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«Requiem» – Tanz im Zwischenreich

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Das Ritual fasziniert die Ethnologin und Choreografin Tonia Schilling seit ihrem Aufenthalt in Afrika. Und in ihren Tanzkreationen versucht sie, die Zuschauer daran teilhaben zu lassen. Vor knapp zehn Jahren war die Schwelle, die man überschreitet, um in das Ritengeschehen einzutauchen, Titel und Thema ihrer Performance. Eine Schwelle überschritt vor drei Jahren auch das Publikum von «Ichane»: Die Koproduktion mit einer Tanzgruppe aus dem Tschad war die letzte Aufführung im Rahmen von Juilletdance, eines Festivals, das schweizweit seinesgleichen sucht: ein afro-zeitgenössisches Tanzfestival, welches Tonia Schilling ins Leben gerufen und sechs Jahre geleitet hatte. «Ichane» weihte das 850-jährige Gemäuer des Werkhofs Freiburg einfühlsam mit Licht- und Körperspiel.

Am Dienstagabend nun war es die Choreografin selbst, die eine Schwelle übertreten durfte, nämlich die zur professionellen Bühne am Ort ihres jahrzehntelangen Wirkens: Im Nuithonie in Villars-sur-Glâne feierte sie Premiere mit ihrem neuen Stück «Requiem» (siehe auch FN vom 9. Mai).

Und die Schwelle stand noch fünf Minuten zuvor in Flammen. Doch als die Künstlerin den Applaus mit ihrer Compagnie entgegennahm, hatte die magische Technik an der Bühnenrampe ihre Wirkung bereits entfacht, und sie durfte den verdienten Lohn ernten.

Totenstill

Zu Beginn von «Requiem» ist die Welt noch so bunt wie exotische Vögel. Urwaldtöne mit Vogelgeschnatter durchdringen gemurmelte Gebete und einheimischen Singsang. Kein Mensch gleicht dem andern, nur ihr Lachen deckt sich. Wie wohltuend, wenn Vereinzelte in der Hast, ein anderer auf Rast, doch dieselbe Bewegungssilbe teilen. Meist aber herrscht hochgradige Individualität und Vielfalt, im Lebens- wie im Tanzstil.

Doch was, wenn abseits die Dame des Herzens, um die es sich allemal zu balgen lohnt, diskret wegstirbt? Dann ist es authentisch still. Totenstill. Wie der Weihrauch steigen auch die Gesten. Die Vertikalität transzendiert, und das horizontale Kreisen sammelt ein «Wir». Vor bedächtigem Tai Chi und japanischer Schwarz-Weiss-Ästhetik lodern die Fackeln. Eingefallene Wangen, halb geschlossene Augenlider, der Zuschauer wähnt sich in einem Zwischenreich. Als am Ende ein Derwisch-Tanz mit Aladdinhosen tief geerdet sich in den Boden schraubt, entsteigt den Drehungen eine Trance.

Mut zur Bewegung ist inmitten unserer sonst so verkopften Kunst zwar willkommen, doch kann die Künstlerin historischen Orten besser ihre Aura ablauschen. Während hier über Strecken Modern-Dance-Etuden neben Afro-Wellen rituell absolviert werden, vermag die Choreografin andere Stätten zum Leben zu erwecken. Als ob uns die Welt des Scheins (das Theater) die urtümliche Magie, den ersten Bann der Menschheit, das gemeinsame Ritual, vorenthielte.

Das Stück «Requiem» ist noch bis zum Sonntag, 15. Mai, im Nuithonie in Villars-sur-Glâne zu sehen: Do., Fr. und Sa. jeweils 20 Uhr, So. 17 Uhr. Am Freitag um 18 Uhr findet ausserdem ein Vertiefungsgespräch mit der Choreografin Tonia Schilling und weiteren Teilnehmern statt. Details und Reservation unter: www.equilibre-nuithonie.ch.

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