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Schlechte gute Welt

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die Welt ist schlecht.Vielerorts herrscht grosse Not. Menschen sind in Not. Menschen werden gequält von anderen Menschen, die ihre innere Festung des Zorns als Antrieb leben. Als ich kürzlich fernsah, eine Sendung über Boko Haram geboten bekam, konnte ich selbst in meinen eigenen vier Wänden nur noch die Augen schliessen und versuchen, leidvollen Spannungen auszuweichen.

Eine Definition aus den indischen Veden suchte ich dann, um ruhig zu werden–und fand sie: «Sanfter als die Blume, wo Güte am Platz ist, stärker als der Donner, wenn es um Grundsätze geht.» Es ist ein Leichtes, Gedankenlöcher zu graben, in Suche nach Antwort und Verstehen, und es ist ein Leichtes, hineinzufallen, wenn man nicht mehr fähig ist, Gleichmut zu bewahren in unsrer kriegerischen Zeit.

 Die Gleichzeitigkeit des Anderen ist eine riesige Diskrepanz und Tatsache. Sie zeigt mir in immer wiederkehrenden Abständen den so vielfältigen Weltfluss auf: Während Boko Haram als Kriegsbestien wüten, läuft in Paris ein Mode-Defilee, während Gruppen von Menschen von Mitmenschen das Kriegsbeil erwarten müssen, grillieren andere Gruppen irgendetwas auf dem Partyfeuer … Die Liste könnte lang sein.

Ein Kind kann lernen, nicht zu verletzen. Weder in Worten, noch in Taten, noch in Gedanken. Ein Erwachsener kann es ab morgen tun, wenn ihm der Gedanke noch nie begegnet ist, und ich ermahne mich auch immer wieder dazu.

 

 Die Welt ist gut.

 Als das Eichhörnchen eines Morgens erwachte, fand es einen Brief auf seiner Türmatte. «Liebes Eichhörnchen, ich bin krank. Ameise.» Das Eichhörnchen rannte den Baumstamm runter, durch den Wald zur Wohnung der Ameise. Die Ameise lag im Bett und starrte zur Decke. «Ich bin krank», sagte sie. Eichhörnchen nickte und schwieg. «Wo bist du krank?», fragte es dann. «Überall», sagte die Ameise und starrte zur Wand. «Ist es ernsthaft?»–«Ziemlich», sagte die Ameise. «Mir fehlt etwas. Drum habe ich dir geschrieben.»–«Oh», sagte das Eichhörnchen. Es wusste nicht, was es sagen sollte, auch wusste es nicht, was «krank» war oder was sie meinte mit «mir fehlt etwas».

«Kann ich etwas tun?»–«Eh … ja», sagte die Ameise, «du könntest etwas sagen, um mich zu heilen.»–«Was sagen?»–«Du könntest sagen, ich sei tapfer.»–«Bist du das denn?» Die Ameise schwieg. Dann sagte sie: «Tja … ein wenig schon. Aber DU musst es sagen.»–«Du bist tapfer», sagte das Eichhörnchen.–«Mmm», hauchte die Ameise, «das ist gut, aber du musst es anders sagen … ich weiss nicht recht, wie ich es dir erklären soll.» Und sie schaute sehr unglücklich und krank aus ihren Augen.

 Da sagte das Eichhörnchen aus tiefstem Herzen: «Du bist tapfer, Ameise, du bist sehr, sehr tapfer.»–«Ach», sagte die Ameise und lächelte bescheiden, «das geht noch so.» Eichhörnchen schwieg und sass am Bett der Ameise. Hie und da sagte es: «Du bist tapfer, Ameise, du bist sehr, sehr tapfer.» So neigte sich der Tag zu Ende. Gegen Abend sagte die Ameise dankbar: «Mir fehlt fast nichts mehr.» Das Eichhörnchen schaute sie begeistert an, danach ging es nach Hause. Und voll Bewunderung für die Ameise kletterte es auf seine Buche.

Sus Heinigerist Kunstmalerin und lebt in Murten. Als Kulturschaffende ist sie in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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