Romont 05.10.2019

Glaskünstler, Tüftler, Philosoph

Peter Barth las viel, dachte über die Welt nach und schrieb selber kurze Texte. Diese fanden oft Eingang in seine Glaskunst.
In einer kleinen, aber feinen Ausstellung zeigt das Vitromusée in Romont Werke des 2018 verstorbenen Glaskünstlers Peter Barth. Es ist eine Hommage an einen unterschätzten Künstler, der dem Museum immer eng verbunden war.

Das Glas mit seinen vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten, seiner Oberfläche, seinen Spiegelungen und seinem Symbolcharakter war das Lieblingsmaterial des Kerzerser Künstlers Peter Barth (1960–2018). Während seiner ganzen Karriere hörte der gelernte Glasmaler und autodidaktische Künstler nicht auf, mit dem Werkstoff zu experimentieren und sich dabei immer wieder neu zu erfinden. Gerne kombinierte er seine Glasarbeiten mit anderen Materialien und Techniken, wie Holz, Metall, Malerei oder Collage.

«Peter Barth ging als Künstler einen sehr eigenständigen Weg», sagt die Kunsthistorikern Astrid Kaiser, Kuratorin am Vitromusée in Romont. «Seine Arbeit war klar unterschätzt.» Dass Barth vor allem in der Region bekannt und geschätzt gewesen sei, weniger aber darüber hinaus, habe viel mit seinem Naturell zu tun: «Er war sehr bescheiden, verkaufte sich nicht gern und sprach auch ungern über seine Arbeit.»

Hommage an einen Freund

Seine Werke zeigte Peter Barth seit den Achtzigerjahren ein bis zwei Mal pro Jahr in seinem eigenen Atelier in Kerzers. Zudem hatte er regelmässig Ausstellungen in der Region, zuletzt etwa im Museum Murten oder im Kran in Düdingen. Und auch das Vitromusée, das schweizerische Kompetenzzentrum für Glaskunst, zeigte seine Arbeiten immer wieder. Seine letzte grosse Ausstellung in Romont hatte Barth im Winter 2016/17, zusammen mit Catherine Liechti: In einem Kubus aus Holz und Glas, einer Art Museum im Museum, installierte der Künstler damals eine Retrospektive seines Schaffens aus zwanzig Jahren.

Jetzt hat das Vitromusée eine kleine, aber feine Ausstellung als Hommage an den im Februar 2018 verstorbenen Künstler gestaltet. Sie basiert auf einer Schenkung, welche Barths Familie dem Museum gemacht hat. Diese umfasst über dreissig Werke, von denen bis Mitte März ein grosser Teil ausgestellt ist. «Wir durften die Werke in Barths Atelier selber auswählen», sagt Astrid Kaiser. Die Ausstellung sei eine Möglichkeit, einem Künstler die Ehre zu erweisen, mit dem das Museum immer eng verbunden gewesen sei. Er habe hier nicht nur seine eigene Arbeit gezeigt, sondern auch oft beim Aufbau anderer Ausstellungen mitgeholfen. «Peter Barth war ein Freund, darum bedeuten uns die Schenkung und die Ausstellung viel.»

Vielfältige Kombinationen mit Glas

Die meisten gezeigten Werke stammen aus den letzten Jahren, einige sind auch älteren Datums. Viele alte Arbeiten habe es in Barths Nachlass nicht gegeben, sagt Astrid Kaiser. Der Künstler habe regelmässig aussortiert, etwa, wenn er sein Atelier in Kerzers gezügelt habe. «Oft brauchte er Teile alter Werke, um sie in neue Arbeiten zu integrieren.»

Die Ausstellung zeigt eindrücklich Peter Barths Vielfalt, seine Originalität und seinen Einfallsreichtum. Die meisten Arbeiten basieren auf der Hinterglasmalerei, doch selten beschränkt Barth sich auf den Werkstoff Glas. Mal kombiniert er das Glas mit feinen Collagen aus altem Zeitungspapier, Notizzetteln und Buchseiten. Mal vereint er es mit Metall oder Holz, etwa auf einer alten Holztür, die im Ausstellungsraum stimmig in einem Durchgang platziert ist. Dann wieder integriert er die Einbände von Büchern in seine Arbeit. «Peter Barth las viel», erzählt Astrid Kaiser. «Doch hatte er ein Buch gelesen, fand er, dass er sich an das Wichtige erinnere und das Buch nicht mehr brauche – ausser als Bestandteil eines Kunstwerks.»

Arbeit mit Schrift und Sprache

Ein wichtiger Teil von Peter Barths Schaffen war stets die Sprache. Oft spielen Worte und Schrift in seinen Werken eine Rolle. Er schrieb selber Texte, in denen er seine Gedanken über die Welt, die Gesellschaft, die Kunst, das Menschsein und das Göttliche festhielt. Diese Gedanken finden sich in manchen Textbildern wieder, so etwa auf einer Arbeit von 2011 zum Dreikönigsfenster im Berner Münster, mit dem er sich damals stark beschäftigte.

Barths Arbeit sei immer Ausdruck seiner Auseinandersetzung mit der Welt gewesen, sagt Astrid Kaiser. «In all seinen Werken spielen philosophische Fragen eine Rolle. Als Künstler fühlte er sich verantwortlich dafür, die Menschen zum Nachdenken zu bringen.»

Vitromusée Romont. Bis zum 15. März. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, ab November 11 bis 17 Uhr. Bis zum 1. März ist auch noch eine Sonderausstellung über die chinesische Hinterglasmalerei zu sehen. Weitere Infos: www.vitromusee.ch

Zur Person

Gelernter Glasmaler und autodidaktischer Künstler

Peter Barth wurde 1960 in Zürich geboren und lebte ab 1964 in Kerzers. Nach seiner Lehre als Glasmaler eröffnete er 1983 sein eigenes Glasatelier in Kerzers. Schon früh beschäftigte er sich mit Sprachgestaltung im Sinne von Rudolf Steiner. Seine Werke zeigte er ab 1983 regelmässig in seinem eigenen Atelier sowie in Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und anderen Institutionen. Peter Barth verstarb im Februar 2018 nach kurzer, schwerer Krankheit.

cs/Bild ce/a