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Res Balzli, Freiburg

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In Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung war Res Balzli ein Anachronist. Er dachte und wirkte vielschichtig. 9/11 bedeutete für ihn nicht bloss zwei einstürzende Türme in New York, sondern genauso den Sturz von Salvador Allende durch die Militärjunta in Chile. – Oder seine eigene Geburt am 11. September 1952 in Bolligen.

Dort wuchsen er und seine Schwester Brigitte zusammen mit zwei Pflegegeschwistern bei Alice Balzli auf. Seinen Vater Ernst – einen schweizweit gefeierten Mundartschriftsteller – verlor Res bereits in der Kindheit. Der Tod war ihm schon früh vertraut.

Nach der Matura studierte er Sozialarbeit. Keineswegs immer einverstanden mit der Welt, suchte er stets nach Alternativen: Dafür bekam er in den 80er-Jahren Tränengas ab, arbeitete in der Drogen-Rehabilitation, versteckte Geflüchtete und war Mitbegründer von verschiedenen Genossenschaften, etwa dem selbst verwalteten Kreuz in Nidau. Dort stand dann auch sein erster Schreibtisch als Filmproduzent der Firma Balzli & Cie, die er 1985 zusammen mit Dieter Fahrer, Rosemarie Jenni und Felix Tissi gegründet hatte und die bis heute als Balzli & Fahrer GmbH nach Alternativen sucht.

Womöglich etwas enttäuscht davon, dass auch Kunst die Welt nicht zu retten vermag, zog sich Produzent Balzli zwischenzeitlich aus der Filmproduktion zurück, um in Freiburg zusammen mit Catherine Portmann die legendäre Auberge Aux 4 Vents aufzubauen. Aber auch wenn er auf der Alp Kühe domptierte, die ganze Schweiz landkartengetreu bevelofuhr, bei Zirkusleuten den Futtertrog für Tier und Mensch füllte oder an den Töpfen seiner Liebsten Judith Baumann in der Pinte des Mossettes schnupperte, blieb er der Filmwelt verbunden. Bei zwei Filmen übernahm er selbst die Regie: dem Dokumentarfilm «Bouton» und dem Spielfilm «Tinou».

«Hans Balzli in allen Gassen» präsentierte sich gern als Hofnarr. Er liebte es, Konventionen zu piesacken. Vor Gericht stand er gar nicht so ungern, denn er war sich sicher, dass er gewinnen würde. Und so wurde aus dem Hofnarren-Balzli ein Möglichmacher-Balzli, der die Grenzen unserer helvetischen Welt ein bisschen weniger eng machte. Doch dann kam unvermittelt ein Unfall: schweres Schädel-Hirn-Trauma. Das Schlimmste, was einem Möglichmacher widerfahren kann, ist, dass ihm selbst vieles nicht mehr möglich ist. Während langer Monate hat Res Balzli um seine eigenwillige Selbstbestimmung gerungen. Am 21. Juli hat er sie wiedererlangt. – Auf einer Brücke über dem Schiffenensee. – Es passte, wie so vieles in seinem schrägen Leben, das nie grade sein wollte.

Erst vor wenigen Tagen war Res Balzli in die nach seinen Träumen umgebaute Messerschleiferei in Freiburg umgezogen. Die übrigen Räumlichkeiten der Coutellerie hat er für ein selbst verwaltetes Bistro mit Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt. Auch an der Premiere des letzten von ihm produzierten Films «Gottlos Abendland» wird er nicht dabei sein. Und die 2005 von ihm ins Leben gerufene Stiftung Wunderland wird an seiner Stelle weiterhin nach Alternativen suchen. Vielleicht sogar nach Wundern.

Eing.

 

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