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Saidef prüft radioaktive Gefährdung

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Es war auf der Deponie Teuftal, wo ein Geigerzähler im November 2012 den entscheidenden Hinweis gab, dass Aushubmaterial der Bieler Autobahnbaustelle Brüggmoos radioaktiv belastet war (FN vom 1.6.).

Teuftal in der Gemeinde Mühleberg ist heute noch eine bioaktive Deponie; bis vor zwölf Jahren wurden dorthin die Haushaltsabfälle aus ganz Deutschfreiburg angeliefert. Seit 2001 wird der Abfall aus den Freiburger Gemeinden aber in die Kehrichtverbrennungsanlage Saidef nach Posieux geführt, und da wäre belastetes Material wie jenes in Biel nicht entdeckt worden. «Wir sind nicht mit einem System zur Kontrolle von radioaktiven Materialien ausgerüstet», sagt Saidef-Direktor Albert Bachmann auf Anfrage der FN.

Es gibt zwar in der Schweiz Verbrennungsanlagen, die Systeme zur Entdeckung radioaktiver Materialien besitzen. Bei der Saidef ist aber vorderhand noch kein solches installiert. Der soeben erschienene Geschäftsbericht erwähnt fünf Projekte, die derzeit erarbeitet werden; ein Kontrollsystem für Radioaktivität gehört nicht dazu.

«Es gibt tatsächlich im Moment grössere Projekte, die wirtschaftlich Vorrang haben», sagt Direktor Bachmann. Dennoch ist Radioaktivität für ihn ein Thema: «Wir führen derzeit eine Evaluation durch, die aufzeigen soll, wo die grössten Risiken bestehen. Radioaktivität ist so eine Risikostelle.» Dabei werde die Saidef das Verhältnis zwischen Investition und Nutzen abwägen.

Die Evaluation werde durch externe Fachleute durchgeführt. Sowohl die nationale Vereinigung der Kehrichtverbrennungsanlagen wie auch der Verband der Berufsleute seien am Prozess beteiligt.

«Die Gesundheit unserer Mitarbeiter steht zuoberst», betont Bachmann. «Ich könnte es nicht verantworten, wenn diese gefährdet wäre.» Das Saidef-Personal wird regelmässig medizinisch kontrolliert. «Unseren Angestellten werden regelmässig das Blut und der Urin auf Rückstände wie Blei oder Quecksilber untersucht», erklärt Bachmann. «Eben erst haben wir eine Bilanz gezogen. In den zwölf Jahren, seit die Saidef in Betrieb ist, hatten wir diesbezüglich überhaupt keine Schwierigkeiten. Die Werte liegen klar im normalen Bereich. Dies wurde dem Personal direkt von einem Betriebsarzt mitgeteilt.»

Ein Kontrollsystem für radioaktive Materialien, durch welches die anliefernden Lastwagen fahren, würde 60 000 bis 80 000 Franken an Investitionen kosten, weiss Bachmann. Das System ist hochsensibel und könnte selbst dann anzeigen, wenn ein Lastwagenchauffeur kurze Zeit zuvor geröntgt worden wäre. In der Regel werde Radioaktivität aus Kleinstmengen an Abfall festgestellt; ein Lastwagen mit bis zu 16 Tonnen Material müsste dann bis ins Detail untersucht werden, weiss Bachmann aus den Erfahrungen anderer Anlagen. Radon auf Zifferblättern oder Jodtabletten (siehe Kasten) sind beispielsweise radioaktiv.

Das kantonale Amt für Umwelt kontrolliert die Saidef auf die Anwendung und Einhaltung der Umweltnormen. Radioaktivität fällt aber nicht darunter. «Das liegt in der Kompetenz der Eidgenossenschaft», sagt Loïc Constantin, Sektionschef für Abfall und Altlasten beim Umweltamt.

Gemäss Daniel Dauwalder, Sprecher beim Bundesamt für Gesundheit, besteht für Kehrichtverbrennungsanlagen keine Pflicht zur Kontrolle auf radioaktives Material. Er sagt aber auf Anfrage der FN, dass die Eidgenössische Strahlenschutzverordnung derzeit revidiert werde, und dass in der neuen Version ein Obligatorium eines solchen Kontrollsystems für Verbrennungsanlagen vorgesehen sei. Die revidierte Strahlenschutzverordnung könnte 2016 in Kraft treten, danach würde aber eine Übergangsfrist von zwei Jahren gelten, so Dauwalder.

Saidef-Direktor Albert Bachmann ist sich bewusst, dass ein solches Obligatorium früher oder später kommen wird. «Für uns steht im Vordergrund, was die Risikoevaluation unserer Mitarbeiter ergibt», sagt er. Und falls die Evaluation oder eben die Verordnung eine solche Messanlage für radioaktive Materialien verlange, dann werde dies unverzüglich dem Verwaltungsrat unterbreitet.

Die Kontrolle als wirtschaftliche Notwendigkeit

Während viele Kehrichtverbrennungsanlagen Abfälle nicht auf Radioaktivität überprüfen, gehören Kontrollen bei Recyclingfirmen zum Standard, vor allem dort, wo viel Altmetall verarbeitet wird. Bei der Firma Bühlmann helfen die Detektoren, Ärger mit Kunden zu vermeiden.

 Als Italien begann, im Jahr 2000 an der Grenze Warentransporte auf radioaktive Rückstände zu kontrollieren, war für die Firma Bühlmann Recycling mit Sitz in Münchenwiler und Cressier der Zeitpunkt gekommen, selber Kontrollgeräte anzuschaffen. «Wird ein mit Material von uns beladener Zug an der Grenze zurückgewiesen, kann das sofort über 10 000 Franken kosten», so Martin Ritschard, Eigentümer und Finanzverantwortlicher von Bühlmann Recycling. Macht das Unternehmen die Kontrolle selber, reicht an der Grenze das Vorweisen eines Formulars; wenn nicht, wird erst dort klar, ob das Material «sauber» ist.

«Es gehört einfach zu einem Recycling-Betrieb», ergänzt der Co-Eigentümer und technische Leiter Hansueli Bühlmann. «Bei uns wird jede Fuhre kontrolliert, die auf unser Firmengelände kommt und es wieder verlässt.» Aus diesem Grund benutze die Firma mobile Prüfstationen, so Bühlmann. Die Lastwagen können so auf verschiedenen Einfahrtswegen erfasst werden, und mit den mobilen Geräten könne man näher und somit genauer kontrollieren, so der Firmenchef. Er weist auch darauf hin, dass es um ein Vielfaches einfacher sei, Ware beim Eintreffen zu kontrollieren, als wenn sie nach dem Recycling-Prozess in Tausende von Stücken zerkleinert ist.

Bühlmann schätzt, dass in seinem Betrieb durchschnittlich fünf Mal im Jahr radioaktive Strahlung angezeigt wird. Das sei nicht besorgniserregend, gibt es doch auch natürliche Radioaktivität. Im Abfall seien beispielsweise Rauchmelder Quellen von Radioaktivität. Und auch bei den hitzebeständigen Schamottesteinen würden manchmal positive Werte angezeigt.

«Asbest ist gefährlicher»

Keine solche Prüfstationen für Radioaktivität hat die Recycling-Firma Haldimann in Murten. «Wir haben im Gegensatz zu anderen Recycling-Unternehmen nur einen relativ kleinen Anteil an Metall, etwa 3000 bis 5000 Tonnen», so Geschäftsführer Christian Haldimann. Er erachtet Metallabfälle als Hauptquelle für radioaktive Rückstände. Er selber habe sich auch schon informiert, welche Produzenten solche Messanlagen anböten, erachte eine Anschaffung für seinen Betrieb aber nicht als notwendig. Haldimann weist darauf hin, dass die Prüfung auf Radioaktivität für die Betriebsbewilligung nicht verlangt werde. Wenn etwa radioaktives Material aus einem Blitzableiter bei einem Abbruch anfalle, dann werde die Entsorgung bereits bei der Abbruchbewilligung geregelt. Für Haldimann stehen denn auch andere Substanzen im Vordergrund, die für ihn und seine Mitarbeiter gefährlicher seien. Er erwähnt insbesondere Asbest, das aber wieder durch das Umweltschutzgesetz geregelt werde. uh

Bei Bühlmann Recycling (Bild) wird jede Fuhre auf Radioaktivität kontrolliert. Bild Aldo Ellena

Zahlen und Fakten

Radioaktives Jod zerfällt schnell

Radioaktives Material wird in der Medizin eingesetzt. Jod sei das einzige Material mit Strahlung, welches im Freiburger Spital HFR verwendet werde, heisst es auf Anfrage. 2013 fiel eine Gesamtmenge von 2,2 Kilogramm Jod an. Nach sieben Tagen beträgt die Radioaktivität von Jod nur noch die Hälfte; das HFR schickt Jod in die Saidef zur Entsorgung. Körperflüssigkeiten nach nuklearmedizinischen Behandlungen sammelt das HFR in Tanks, bis sie nicht mehr strahlen. Dann findet die Entsorgung über die Kanalisation statt.uh

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