BULLE 20.09.2017

Bulle feiert seine Zuchtbullen

Knuddeln mit dem Holstein-Stier Opright aus Cheiry – auch das gehörte zum Zuchtstiermarkt in Bulle.
232 Stiere aus fünf Kantonen waren die Stars des diesjährigen 118. Zuchtstiermarkts im Espace Gruyère. Als Sieger bei den vier Rassen gingen Florian, Ombre, Bobi und Elvis aus der Prämierung hervor.

Sie heissen Rambo, Anakin, Tarzan, Eidgenoss oder Napoleon. Sie bringen gut und gerne bis zu einer Tonne auf die Waage. Und ihr wichtigster Lebenszweck besteht da­rin, möglichst gutes Erbgut an durchschnittlich 40 bis 50 Kälber weiterzugeben, bevor sie in den Schlachthof gehen…

1899 erstmals durchgeführt

Mit 232 Stieren aus bester Schweizer Genetik und 130 Ausstellern aus fünf Kantonen war der 118. Zuchtstiermarkt Bulle, der gestern im Espace Gruyère über die Bühne ging, einmal mehr ein Treffpunkt von nationaler Tragweite. Er richtete sich nicht nur an ein fachkundiges Publikum, sondern auch an die breite Öffentlichkeit. Insgesamt besuchten rund 2500 Personen den Traditionsanlass.

Organisiert wird die Veranstaltung vom Freiburgischen Holsteinzuchtverband und von Swissherdbook Freiburg. Unterstützt werden die Verbände dabei vom kantonalen Landwirtschaftsamt und den Schweizer Rindviehzuchtverbänden.

«Das Ziel dieses im Jahr 1899 erstmals durchgeführten Tages ist es, die besten Stiere der Rassen Simmental, Swiss Fleckvieh, Red Holstein und Holstein zusammenzuführen, um sie im Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen, ihre Vermarktung zu fördern und die Rindviehzucht allgemein vorwärtszubringen», sagt der Geschäftsführer des Marktes, Bertrand Droux.

Auch ein Publikumsliebling

Die Champions der einzelnen Rassen, die von einer fachkundigen und anerkannten, insgesamt vierköpfigen Jury erkoren wurden, standen schon am früheren Nachmittag fest. Bei den Simmentalern siegte Florian aus Adelboden (geboren am 14. November 2014), beim Swiss Fleckvieh Ombre aus Le Châtelard (16. September 2014), bei den Red Holstein Bobi aus Sâles (15. April 2014) und bei den Holsteinern Elvis aus Vaulruz (5. November 2016). «Da die Jury keine Abstammungstafel jedes Teilnehmers besitzt, urteilt sie in erster Linie nach optischen Kriterien», sagt Bertrand Droux. Diese seien aber durch jahrzehntelange Erfahrungswerte gesichert.

Schon zum dritten Mal konnten die Gäste im Saal am Abend aus diesen vieren zusätzlich per SMS ein Publikumsliebling küren. Es gewann Elvis.

«Vielfältigkeit der Blutlinien»

113 der anwesenden Züchter waren aus dem Kanton Freiburg angereist, 17 aus den Kantonen Bern, Waadt, Neuenburg und Jura. Bei den Rassen waren die Red-Holstein-Stiere am zahlreichsten, mit 89 Exemplaren, gefolgt von 54 Holstein-Stieren, 52 des Swiss Fleckvieh und 37 Simmentalern. «Bemerkenswert ist die Vielfältigkeit der Blutlinien», so Droux. «Die hier vertretenen Stiere stammen von 144 verschiedenen Vätern.» 45 der Tiere würden aus Embryotransfers stammen, und bei deren 86 hätten die Züchter vorgängig eine sogenannte Genotypisierung mittels DNA-Test vorgenommen. Die Väter der Swiss-Fleckvieh-Tiere und der Simmentaler stammten ausnahmslos alle aus der Schweiz. Bei den Red Holstein und Holstein seien auch Stiere aus den USA, Kanada, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Grossbritannien dabei.

Die Verkäufe gehen laut Droux stets in bilateraler Absprache über die Bühne; auf jegliche Auktion werde verzichtet. Auch das entspreche der Tradition in Bulle. Das ideale Alter für einen Verkauf liege zwischen einem und anderthalb Jahren. Insgesamt seien die ältesten Tiere an der Veranstaltung aber sieben Jahre alt.

Spitzenpreis: 5000 Franken

Für die Züchter ging es an diesem Tag freilich nicht nur darum, ihre Tiere im sportlichen Wettkampf gegeneinander antreten zu lassen. Ein zentraler Programmpunkt war für sie auch der Verkauf ihrer Tiere. Die Verkäufe, deren genaue Evaluierung noch ausstehend ist, dürften laut Droux etwa im Rahmen des Vorjahres liegen.

2016 erreichte der Durchschnittspreis für einen Stier 3007 Franken, mit einer Bandbreite zwischen 1800 und 5000 Franken. Vermarktet wurden damals etwa 150 Tiere. 41 Prozent von ihnen fanden einen Abnehmer ausserhalb des Kantons Freiburg, insbesondere in den Kantonen Bern, Waadt, Neuenburg und Jura.

Heute gehts ums Schlachtvieh

Auch die Geselligkeit gehört zum Zuchtstiermarkt. So liess man den gestrigen Tag mit einem bunten Züchterabend und diversen Animationen ausklingen. Eine Parade der Siegerstiere gehörte da ebenso dazu wie ein Fondue-Essen und musikalische Unterhaltung mit dem Orchester-Trio Thürler-Mosimann.

Heute Mittwoch ab 8 Uhr geht es dann gleichenorts ganz um das Schlachtvieh – mit einem überwachten Stieren- und Grossviehmarkt, der durch die Freiburgische Viehverwertungs-Genossenschaft organisiert wird.

Am Weekend kamen weniger

«Der Dienstag und der Mittwoch haben sich als Austragungstage bewährt», so Droux. Zwischendurch habe man einen Versuch an Wochenenden gemacht, und dabei zwar mehr Besucher, aber weniger Züchter zu Gast gehabt. «Natürlich schätzen wir die Besucher sehr, und sie sind auch wichtig für uns, doch im Zweifelsfall müssen wir dem professionellen Aspekt dieses Tages Priorität einräumen», sagt er. Ausserdem würden an den Wochenenden des Septembers so viele andere Veranstaltungen stattfinden, etwa die Alpabzüge. Da komme man mit dem Markt am Dienstag und Mittwoch mit diesen Veranstaltern nicht in Konflikt.

«Im Zweifelsfall müssen wir dem professionellen Aspekt dieses Tages Priorität einräumen.»

Bertrand Droux

Zuchtstiermarkt-Geschäftsführer