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Risiken und Chancen der Digitalisierung

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Die digitale Transformation auf dem Markt löst Unsicherheit aus. Solidarität und Gerechtigkeit befinden sich auf dem Prüfstand. Daher erstaunt es nicht, dass der grosse Saal im Berner Eventforum bis auf den letzten Platz gefüllt ist, als Dirk Helbling, Professor für Computational Social Science am Departement für Geistes-, Sozial- und Politikwissenschaften der ETH Zürich, kürzlich zu seinem Referat an der sozialpolitischen Tagung der Caritas Schweiz ansetzt. Der Deutsche sieht mit der Digitalisierung grosse Gefahren aufziehen. Er skizzierte eine monopolartige Marktsituation, die einigen wenigen Tech-Firmen gigantische Gewinne durch Daten und Software einbringen würde. Klassische Geschäftsmodelle sieht er immer mehr im Hintertreffen. Der Turbokapitalismus sei derzeit in voller Fahrt. Dirk Helbling mahnte: «Ohne Gegensteuer werden sich diese Konzentrationsprozesse, die viele Verlierer kennen, beschleunigen.» Dieser Einschätzung schloss sich auch Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia und Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, mit ihrem Referat an. Alleva kritisierte allerdings, dass viele Medien im Kontext der digitalen Revolution Horrorszenarien verbreiten würden. «Diese Sichtweise ist mir zu einseitig, und sie setzt Arbeitnehmer zudem unter grossen Druck», betonte sie.

Zwei konträre Modelle

Für Alleva stehen sich aktuell zwei konträre Modelle gegenüber: hier der «digitale Kapitalismus», der mit neoliberalen Geschäftsmodellen die Profitmaximierung anstrebe und prekäre Arbeitsverhältnisse schaffe. Auf der anderen Seite die «soziale Digitalisierung», die durch kluge Technologien alle am Fortschritt beteiligen möchte. Die Gewerkschaftspräsidentin glaubt nicht an die pechschwarze Prognose, dass es zu massiven Verdrängungen von Jobs auf allen Qualifikationsniveaus kommen werde. «Es gibt Zahlen, die sogar von einem Beschäftigungszuwachs in einzelnen Segmenten sprechen», sagte sie. Vania Alleva nannte Dienstleistungsbereiche, wo ein hohes Mass an sozialen Interaktionen gebraucht werde. Was bei den Gewerkschaften jedoch klar erkannt werde, sei der Fakt: «Damit die Chancen der Digitalisierung für die Konsumenten greifbar werden, muss sie politisch gestaltet werden.» Gerade hier stehlen sich laut Alleva die Arbeitgeber aber meist aus ihrer Verantwortung.

Durch die zunehmenden Risiken sei es deshalb zentral wichtig, so Alleva, dass die Gewerkschaften in der Schweiz mit ihren Mitgliedern darum kämpften, dass die Digitalisierung sozial gestaltet werden könne. Entsprechend ist der Forderungskatalog lang und herausfordernd. «Google und andere Tech-Konzerne nehmen eine extrem gewerkschaftsfeindliche Haltung ein», betonte die Referentin. Das Ziel, das die Gewerkschaften mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft anstrebten, sei die soziale Digitalisierung. Voraussetzungen dafür seien unter anderem: faire Entlöhnung und Verteilung der Arbeit, die entschlossene Förderung der Aus- und Weiterbildung und eine an der Work-­Live-Balance orientierte Arbeitszeit sowie die Förderung von sozial benachteiligten Schichten. Ganz zentral seien Mitwirkung und Mitbestimmungsrechte für die Beschäftigten in den Betrieben. Al­leva nannte schliesslich die Hauptforderung: die arbeitsrechtliche Regulierung aller digitalisierten Jobs mittels Gesamtarbeitsverträgen.

Neue Armut 4.0?

Bettina Fredrich, Leiterin Sozialpolitik bei der Caritas Schweiz, referierte zum Thema «Digitalisierung verorten: Neue Armut 4.0?» Ihre Kernthese: Herkömmliche Arbeitsplätze verschwinden, und die Anforderungsprofile auf dem Arbeitsmarkt verändern sich. Lebenslanges Lernen sei angesagt. Viele Stu­dien besagen laut Fredrich, dass die Schweiz diesbezüglich auf Kurs sei. Es gebe hier keine Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen. «Das Seco kommt auch zum Schluss, dass wir uns nicht so grosse Sorge machen müssen», erläuterte sie. Das sei, so die Sozialexpertin, allerdings nur die halbe Wahrheit. 40 000 Menschen würden pro Jahr ausgesteuert. Ältere, Niedrigqualifizierte und Alleinerziehende seien von Bildungsangeboten zur Erlangung digitaler Kompetenz nicht selten ausgeschlossen. Bettina Fredrich bilanzierte: «Die Politik hat die Wichtigkeit von Weiterbildung zwar klar erkannt. Die Massnahmen seitens der Politik sind jedoch grösstenteils noch ungenügend.»

Welche Gefahren stellen die sozialen Medien für Gesellschaft und Politik dar? Das wollte das Publikum von Ad­rienne Fichter, Politologin und Social-Media-Expertin, wissen. Sie betonte, dass es noch nie so einfach gewesen sei, via Internet Hassbotschaften und Fake News zu verbreiten. «So­cial Media leisten oft einen Beitrag zur Verrohung der Gesellschaft», sagte sie. Zudem entstehe vielerorts statt Zusammenhalt soziale Vereinzelung.

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