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Rundgang durch Meienbergs kreatives Chaos

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Es ist keine normale Ausstellung, die ab heute in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg (KUB) zu sehen ist. Auf der linken Seite des Eingangs flimmern Textausschnitte über eine Leinwand, auf der rechten Seite steht eine Art kleine Holzhütte. Im hintersten Teil des Raumes stapeln sich Archivschachteln, auf einem Holztisch ist eine Schreibmaschine zu sehen, dazwischen ist eine blaue Vespa abgestellt.

Meienberg in acht Stationen

«Wir haben uns überlegt, was zu Niklaus Meienberg passen würde», erklärte Stefan Keller, der die Ausstellung inhaltlich konzipiert hat, gestern vor den Medien. «Wir haben uns schliesslich entschieden die Ausstellung so aufzubauen, wie er selbst gearbeitet hat: In einer kreativen Unordnung.» So ist die Ausstellung «Warum Meienberg? Pourquoi Meienberg? Niklaus Meienberg (1940–1993), Journalist, Historiker, Dichter» in acht Stationen gegliedert.

Einen vorgegebenen Weg, um Schaffen und Leben des Protagonisten zu entdecken, gebe es nicht, sagte Keller, ebenso wenig wie eine ideale Dauer für die Besichtigung. «Wer will, kann schnell durchgehen und den Raum in einer Viertelstunde besichtigen.» Wer sich hingegen eingehender mit Meienberg und seinen Texten beschäftigen möchte, kann Stunden, wenn nicht Tage im Ausstellungsraum verweilen. Denn neben Stationen zu seiner Kindheit in St. Gallen, der katholischen Prägung der Jugend, seinem Aufenthalt in Paris, seiner Rolle als Kritiker der Schweizer Geschichte und Gegenwart und dem Höhepunkt seiner Bekanntheit gibt es auch eine Leseecke mit verschiedenen Werken. «Diese soll die Besucher dazu anregen, herauszufinden, was wir heute noch mit seinen Texten anfangen können.»

Nicht als Ikone präsentiert

Niklaus Meienberg, der in den 1960er-Jahren in Freiburg studiert hat, habe ihr schon lange am Herzen gelegen, sagt Silvia Zehnder-Jörg, Leiterin der Abteilung Freiburger Sammlungen und Kulturelle Aktivitäten der KUB. Deshalb sei sie sehr froh gewesen, als sie das Angebot für diese Ausstellung, eine Koproduktion der Kulturförderung Kanton St. Gallen und der Kantonsbibliothek Vadiana St. Gallen, erhalten habe. «Jedoch stellte sich die Frage: Wie bringen wir den Freiburger Aspekt hinein?» Da die Ausstellung selbst bereits konzipiert gewesen sei, habe sie nur vereinzelt einen zusätzlichen Freiburger Bezug schaffen können, zum Beispiel mit Bildern von Freiburger Künstlern. Ergänzt wird die Ausstellung deshalb mit einer Publikation, die Meienbergs Freiburger Zeit gewidmet ist und die Silvia Zehnder-Jörg gemeinsam mit dem Journalisten Urs Haenni verfasst hat (siehe Kasten unten).

 Sowohl die Publikation als auch die Ausstellung seien nicht dazu da, Meienberg als Ikone zu präsentieren, betonte Zehnder-Jörg. «Denn es gibt nicht nur Leute, die ihn anhimmeln, sondern auch kritische Stimmen.»

«Warum Meienberg?», fragt die Ausstellung–eine allgemeingültige Antwort liefert sie nicht. Diese muss sich jede und jeder in den liebevoll bereitgestellten Objekten, den sorgfältig präparierten Dokumenten und den vielen bereitgestellten Texten Meienbergs selbst suchen.

 Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg,12. September, bis 15. November. Rahmenprogramm: Di., 23. September, 18.30 Uhr: Geführte Besichtigung. Di., 30 September, 18.30 Uhr: «Hommage à un franc-tireur» mit Roger de Weck und anderen. Di., 7. Oktober: «Meienberg original et traduit», Lesung mit Valérie Cuénod. Im Kino Rex werden drei Filme gezeigt. Mehr Infos: www.fr.ch/kubf

Publikation: «Ein Mosaik aus Anekdoten und Biografischem»

A nlässlich der Ausstellung «Warum Meienberg?» in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg erscheint die Publikation «Reportagen aus Freiburg: Erinnerungen an Niklaus Meienberg (1940 – 1993)». In einem einleitenden Teil beschreibt die Historikerin Silvia Zehnder-Jörg das Leben und Umfeld des Autors in Freiburg, wo Meienberg seine Studienjahre verbracht hat und wohin er immer wieder zum Atemholen zurückkehrte. Dieser Teil ist anhand von Zitaten Meienbergs und Quellen aus dem Literaturarchiv illustriert. Im zweiten Teil hat der Journalist Urs Haenni Interviews mit 23 Personen geführt, die einen Bezug zu Freiburg haben und mit Meienberg in Kontakt standen. «Entstanden ist ein Mosaik aus Anekdoten und Biografischem, das doch eine Gesamtheit darstellt», so Urs Haenni gestern vor den Medien. Die Publikation wird in den FN im Magazin vom Wochenende vom 27. September näher vorgestellt. rb

Zur Person

Studienzeit an der Universität Freiburg

Niklaus Meienberg wird am 11. Mai 1940 in St. Gallen geboren. Nach seiner fünfjährigen Internatszeit in der Klosterschule Disentis geht er als 20-Jähriger für ein Jahr in die USA. 1961 beginnt er ein Studium der Geschichte an der Universität Freiburg. Abgesehen von einem Zwischenjahr in Zürich studiert Meienberg bis 1966 in Freiburg und zieht danach nach Paris. Dort arbeitet er als Korrespondent der Weltwoche und erlebt den «Pariser Mai 68» hautnah mit. Mit seinen engagierten und angriffigen Texten und den sprachlich geschliffenen Reportagen wird er bekannt und arbeitet unter anderem für Radio DRS, den Tagesanzeiger, die Zürcher Wochenzeitung (WOZ) oder als Schriftsteller. Seine kritischen Texte zur Schweizer Geschichte brachten ihm auch viel Kritik ein. Am 22. September 1993 beging Niklaus Meienberg Suizid.rb

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