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Reisserische Berichterstattung

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der Titel «Die Muttergottes und der Nazi» ist reisserisch und diffamierend. Man würde ihn eher in Boulevardblättern erwarten als in den FN. Die Geschichten um Heribert Reiners und die Pietà von Rechthalten sind Dauerbrenner. Vermutungen, Unterstellungen, Hörensagen – alles Futter für die Fantasie und Stoff für Legenden. Problem ist, dass das Ganze bis heute nicht kritisch aufgearbeitet worden ist.

Was an Reiners hängen geblieben ist: Er soll die Statue einem Bauern in Rechthalten für einen Pappenstiel abgeluchst und später nach Deutschland verschleppt haben. Das wird bis heute weitergesponnen; und hier fehlt der Platz, um auf alle im Artikel ge­machten Unterstellungen einzugehen.

Abgeluchst: Er hat sie rechtmässig erworben und als sein Eigentum ausgeführt. Dass verschiedene Schweizer Museen, auch das freiburgische, sie in den 1930er-Jahren nicht erwerben wollten, wissen wir neuerdings aus verlässlicher Quelle. Dass die Rechthaltner sich geprellt fühlen, ist ihr Problem. Offenbar haben sie erst im Nachhinein gemerkt, wie bedeutsam die Figur ist.

Reiners ein Nazi? Das ist schnell gesagt, doch schwierig zu beweisen. Er sei für Deutschland gewesen, aber nicht für Hitler, sagten mir seine inzwischen verstorbenen Kinder. Er war auch bereits vierzig, als er in die Schweiz kam, er hatte in Deutschland mit Erfolg gearbeitet und erfreute sich beruflich eines prominenten Freundeskreises, darunter auch jüdische Familien.

Wenn Reiners in Freiburg angeeckt ist, mag das an seinem Francparler, seiner ausserordentlich breiten Bildung und seinen weiten Interessen gelegen haben. Sein Vorlesungsprogramm war immens, dazu publizierte er regelmässig über Freiburg und seine Kunst. Fünf Jahre nach seiner Ankunft in Freiburg veröffentlichte er ein Buch über die Stadt Freiburg, das bis heute lesenswert ist.

Den Linken und den Liberalen mag es aufgestossen haben, dass er sich mit Bischof Marius Besson, Staatsrat Joseph Piller, Pierre de Zurich und Gonzague de Reynold gut verstand. Das war ein Kreis, dem wohl zu Recht ständestaatliche Ideen angelastet wurden, was jedoch damals in der politischen und intellektuellen Oberschicht weit verbreitet war. Die fristlose Entlassung am Kriegsende durch den Freiburger Staatsrat – ohne rechtliches Gehör bekommen zu haben – und dessen Vorschlag an den Bundesrat, ihn auszuweisen: Das hat bis heute den schalen Geschmack politischer Willkür.

Hier ist nachzutragen, dass sich heute ein bedeutender Teil des wissenschaftlichen Nachlasses von Heribert Reiners als Schenkung der Familie im Kultur­güterdienst des Kantons befindet.

Hermann Schöpfer, Freiburg

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