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«Saufen bis zum Umfallen»

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«Saufen bis zum Umfallen»

Bewusster Umgang mit Alkohol: Informationsabend in Überstorf

Wie wirkt Alkohol? Wer ist alko-holabhängig? Sollen Bier und Alcopops den Jugendlichen verboten werden? Anonyme Alkoholiker und die Suchtpräventionsstelle Freiburg informierten über das Genuss- und Suchtmittel.

Von ILONA STÄMPFLI

«Ich bin Charlie. Mit 16 Jahren fing ich an zu saufen. Anstatt am Sonntagmorgen in die Messe zu gehen, ging ich in die Beiz.» Charlie ist 52 Jahre alt und seit viereinhalb Jahren trocken. Auf der Bühne erzählte er am Mittwoch in Überstorf vor rund 120 Leuten von seiner Vergangenheit.

Charlie war jahrzehntelang alkoholabhängig. Würde er heute an einem Fest oder an einem geselligen Abend unter Freunden einen Schluck Bier zu sich nehmen, wäre ein Rückfall vorprogrammiert. «Ich kann nicht kontrolliert saufen. In den schlimmsten Zeiten war ich nahe daran, Aftershave oder Brennsprit zu trinken», sagte er.

Problem wird verschwiegen

Die Schülerinnen und Schüler der OS Wünnewil, Eltern, Lehrer und andere Anwesende hörten gebannt zu, als vier Mitglieder der Anonymen Alkoholiker und von den «Alcoholics Anonymus» (Al-Anon) von ihren Erlebnissen und Erfahrungen mit dem Alkohol berichteten. Thérèse, anonyme Alkoholikerin, erklärte gegenüber den FN, warum sie an diesem Abend vor die Öffentlichkeit trat: «Das Alkoholproblem wird in unserer Gesellschaft immer noch versteckt gehalten und nicht wahrgenommen, obwohl es allgegenwärtig ist. Wir wollen uns outen und zeigen, dass es eine Lösung für diese Probleme gibt.»

«Kinder bekommen alles mit»

Thérèse stellt zuerst die weltweit älteste und grösste Selbsthilfegruppe vor. In den wöchentlichen Meetings der Anonymen Alkoholiker spreche man sich nur mit dem Vornamen an, gebe einander keine Ratschläge und mache keine Vorwürfe. Das Ziel sei lediglich, dass Betroffene die Gelegenheit erhalten, ihre Erfahrungen anderen mitzuteilen und sich nicht alleine zu fühlen.

In der Schweiz gibt über 300 000 Personen, die chronisch zu viel trinken. Jeder zehnte Schweizer ist direkt oder indirekt von Alkoholmissbrauch betroffen; dazu gehören die Ehepartner, Kinder, Verwandten oder Freunde von Alkoholkranken. Hedi und Daniela suchten bei Al-Anon Hilfe, als sie nicht mehr wussten, wie sie mit der Krankheit ihres Ehemannes und Lebenspartners umgehen sollen.
«Mein Partner hat bis zum Umfallen gesoffen. Ich war völlig überfordert mit dieser Situation, konnte nächtelang nicht schlafen und machte mir Vorwürfe», erzählte Daniela. Bei Al-Anon habe sie gelernt, dass sie keine Schuld für das Verhalten ihres Partners trage und nichts an der Situation ändern könne.
Daniela begleitet zudem eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die vom Alkoholproblem ihrer Eltern oder Verwandten betroffen sind (Alateen). «Viele Eltern behaupten, ihre Kinder hätten nichts von ihren Problemen mitbekommen. Aber ich weiss, dass die Kinder alles mitbekommen.»

«Verbot bringt nichts»

Am Informationsabend, der von der Schulkommission Überstorf organisiert wurde, kam die Frage auf, wie Jugendliche vor dem Alkohol geschützt werden können. Silvia Friedrich hielt vor allem die Restaurantbetreiber und Veranstalter von Vereinsfesten an, keine alkoholischen Getränke an unter 16-Jährige zu verkaufen. Die Preisgestaltung habe zudem einen grossen Einfluss auf den Alkoholkonsum. Mindestens drei alkoholfreie Getränke müssten nach Vorschrift billiger verkauft werden als ein Bier.

Und wie kann der Alkoholkonsum an Privatfesten kontrolliert werden? Nach Judith Meuwly wäre ein Ausgangsverbot für die 15-jährigen Jugendlichen unsinnig. «Die Eltern müssen mit ihren Kindern über Alkohol reden und sie dazu anhalten, darauf zu verzichten», meinte sie.

«Die heutige Jugend ist genau gleich, wie wir damals waren», führt Charlie aus. «Meine Eltern haben mir den Alkohol verboten, ich habe natürlich gerade das Gegenteil getan.» Eine Preiserhöhung der alkoholischen Getränke könnte seiner Ansicht nach jedoch viel bewirken.

Keine offene Diskussion

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die nach den Referaten und der Diskussion draussen beisammen stand, fand es gut, dass das Thema aufgegriffen wurde. Ein Mädchen befürchtet aber, dass genau jene Leute, die vom Problem betroffen sind, nicht in die Aula der Primarschule Überstorf gekommen sind. «Wahrscheinlich wollen sie dem Thema aus dem Weg gehen. Es wird nicht in allen Familien offen über Alkohol diskutiert.»

Ein weiterer Jugendlicher bemerkte, die Eltern und Lehrer seien blauäugig, wenn sie dachten, die unter 16-Jährigen kämen in Überstorf nicht problemlos an Alkohol. «Ein striktes Alkoholverbot bringt aber auch nichts. Oft trinken gerade die Jugendlichen im Ausgang am meisten, denen der Alkoholkonsum von den Eltern verboten wurde», meinte er weiter.
Silvia Friedrich und Judith Meuwly betonten in ihrem Vortrag mehrmals, jede Person müsse selber entscheiden, ob und wie viel Alkohol sie trinke; niemand solle aber Alkohol trinken, um «cool» zu sein. «Es darf nicht sein, dass Alkohol und Rauchen «in» sind. Es gibt andere Möglichkeiten, um einen lustigen Abend verbringen zu können», sagte eine Schülerin zum Schluss.

Suchtpräventionsstelle Freiburg: Tel. 026 321 22 00; Anonyme Alkoholiker ganze Schweiz: Tel. 0848 848 846; Al-Anon und Alateen Region Bern: Tel. 031 311 00 12.

Wie viel
Alkoholist zu viel?

90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz trinkt Alkohol. Die allermeisten laufen keine Gefahr, alkoholabhängig zu werden. Doch die Trinkprobleme entwickeln sich langsam, der Übergang vom Alkoholgenuss zum Alkoholmissbrauch ist fliessend. Silvia Friedrich und Judith Meuwly von der Suchtpräventionsstelle Freiburg versuchten die Anwesenden für einen bewussten und eigenverantwortlichen Umgang mit dem Alkohol zu sensibilisieren. In ihrem Referat klärten sie über die Wirkung des Alkohols, die oft schwer wiegenden Folgen des übermässigen Konsums und über die Suchtprävention auf.

Zwei Standardgläser (3 dl Bier, 1 dl Wein, 0,2 dl Schnaps) alkoholische Getränke pro Tag und Erwachsener sind laut den Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit unbedenklich. Eine abhängige Person verliert die Fähigkeit, frei zu entscheiden, ob sie Alkohol trinken will oder nicht.
Ein regelmässiges starkes Verlangen nach Alkohol, Entzugssymptome wie Schweissausbrüche, Zittern oder Konzentrationsstörungen und eine Steigerung der Toleranz (es muss immer mehr getrunken werden, um dieselbe Wirkung zu verspüren) sind Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit.
Ein 60 Kilo schwerer Mann hat nach dem Genuss von zwei Standardgläsern 0,5 Promille Alkohol im Blut, darf also in der Schweiz nicht mehr Auto fahren. Ein 40 Kilo schweres Mädchen befindet sich mit dem Konsum von vier Alcopops bereits in Lebensgefahr. «Eine stark betrunkene Person darf nie alleine einschlafen. Man muss sie wach halten, die Am-
bulanz rufen oder im schlimms-ten Fall beatmen», sagte Judith
Meuwly. ist

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