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Pubertierend oder jugendlich?

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Der Bildungsforscher und Dozent an der Universität Freiburg, Jakob Kost (29), steht «typisch jung» zum Begriff «Jugend» Rede und Antwort. Zurzeit arbeitet er zusätzlich an der Pädagogischen Hochschule in Bern.

 

 Was bedeutet eigentlich der Begriff «Jugend»?

Jugend bezeichnet alltagssprachlich die Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. In einem soziologischen Sinn handelt es sich um eine gesellschaftliche Institution, also eine Gruppe von Personen, an welche die Gesellschaft gewisse Erwartungen formuliert, zum Beispiel in Bezug auf ihr Verhalten, ihre Normen, ihre Rechte und Pflichten. Jugendliche sind also jugendlich, weil sie von der Gesellschaft aufgrund vielfältiger Merkmale als solche erkannt werden.

 Oft wird Jugend mit Pubertät verwechselt, doch was ist der Unterschied?

Wissenschaftlich gesehen bezeichnet der Begriff der Pubertät eigentlich nur biologische Prozesse, also alle körperlichen Veränderungen. Dazu gehören drei grosse Prozesse, welche alle von hormonellen Veränderungen im ausgehenden Kindesalter eingeleitet werden. Es sind dies das körperliche Wachstum, die Entwicklung der primären und der sekundären Geschlechtsmerkmale. Dieser «Umbau» dauert durchschnittlich etwa vier Jahre, beginnt bei Mädchen aber deutlich früher als bei Knaben. Für die allermeisten Phänomene, die wir im Alltag als «pubertär» bezeichnen, wäre der Begriff «jugendlich» wohl treffender, weil dieser die sozialen Komponenten des Auswachsens ins Zentrum stellt.

 

 Und was ist Adoleszenz?

Adoleszenz wird begrifflich meist so eingegrenzt, dass sie mit der Pubertät beginnt und mit der Volljährigkeit endet, also biologische mit rechtlichen Aspekten des Aufwachsens kombiniert. Neben Jugend und Pubertät wird dieser Begriff aber am uneinheitlichsten verwendet.

 

 Wann beginnt und endet das Jugendalter? Können Sie Eckpunkte nennen oder Themen, mit denen sich alle Jugendlichen beschäftigen?

Wie gesagt könnte man sagen: Jugendlich ist man, solange man von der Gesellschaft als jugendlich erkannt wird. Man kann das Jugendalter aber grob in drei Phasen aufteilen, in denen unterschiedliche Themen für die Jugendlichen vorherrschend sind. Im frühen Jugendalter, also ungefähr zwischen 11 und 14 Jahren, sind besonders die körperlichen Veränderungen ein grosses Thema. Im mittleren Jugendalter sind insbesondere Themen der Identitätsfindung und damit auch der Ausbildungs- respektive Berufswahl bedeutsam. Im späten Jugendalter – oft auch als frühes Erwachsenenalter bezeichnet –, also ab zirka 18 Jahren, beginnen Jugendliche Werthaltungen zu konsolidieren, der Auszug aus dem Elternhaus und der Eintritt ins Erwerbsleben sind hier wichtige Ereignisse. Übergänge, die alle jungen Menschen vollziehen, sogenannte normative Übergänge wie der Ausbildungsabschluss oder der Eintritt ins Erwerbsleben, gliedern diese Lebensphase.

 

 Gab es die Jugendlichen, so wie wir sie heute kennen, schon immer? Kann eine Entwicklungsgeschichte ausgemacht werden und ist das Leben von Schweizer Teenagern mit solchen aus anderen Ländern vergleichbar?

Bereits Aristoteles schrieb, dass die Jugend jähzornig sei und der Geschlechtslust anhänge. Insgesamt gibt es in der erziehungswissenschaftlichen und soziologischen Forschung zur Geschichte des Jugendalters sehr viele blinde Flecken, insbesondere im Bereich bäuerliche und aussereuropäische Jugenden. Was wir gemeinhin mit Jugend verbinden–Freiheiten und Freizeit haben, mit Rollen experimentieren, viel Zeit mit Gleichaltrigen, in der Schule und mit Lernen zu verbringen–das sind alles Merkmale einer männlichen, bürgerlichen Jugend, die es seit der einsetzenden Industrialisierung und der Verstaatlichung des Bildungswesens, also etwa seit 200 Jahren gibt. Natürlich gab es schon davor junge Menschen, die jugendlich waren, aber die Möglichkeiten, wie zum Beispiel, mit Rollen oder Wertvorstellungen zu experimentieren, waren viel limitierter.

Jakob Kost. Bild zvg

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