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SBB brüskieren Freiburger mit neuer Ansage

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Autor: Carolin Foehr

An sich scheint die Meldung zweitrangig: Die SBB haben mit der Fahrplanänderung vom 12. Dezember auch ihre deutschen und französischen Ansagen in den Zügen und auf den Perrons vereinfacht und an die offiziellen Städtenamen angepasst. Damit sollen die Informationen verständlicher, sprich kundenfreundlicher werden – an sich eine gute Sache also.

Vereinfachung mit Haken

Nur hat die Sache einen Haken: Mit der Vereinfachung sind die Städtenamen «Freiburg», «Morat», aber auch «Soleure» und «Berthoud» aus dem SBB-Sprachschatz verschwunden. Und wer nun in Richtung Freiburg fahren will, hört aus dem Lautsprecher nur noch «Fribourg».

Das hat bei der deutschsprachigen Minderheit einen ziemlichen Wirbel ausgelöst. Die Deutschfreiburger Arbeitsgemeinschaft (DFAG) hat denn auch bereits eine Beschwerde bei den SBB eingereicht. «Wir verlangen, dass diese Änderung umgehend rückgängig gemacht wird», so DFAG-Präsident Josef Vaucher. «Wir sind eine anerkannte Sprachengemeinschaft, die die SBB zu berücksichtigen haben.» Die DFAG fordere keinen Doppelnamen, wie das bei Biel und Siders der Fall ist, sondern nur die eingebürgerte Übersetzung.

«Akustische Belastung»

Besonders stösst sich der DFAG-Vorstand an der Antwort, die er auf seine erste Beschwerde erhalten hat. Im Schreiben des SBB-Kundendienstes, das den FN vorliegt, heisst es unter anderem: «Die akustische Belastung durch Lautsprecherdurchsagen kann reduziert werden.» Demnach wäre das Wort «Fribourg» akustisch weniger belastend als «Freiburg»?

«Nein, das ist absolut nicht der Grund dieser Änderung», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig, mit der Textstelle konfrontiert. Er könne die Aussage nicht nachvollziehen, die Länge der Zugansagen habe sich ja nicht geändert. Er werde das intern abklären. «Die SBB wollen keine Sprachengruppe benachteiligen», so Ginsig weiter. Es handle sich lediglich um eine Harmonisierung der Bezeichnungen – sei es bei den Durchsagen, auf den Billetten oder den Bahnhofsschildern.

Staatsrat reagiert

Reagieren will auch der Staatsrat. «Ich werde ein Gespräch mit dem CEO Andreas Meyer suchen», sagte Staatsratspräsident Beat Vonlanthen gegenüber den FN. Zwar weise Freiburg immer auf den Trumpf Zweisprachigkeit hin. Bislang habe die Stadt aber noch nicht den Mut gehabt, «den Worten Taten folgen zu lassen». Vonlanthen hatte zuletzt bei der Vergabe des Preises für Zweisprachigkeit eine doppelte Beschilderung des Freiburger Bahnhofs gefordert.

Die Anschrift des Bahnhofs ist und bleibt jedoch Sache der Stadt. Und deren Position ist klar. «Offiziell sind wir keine zweisprachige Stadt», so Syndic Pierre-Alain Clément (SP). Für ihn bedeutet die Änderung der Ansagen vor allem mehr Klarheit für die Fahrgäste. Und was ist mit der deutschsprachigen Minderheit der Stadt? «Man sollte nicht immer nur an die Minderheiten, sondern auch mal an die Mehrheiten denken», lautet seine Antwort.

«Armutszeugnis»

Für Generalrat und Gemeinderatskandidat Thierry Steiert (SP) ist diese Reaktion keine Überraschung: «Bei Romands gibt es nicht die gleiche Sensibilität.» Er empfindet die Änderung als «eigentlich nebensächlich, aber trotzdem irritierend». «Dass man auf Deutsch ?Fribourg? sagt, ist für mich eine Unsitte», so Steiert.

Noch weiter geht Generalrat Stanislas Rück (CVP): «Es ist ein Armutszeugnis für Freiburg, ein weiterer Beweis, dass die unterschwellige Angst vor einer Germanisierung weiter vorherrscht.» Für ihn müsste der Bahnhof längst zweisprachig angeschrieben sein.

«Die Argumentation der SBB ist nicht logisch», urteilt Thomas Zwald, Gemeinderatskandidat und Präsident der FDP Stadt. Er könne die Reaktion der Deutschfreiburger verstehen, auch wenn für ihn andere Sprachenprobleme wichtiger seien als die Zugansagen.

TPF weiter zweisprachig

Auch in Murten kommt die neue Sprachregelung nicht gut an. Dass Reisende aus der Romandie nur noch im deutschen «Murten», nicht aber im französischen «Morat» ankommen, findet Stadtpräsidentin Christiane Feldmann «total unangebracht». Die Bezeichnung «Morat» sei ein offizieller Begriff, den man pflegen müsse. Ob die Gemeinde etwas gegen die neue Regelung in den Zügen unternimmt, müsse sie zuerst im Gemeinderat besprechen.

Zumindest auf der Strecke Freiburg-Neuenburg bleiben «Morat» und «Freiburg» erhalten. «Das wollen wir in Zukunft auch nicht ändern», sagt TPF-Pressesprecher Martial Messeiller, der die Änderung der SBB persönlich nicht versteht. Grössere Ortschaften schreiben die TPF in beiden Sprachen an.

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