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Romeo und Julia im Greyerzerland

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«Es ist nicht wichtig, ob eine Geschichte wahr ist oder nicht. Wichtig ist, dass sie stimmt.» Die Geschichte, die der Protagonist Max seiner Frau Tina in einer eiskalten Nacht, irgendwo auf dem Jaunpass eingeschneit und von der Strasse abgekommen, erzählt, spielt im ausgehenden 18. Jahrhundert. Protagonist dieser Geschichte ist der Kuhhirt Jakob Boschung. Jakob ist ein «alpiner Tarzan» der Freiburger Voralpen, wortkarg und bärenstark, gleichzeitig sensibel und tierlieb. Aber als Waisenkind und Hirt ist Jakob vor allem eines: arm. Das ist die denkbar schlechteste Voraussetzung, als er sich, wie er jedes Jahr die Kühe hinunter nach Greyerz zum Bauern führt, in die Bauerstochter Marie verliebt. Und sie sich in ihn.

Bauer Magnin ist reich und einflussreich. Er bemerkt schnell die verliebten Blicke der jungen Leute. Schnell wird ihm auch klar, dass der «Alpentrampel» keine gute Partie für seine Tochter ist. Romeo und Julia im Greyerzerland also.

Wahre Begebenheiten

Dies wäre, wenn nicht schon etwas altbacken, schon ein guter Lesestoff für sich, zumal Alex Capus sprachlich brilliert und die Charaktere liebevoll ausschmückt. Die Geschichte gewinnt aber noch an Attraktivität, da sie historisch verbürgt ist. Der Autor hat die Spuren des Jakob Boschung im Staatsarchiv Freiburg aufgespürt. Einer Musterungsrolle konnte er entnehmen, dass sich Boschung im Oktober 1779 als Söldner verdingt hat und nach Frankreich gezogen ist. Der verliebte Kuhhirt hat sich mit dem Kriegsdienst dem polternden Zorn des Grossbauern entzogen.

Auch die übrigen Protagonisten von «Königskinder» sind historische Persönlichkeiten: Marie-Françoise, die Bauerstochter, und natürlich der französische König Ludwig XVI und seine Schwester, Prinzessin Elisabeth, die unerwartet eine zentrale Rolle im Roman einnimmt. Wo der Königshof in Versailles in Prunk, Dekadenz und Ritualen ersäuft, da ist Elisabeth die wilde und rebellische Gegenspielerin. Die junge Prinzessin hängt den Träumen und Fantastereien der französischen Avantgarde nach. So ist sie etwa dabei, als die Gebrüder Montgolfier 1783 den ersten mit Tieren bemannten Heissluftballon auf die Reise schicken. Und sie ist es, die, dem Elend in Versailles entfliehend, sich in Montreuil nach aufklärerischen Idealen einen idealen Bauernhof errichten lässt. Hier muss alles perfekt sein. Während sich in Frankreich Armut und Hunger breitmachen, will die Prinzessin «die beste aller Welten» erschaffen. Nur ein Problem gibt es da: Die Freiburger Milchkühe, die Prinzessin Elisabeth für ihren Bauernhof anschaffen lässt, spielen nicht mit.

Es braucht also einen Freiburger Hirten. Und wie es der Zufall will, wird Jakob Boschung, der noch nicht lange zurück in der Heimat ist, wieder nach Frankreich eingezogen wird. Hier findet er die beste aller möglichen Welten vor, doch diese ist auch ein goldener Käfig für den Hirten. Denn Jakob träumt noch immer von seiner Marie und versinkt in dem, was die französischen Zeitgenossen «Le Hemvé» nennen.

Panorama der Weltgeschichte

Der historische Roman von Alex Capus nimmt die Leserin und den Leser mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert und lässt sie den Zeitgeist hautnah nachempfinden. So etwa in den Schilderungen des Lebens am französischen Hof, wo es «aufs Land hinaus wie ein gigantisches Scheisshaus stinkt», mit seinen skurrilen Höflingen, die sich lüstern in den Parkanlagen vergnügen, oder den Aufständischen, die Versailles im Vorfeld der grössten europäischen Revolution bestürmen.

So ist «Königskinder» schluss­endlich auch ein Roman über die Freiheit, die das 18. Jahrhundert und die Französische Revolution derart prägte. Angefangen vom Heissluftballon, der die Leute erstmals in die Lüfte hob, über die Freiheit des Hirten in den Voralpen bis zur Freiheit der Liebenden, einander trotz allen Widrigkeiten und Widerständen treu zu sein.

Alex Capus: «Königskinder». Verlag Hanser.

Zur Person

Journalist, Autor und Übersetzer

Alex Capus ist 1961 in Frankreich geboren, seit 1966 aber in der Schweiz wohnhaft. Er studierte Geschichte und arbeitete lange als Journalist bei Schweizer Tageszeitungen und der SDA. Capus ist Autor von rund 20 Büchern, darunter zuletzt «Das Leben ist gut» (2016) oder «Reisen im Licht der Sterne» (2015). Der Vater von fünf Söhnen lebt in Olten.

vau

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