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Rettung für den Alpen-Mannstreu

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Im Sommer 2007 entdeckte Benoît Clément auf einer Alp zwischen den Gipfeln des Moléson und des Teysachaux versteckt zwischen Steinen grosse ovale Blätter mit kleinen Zähnchen. Dem durchschnittlichen Wanderer wären sie wohl kaum aufgefallen – doch Clément, Gärtner im Botanischen Garten der Universität Freiburg, wusste sofort, was er vor sich hatte: den geschützten und gefährdeten Alpen-Mannstreu.

«Wie man ein Alpen-Mannstreu grosszieht, steht nicht auf Wikipedia.»

Gregor Kozlowski

Kurator des Botanischen Gartens der Universität Freiburg

 
 

Die Pflanze blüht im Sommer schön blau, und wird deshalb oft gepflückt – doch das ist verboten, denn sie ist geschützt. Ihr ist es am wohlsten auf nicht zu stark genutzten, hellen und steinigen Alpen. Werden diese zu stark genutzt und fressen Schafe oder Rinder den Alpen-Mannstreu ab, so setzt ihm das genauso zu, wie wenn die Alpen gar nicht mehr genutzt werden und verbuschen.

Einzigartiger Rettungsplan

Clément fand auf der Alp­wiese fünf Pflanzen – zu wenig, als dass sich die Population dort würde halten könne. So brachte der Botanische Garten zusammen mit dem Kanton Freiburg und Pro Natura einen schweizweit einzigartigen Rettungsplan für den Alpen-Mannstreu ins Rollen, der gestern einen Meilenstein feierte. Auf der Alpwiese zwischen Moléson und Teysa­chaux wurden 94 Setzlinge eingepflanzt, um der dortigen Population wieder auf die Beine zu helfen.

Der Botanische Garten hatte die Jungpflanzen in vierjähriger Arbeit gezogen. «Wie man so eine Pflanze heranzieht, steht nicht auf Wikipedia», sagte Gregor Kozlowski, Kurator des Botanischen Gartens, an der gestrigen Medienkonferenz auf der Alp. Das sei harte wissenschaftliche Arbeit gewesen. Zuerst mussten die Samen gesammelt werden, dann wurden diese im botanischen Garten vermehrt. Die Pflanzen können erst eingesetzt werden, wenn sie eine gewisse Grösse haben, wie Kozlowski erklärt.

Geholfen haben dürfte dem Botanischen Garten sein Erfahrungsschatz, denn er betreibt bereits seit rund zwanzig Jahren Rettungsprojekte für bedrohte Pflanzenarten. Für den Alpen-Mannstreu war es das erste. Es sei Vorbild für weitere Projekte in der übrigen Schweiz, sagte René Amstutz von Pro Natura.

Elf Populationen

Der Alpen-Mannstreu kommt im ganzen Voralpengebiet vor, von Frankreich bis nach Kroatien. Im Kanton Freiburg sind dem Botanischen Garten elf Populationen bekannt. Die Freiburger Pflanzen sind genetisch besonders, wie Kozlowski erklärt. «In den Freiburger Voralpen gibt es eine grosse Vielfalt, da es hier sowohl mediterrane Pflanzenarten als auch solche von der Alpennordseite gibt.»

«Einige Alp­betreiber sind stolz, eine so seltene Pflanze bei sich auf der Alp zu haben.»

Jacques Frioud

Amt für Natur und Landschaft des Kantons Freiburg

 

Für vier Standorte hat der Kanton Verträge mit den Alpbewirtschaftern abgeschlossen, wie Jacques Frioud, Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Natur und Landschaft des Kantons, sagt. Diese halten beispielsweise fest, dass die Alpen erst im Spätsommer beweidet werden dürfen, wenn der Alpen-Mannstreu bereits geblüht und seine Samen verstreut hat. An anderen Standorten müssen die Älpler die Blumen mit einem Zaun vor hungrigen Schafen oder Rindern schützen. Dafür erhalten sie vom Kanton eine Entschädigung, die je nach Aufwand mehrere Hundert Franken beträgt.

Gute Zusammenarbeit

«Einige Bewirtschafter empfinden die Schutzmassnahmen als Einschränkung», sagt ­Frioud. «Andere sind stolz, eine seltene Pflanze auf ihrer Alp zu haben und erstatten uns regelmässig Bericht darüber.» Der Kanton setze auf Sensibilisierung und Überzeugungsarbeit; Verbote seien wenig effektiv, er könne kaum jeden Alp­betreiber kontrollieren.

Die Alpwiese zwischen Moléson und Teysachaux gehört zu den Alpweiden der Strafanstalten von Bellechasse, die rund 200 Rinder halten. «Wir haben ein Interesse am Umweltschutz», sagte Nicolas Musy, Verantwortlicher für die Tiere der Strafanstalten. Die Zusammenarbeit für das Schutzprojekt habe gut funktioniert, sagt auch Frioud vom Kanton. Die steile Alpwiese mit den 94  Setzlingen wird zur Zeit nicht beweidet.

Der Gärtner Benoît Clément steht vornübergebeugt darin und erklärt, wie er die Setzlinge einpflanzt. «Zuerst etwas Gras ausreissen, aber aufpassen, dass keine andere geschützte Pflanze mitkommt», sagt er schmunzelnd. Dann rammt er die Schaufel in den steinigen Boden und hebt etwas Erde aus. Eine Helferin schneidet den Setzling aus seinem Plastiktöpfchen und steckt ihn in das Loch. Clément schüttet Erde darüber: «Die Pflanze muss gut zugedeckt sein, damit sie beim nächsten Gewitter nicht gleich fortgespült wird.» Dann legt er einige Steine rundherum – fertig. Jetzt heisst es zuwarten und schauen, wie sich die Pflänzchen in freier Wildbahn entwickeln – ohne die Pflege der Gärtner.

Zur Pflanze

Selten gewordene blaue Blüte

Der Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum) wird rund dreissig bis siebzig Zentimeter hoch und blüht von Juli bis August. Die auch Alpendistel genannte Pflanze wächst in der Höhe von 1200 bis 2100 Metern auf kalkhaltigen, sonnigen Böden in Geröllhalden und steilen Wiesen, wie René Amstutz von Pro Natura erklärt. Der Alpen-Mannstreu ist schweizweit seit 2000 geschützt; im Kanton Freiburg seit 1973.

nas/Bild zvg

 

Vorschau

Gärten zeigen Schutzprojekte

Von Mitte Juni bis Mitte Juli informieren die botanischen Gärten in der Schweiz über ihre Bemühungen für bedrohte Pflanzenarten. Zwanzig Gärten in der Deutsch- und Westschweiz sowie im Tessin organisieren rund siebzig Exkursionen und Vorträge zum Thema. Damit wollen sie Einblicke gewähren in die Feldarbeit der botanischen Gärten sowie in ihre Projekte zur Wiederansiedlung von geschützten Pflanzen. Der Botanische Garten der Universität Freiburg macht ebenfalls mit. Er organisiert am Samstag, 23. Juni, eine Exkursion auf Französisch zu den Zwerg-Seerosen in der Umgebung von Rathvel bei Les Paccots. Am Samstag, 30. Juni, findet ein Rundgang auf Deutsch durch den botanischen Garten in Freiburg zum Thema gefährdete Pflanzen statt.

nas

 

Weitere Informationen: www.botanica-suisse.org

 

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