. Es ist in der Verantwortung der Stadt Freiburg, die Begleitmassnahmen zur Poyabrücke umzusetzen. Vom Bund haben wir bisher 7,5 Millionen Franken zugesichert für flankierende Massnahmen.
Es wird befürchtet, dass der Rückstau beim Tunnelausgang im St. Leonhard zum Problem werden könnte. Wie begegnen Sie dem?
Wir werden die drei Spuren auf der Poyabrücke flexibel handhaben. Am Morgen werden Richtung St. Leonhard zwei Spuren offen sein, am Abend in die andere Richtung. Auch hier muss ich mich auf die Prognosen und Simulationen der ETH Lausanne abstützen. Weil wir viel Verkehr erwarten, um Bussen den Vortritt zu gewähren und um die Sicherheit im Tunnel zu gewährleisten, haben wir im St. Leonhard Ampeln eingerichtet und keinen Kreisel. So können wir den Verkehrsfluss beeinflussen.
Der Verein für die optimale Verkehrserschliessung von Düdingen hatte vorgeschlagen, den Tunnelverkehr in Richtung Autobahn vor dem Kreisel rechts abzweigen zu lassen. Warum wurde diese Idee nicht umgesetzt?
Entsprechende Studien und Abklärungen wurden gemacht. Angesichts der Kosten von zusätzlichen sechs Millionen Franken schien dem Staatsrat die Entlastung zu gering. Er hat deshalb diese Idee nicht weiterverfolgt. Auch von einem Abzweiger in Richtung Stadtzentrum war die Rede, was aber aus technischen Gründen nicht möglich ist.
Die Poyagegner kritisieren, dass ihre Anliegen vom Kanton nicht ernst genommen werden – und es sind immerhin noch rund 50 Einsprachen von Privaten hängig.
Es wäre schade, wenn dieser Eindruck entstehen würde. Ich weise darauf hin, dass wir mit den Betroffenen vor der Auflage bereits Infoveranstaltungen organisiert hatten und ich bin immer bereit für ein Gespräch. Die Betroffenen haben vielfach ganz konkrete Anliegen: einmal geht es um eine Quelle, die versiegen soll, und ein anderes Mal um den Staub, der bei den Bauarbeiten entsteht. Natürlich wird es nicht mit allen zu einvernehmlichen Lösungen kommen. Aber der Kanton wird, um öffentliches Interesse durchsetzen zu können, entsprechende Entschädigungen leisten müssen.
An seiner Herbst-Session wird nach dem Ständerat auch der Nationalrat über den Infrastrukturfonds befinden. Über ihn wird auch die Poyabrücke subventioniert. Ist das Projekt gefährdet, wenn Verbände das Referendum ergreifen sollten?

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