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Quarantäne bereitet Firmen Sorgen

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In Quarantäne geht niemand gerne: zehn Tage, in denen man die Wohnung nicht verlassen darf. Wer nicht allein wohnt, darf nicht einmal das eigene Zimmer verlassen. Gestern befanden sich im Kanton Freiburg rund 2700 Personen in Isolation; wie viele in Quarantäne sind, weiss niemand.

Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, fehlt in dieser Zeit am Arbeitsplatz. Die Unternehmen merken dies bereits. Köche, die ausfallen, Coiffeusen, die nicht arbeiten können, Ingenieure, die nicht auf die Baustelle dürfen – sie sind auf die Schnelle nicht zu ersetzen. Wer auf Geheiss des Kantonsarztes in Quarantäne ist, erhält zwar den Lohn bezahlt. Für die Unternehmen bedeutet das aber auch einen administrativen Mehraufwand.

Beim Bauunternehmen JPF Construction sind derzeit mehrere Angestellte in Quarantäne oder in Isolation. «Zum Glück sind es Personen aus verschiedenen Teams», sagt Direktor Philippe Remy. «Aber ich bin besorgt.» Müssten noch mehr Personen in Quarantäne, könnte dies das Funktionieren des Unternehmens auf eine harte Probe stellen. Darum überdenkt Remy die Organisation und baut ein Stellvertreter-System auf, bei dem immer jemand über die Projekte des Kollegen Bescheid weiss.

Das Weihnachtsessen ist bereits seit langem abgesagt. Neu achtet das Unternehmen nun auch stark darauf, dass sich die Teams nicht treffen.

Viele Ansteckungen passieren zwar in der Freizeit, nicht am Arbeitsplatz. «Wir schreiben aber niemandem vor, was er am Wochenende tun darf und was nicht», sagt Remy. «Das dürften wir auch nicht, das wäre ein Eingriff in die individuelle Freiheit.»

«Das Wichtigste ist, dass wir einen zweiten Lockdown vermeiden», sagt David Krienbühl vom Freiburgischen Verband des Handels, des Handwerks und der Dienstleistungen (AFCAS). «Es würde sehr, sehr schwierig werden, wenn wir wieder Restaurants und Läden schliessen müssten.»

Zahlen und Fakten

Rasant steigende Fallzahlen

Das exponentielle Wachstum ist im Kanton Freiburg angekommen. Wurden vor drei Wochen noch 433 und danach 1060 Personen positiv auf Covid-19 getestet, waren es letzte Woche bereits 2400 Personen. 74 Covid-19-Patienten waren gestern im Freiburger Spital HFR, 13 davon auf der Intensivstation. Acht mussten beatmet werden. 2700 positiv getestete Personen waren gestern in Isolation. Wie viele in Quarantäne sind, weiss der Kanton nicht, da sie nicht mehr direkt kontaktiert werden. Das Contact-Tracing und die Testzentren laufen am Limit. Im November wird die Testkapazität mit einem Testzentrum im Forum Freiburg in Granges-Paccot verdoppelt.

njb

Contact-Tracing

Das System ist überfordert

Die Frauen und Männer sitzen vor ihren Computern, das Headset auf den Ohren – und künden Freiburgerinnen und Freiburgern an, dass sie in Isolation müssen. Die Arbeit im Contact-Tracing des Kantons ist keine fröhliche Arbeit. «Auch wenn die meisten Symptome haben und mit einem positiven Testresultat rechnen, sind sie doch schockiert, wenn ich sie anrufe», sagt eine Frau. Schockiert darüber, dass es ihnen ganz offiziell verboten ist, in den nächsten zehn Tagen ihre Wohnung zu verlassen.

In der Regel werden Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, telefonisch kontaktiert. Wer mit anderen zusammenwohnt, muss allein in einem Zimmer bleiben. Auf dem Weg zur Toilette muss die positiv getestete Person eine Maske tragen und danach alle Flächen, die sie berührt hat, desinfizieren.

Bis vor kurzem musste eine positiv getestete Person angeben, mit wem sie in den 48 Stunden, bevor die Symptome aufgetreten sind, engen Kontakt hatte. Als enger Kontakt gilt, wenn sich zwei oder mehr Personen während mehr als einer Viertelstunde ohne Schutz wie Masken oder einem Plexiglas in weniger als eineinhalb Metern Abstand befanden. Diese Personen mussten in Quarantäne.

Das Vorgehen angepasst

Doch das ist derzeit hinfällig: Da seit Freitag täglich knapp 500 Personen positiv getestet werden, reicht die Kapazität des Contact-Tracings nicht mehr aus, um allen Kontakten nachzugehen. Nun müssen die positiv Getesteten dafür sorgen, dass alle, die mit ihnen zusammenwohnen, in Quarantäne gehen. «Unser System war nicht bereit für so viele Fälle in einem Tag», sagte Claudia Lauper von der Gesundheitsdirektion gestern den FN. «Wir mussten unser Vorgehen vorübergehend anpassen.»

Sie hofft nun, dass die ersten Massnahmen, die der Staatsrat vor zehn Tagen beschlossen hat, die Fallzahlen etwas sinken lassen. Denn die Massnahmen, die am Freitag eingeführt wurden, werden sich erst in zehn Tagen in den Statistiken niederschlagen.

Bereits letzte Woche war klar, dass der Kanton bis Ende dieser Woche die Kapazität der Contact-Tracing-Zentrale verdoppelt: So werden täglich vierzig Arbeitsplätze während 12 Stunden besetzt sein.

njb

Avenir Suisse

Kritik an fehlenden Daten

Die Denkfabrik Avenir Suisse hat das Schweizer Quarantäne-Regime etwas näher angeschaut. Das Fazit: «Es gibt keine verlässlichen Zahlen zur Gesamtzahl der Personen, die seit Beginn der Covid-19-Pandemie unter Quarantäne gestellt wurden.» Doch sei genau diese Information zentral, um das Quarantäne-Regime auf seine Tauglichkeit und Verhältnismässigkeit zu prüfen, schreibt Avenir Suisse in einer Mitteilung.

Deshalb hat die Organisation selber die Datengrundlage erarbeitet: Sie hat alle Kantone angeschrieben und aufgrund von deren Angaben und der wöchentlichen Situationsanalyse des Bundesamts für Gesundheit geschätzt, wie viele Quarantäne-Massnahmen bisher ausgesprochen wurden. Avenir Suisse geht davon aus, dass in den vergangenen knapp vier Monaten über 200 000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden.

Davon seien weniger als acht Prozent dann auch positiv getestet worden. Dieser Prozentsatz gilt für alle Quarantäne-Massnahmen, also die ärztlich verordneten wie auch jene nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet.

«Entsprechend legitimieren»

Die Denkfabrik kritisiert, dass die Kantone diese Zahlen nicht systematisch erheben. Eine Quarantäne sei ein einschneidender Eingriff in die persönliche Freiheit. «Daher ist es zentral, dass das Schweizer Quarantäne-Regime entsprechend dokumentiert und legitimiert ist», heisst es in der Mitteilung. Derzeit sei dies ungenügend.

njb

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