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Religiöse Vielfalt als Zeiterscheinung

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Als das Schweizer und das Freiburger Stimmvolk im November 2009 die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» annahmen, schien das Verhältnis zwischen den Religionsgemeinschaften einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Diese Volksabstimmung veranlasste damals die beiden Grossräte Daniel de Roche (ehemalig) und Laurent Thévoz (Grüne, Freiburg), in einem Postulat vom Kanton einen Bericht dazu einzufordern.

Gestern hat nun der Staatsrat diesen Bericht präsentiert. Er stellt dabei fest, dass die Gesellschaft säkularisiert wird, aber die Spiritualität immer noch einen hohen Stellenwert hat. Die Pluralität der Religionsgesellschaften im Kanton hat über die letzten drei Jahrzehnte stark zugenommen.

 Kaum Massnahmen nötig

Diese Entwicklungen haben nicht dazu geführt, dass die nach der Minarett-Initiative befürchteten Probleme tatsächlich auftraten, sagte Staatsrätin Marie Garnier. «Deshalb drängen sich im Moment auch keine dringenden Massnahmen auf.» Als einzigen konkreten Schritt will der Staatsrat sich in nächster Zeit mit Vertretern verschiedener Freiburger Religionsgesellschaften treffen, um deren Bedürfnisse kennenzulernen.

Der Bericht des Staatsrates stützt sich auf eine Studie, welche die Regierung dem Institut Religioscope in Auftrag gegeben hat. Autor Jean-François Mayer und sein Mitarbeiter Pierre Köstinger versuchten zwischen Mai und September 2011, eine Bestandesaufnahme der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu erheben. Unter Religionsgemeinschaft versteht Mayer eine Gruppe Menschen, die sich regelmässig an einem festen Standort zur Ausübung ihres Glaubens trifft.

Freikirchen erst spät

Mayer und Köstinger betraten mit der Erhebung Neuland, denn seit dem Systemwechsel bei der Volkszählung auf ein Verfahren mit Stichproben sind die vorhandenen Zahlen nicht mehr sehr aussagekräftig. Dem Institut gelang es trotzdem, für die wichtigsten Religionsgemeinschaften die Entwicklung und den jetzigen Stand in Zahlen festzuhalten (siehe Kasten).

Für den Kanton Freiburg ist laut Mayer das relativ späte Auftreten der Freikirchen eine Besonderheit. Gerade für Freikirchen sei Freiburg lange Zeit ein weisser Fleck gewesen, was sich nun geändert habe.

Mayer hebt im Bericht die weiterhin bestehende Dominanz der römisch-katholischen und der reformierten Landeskirche hervor. Die Israelitische Kultusgemeinde hingegen umfasst im Kanton Freiburg kaum mehr 100 Mitglieder.

Die Zahl der Gläubigen ist aber für Mayer kein Kriterium, ob eine Religionsgemeinschaft den Status einer Landeskirche hat oder nicht. Er hat festgestellt, dass derzeit von keiner Religionsgemeinschaft neu der Ruf nach öffentlichrechtlicher Anerkennung kommt. Vielen sei die moralische Anerkennung wichtiger.

Staat ist vorbereitet

Im Bericht des Staatsrates ist aber das Szenario vorgesehen, dass gewisse Gemeinschaften in den nächsten Jahren in Freiburg öffentlichrechtlich anerkannt werden möchten. Gemäss Bericht dürfte gerade die wachsende Zahl der Muslime und die Eröffnung neuer Gebetsräume dazu führen, dass sich diese Gemeinschaft besser organisieren wird. Auch dürfte sich gemäss dem Bericht die Frage nach eigenen Friedhöfen oder Sektoren auf bestehenden Friedhöfen für diese Gemeinschaften stellen. Laut Bericht würde die Einrichtung eines oder mehrerer muslimischer Grabfelder nicht gegen die lokale Praxis verstossen.

Für Staatsrätin Marie Garnier ist auch in Zukunft ein pragmatischer Ansatz geboten, der sich an bisherigen erfolgreichen Integrationsprojekten orientiert.

Statistik: Alle Freiburger Kirchen wachsen

K irchen in der Krise? Für den Kanton Freiburg scheint dies nicht zu gelten. Gemäss der Erhebung des Instituts Religioscope konnten alle Religionsgemeinschaften im Kanton über die letzten zwei Jahrzehnte zulegen. Seit 1990 zählt die römisch-katholische Kirche in Freiburg 15 000 Gläubige mehr, nämlich 185 000 Katholiken. Die Reformierten haben im gleichen Zeitraum von rund 30 000 auf 40 000 Mitglieder zugenommen.

Die drittgrösste Religionsgemeinschaft in Freiburg sind heute die Muslime. Zwischen 1990 und 2000 hat sich ihre Zahl auf gegen 7000 Personen verdoppelt. Gemäss Jean-François Mayer dürfte sich ihre Zahl heute auf über 10 000 bewegen. Der Zuwachs hat sich aber deutlich verlangsamt.

Für Jean-François Mayer ist eine wichtige Erkenntnis, dass die Migration allen Religionsgemeinschaften nützt, auch den Freikirchen, Orthodoxen oder Aleviten. So gibt es mehr Katholiken dank der Zuwanderung aus Portugal oder Lateinamerika, die Protestanten ziehen aus anderen Kantonen nach Freiburg, und bei den Muslimen oder Orthodoxen handelt es sich meist um Migranten aus anderen Ländern. Freikirchen und Muslime dürften aufgrund des jüngeren Durchschnittsalters zudem auch auf einen natürlichen Zuwachs hoffen. Die Migration macht also gemäss Mayer die rund 600 jährlichen Kirchenaustritte bei den Katholiken und 300 bei den Protestanten mehr als wett. uh

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