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Reisen muss möglich bleiben

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«Im Grossen Rat ist alles eine Nummer grösser als im Generalrat.» Die ersten Erfahrungen im Gros­sen Rat haben Julia Senti beeindruckt. Seit letztem November sitzt die 27-jährige Murtnerin im Freiburger Kantonsparlament. «Der Betrieb erinnert mich an den Nationalrat.» So würden die Parlamentarier während langen Debatten schon einmal zu den Zeitungen greifen. Das sei im Murtner Generalrat unvorstellbar. «Allerdings sind dort die Sitzungen wesentlich kürzer.»

Wenn sie im Grossen Rat das Wort ergreife, sei sie noch ziemlich nervös. «Man ist sich bewusst, wer da alles zuhört.» Noch kenne sie lange nicht jede und jeden der 110 Grossräte. Sie hat aber festgestellt, dass die Parlamentarier ausserhalb der Sitzungen herzlich miteinander umgehen. Es sei wichtig, den Kontakt über die Parteigrenzen hinaus zu pflegen. «Das hilft bei der Suche nach politischen Lösungen.» Aus Neugier hat sich Julia Senti vorerst unter anderem in den FC Grossrat eingeschrieben, obwohl sie eigentlich nicht Fussball spielt. Zudem ist sie Mitglied verschiedener Ad-hoc-Kommissionen, die sich für die Vorberatung bestimmter Geschäfte bilden.

Parteibeitritt ändert wenig

Für die Grossratswahlen ist Senti der SP beigetreten. Zuvor sass sie seit 2011 als sogenannte Sympathisantin der SP im Murtner Generalrat. Sie habe früher gedacht, sie könne sich nur als Sympathisantin eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. «Im Grossen Rat wird es aber schwierig, wenn man nicht einer Partei als Mitglied angehört.» Mittlerweile habe sie ihre Meinung geändert. «Auch als Parteimitglied hat man die Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden.» In diesem Sinne habe der Beitritt zur SP für sie wenig geändert. Wie die Auswertung des Online-Portals Smartvote zeigt, steht Julia Senti eher am liberalen Flügel der SP-Fraktion. «Ich will mich für eine soziale Gesellschaft engagieren, in der sich die Eigenverantwortung lohnt.»

Noch müsse sie sich innerhalb der Fraktion ein Profil erarbeiten. So hat sie sich in der Fraktionsgruppe für Raumplanungsfragen eingetragen. Dafür bringt die studierte Juristin auch den entsprechenden Rucksack mit. «Für soziale Fragen haben wir genügend Spezialisten in der Fraktion», hält sie fest.

Durch die Familie geprägt

Dass Senti als Mitglied der SP politisiert, ist wohl kein Zufall. Vater Johann Senti sass 13 Jahre für die SP im Murtner Generalrat. 2010 trat er zurück. Sie sei in ihrer Familie für die Politik sensibilisiert worden, sagt sie. Sie sei in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem viel diskutiert wurde, und habe viel von ihrem Vater gelernt. «Ich kann etwa auf ihn zurückgreifen, wenn es um die Vorgeschichte von aktuellen Dossiers in der Gemeindepolitik geht.»

Durch ihren Vater sei sie früh mit der Murtner SP in Kontakt gekommen. Es war Gemeinderat Alexander Schroeter, der Julia Senti vor den Gemeindewahlen 2011 motiviert hat, auf der Liste der SP für den Generalrat zu kandidieren. Julia Senti schaffte auf Anhieb den Sprung ins Gemeindeparlament. Sie hat sich dort vor allem in den Themen Jugend und Sport profiliert. An seiner letzten Sitzung wählte der Generalrat Julia Senti als Stimmenzählerin in das Büro.

Dass sie aufgrund ihres Namens als Tochter von Johann Senti erkannt werde, habe ihr bisher eigentlich nur Vorteile gebracht. Sie habe nie den Eindruck gehabt, dass sie nicht als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen werde. «Da ich in Murten unter anderem als Schwimmlehrerin in der Primarschule gearbeitet habe, kennt man mich in Murten auch unabhängig von meinem Vater.» Die Murtner Stimmbürger hat sie offensichtlich überzeugt: Bei den vorgezogenen Generalratswahlen 2015 erzielte sie auf der SP-Liste das zweitbeste Resultat, direkt hinter Gemeinderat Alexander Schroeter, der gleichzeitig für Stadtregierung und Parlament kandidiert hatte.

Gretchenfrage Feminismus

Eine andere Partei als die SP sei für sie nie ernsthaft infrage gekommen, zeigt sie sich überzeugt. «Nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten erhalten.» Der Staat müsse dem Einzelnen die Möglichkeit bieten, diese Nachteile auszugleichen. «Dafür darf er aber vom Einzelnen ruhig auch etwas fordern.»

Und wie hält es Julia Senti als junge SP-Politikerin mit dem Feminismus? Sie zögert. «Eigentlich gibt es auf diese Frage nur falsche Antworten.» Als Frau könne sie sich diesem Thema nicht entziehen. «Es geht um Fragen, die uns als Frauen direkt betreffen.» Junge Frauen seien sich wohl zu wenig bewusst, welchen Kampf es gebraucht habe, um die heutige Situation zu erreichen. «Trotzdem kann ich mit den feministischen Bewegungen, die auf Kampf und Provokation setzen, wenig anfangen.» Gerade Fragen wie die Familienbetreuung würden auch Männer betreffen. «Darum sollte man sie auf jeden Fall in die Diskussion einbeziehen.»

Direkt und nachdenklich

Jung und dynamisch: Das sind Eigenschaften, die Julia Senti gerne zugeschrieben werden. Sie wendet ein: «Ich kann mir unter der Bezeichnung dynamisch wenig vorstellen.» Ein junger Politiker trage wohl schnell einmal dieses Attribut, meint Senti. Der Einwand legt eine ihrer Charaktereigenschaften offen. Julia Senti ist einerseits temperamentvoll, direkt, mit einem kräftigen Lachen und selten um kecke Sprüche verlegen. Gleichzeitig hat sie aber auch eine nachdenkliche, zweifelnde Seite. «Ich habe mir schon als Kind viele Gedanken gemacht.» Vielleicht sei das als Tochter eines Philosophielehrers auch nicht ganz zufällig.

Senti ist keine, die ohne Zweifel von sich selbst überzeugt ist. So gibt sie offen zu, dass sie nicht unbedingt mit der Wahl in den Grossen Rat gerechnet hat. Sie habe auch grossen Respekt vor der Aufgabe. «Doch die Neugier auf eine spannende Aufgabe ist stets grösser als die Zweifel.» Was ihre politische Zukunft anbelangt, mag sie nicht allzu weit vorausdenken. «Lieber konzentriere ich mich darauf, mich im Grossen Rat einzuleben, und auf die laufende Legislatur.»

Benachteiligte unterstützen

Die Integration von Benachteiligten liegt Julia Senti besonders am Herzen. Seit kurzem sitzt sie unter anderem im Vorstand von Impuls Seebezirk. «Mich überzeugt der Ansatz, Personen zu unterstützen, damit sie ihr Leben weiterhin selbst in der Hand haben und nicht von staatlicher Unterstützung abhängig werden.» Weiter sitzt sie im Vorstand des Freiburger Mieterverbandes und des Vereins Agir pour la dignité, der Opfern fürsorgerischer Freiheitsentzüge eine Plattform bietet.

Neben ihren Mandaten absolviert Senti zurzeit in Freiburg das Anwaltspraktikum. «Solange mir Zeit zum Sporttreiben, um Freunde zu treffen und zum Reisen bleibt, ist der Stress noch nicht allzu schlimm.»

Reisen als Horizonterweiterung

Sport und Reisen: Das sind zwei Leidenschaften, die Julia Senti begleiten. Als Schwimmerin des Schwimmklubs Region Murten bestritt sie zahlreiche Wettkämpfe. Trotz Erfolgen auf nationaler Ebene ist sie heute aber froh, hat sie nicht auf den Sport gesetzt.

Am Reisen schätzt sie vor allem das Abenteuer und den Tapetenwechsel. «Von jeder Reise bleiben mir Menschen, mit denen ich weiterhin in Kontakt bleibe.» Eine Erkenntnis ihrer Reisen begleitet sie auch in der Politik: «Wir sind uns manchmal zu wenig bewusst, wie privilegiert wir in der Schweiz leben.»

«Wir sind uns oft zu wenig bewusst, wie privilegiert wir in der Schweiz leben.»

Julia Senti

Jungpolitikerin und Juristin

Zur Person

Murtner Generalrätin, Grossrätin und Juristin

Julia Senti wuchs in Murten auf. 2010 schloss sie am Kollegium St. Michael in Freiburg die Matura ab und studierte anschliessend an der Universität Freiburg Recht. Bis im kommenden November absolviert sie bei einer Freiburger Kanzlei das Anwaltspraktikum. Seit 2011 sitzt Julia Senti für die SP im Generalrat von Murten. Im Herbst 2016 wählten sie die Stimmbürger des Seebezirks in den Grossen Rat. Julia Senti ist ledig und lebt in Murten.

sos

 

 

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