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Schottediät gegen den Klimakiller

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Die Debatte um den Treibhausgas-Ausstoss von Autos wird intensiv geführt. Mindestens so angeregt ist die politische Debatte über die Emissionen, die Rinder während des Verdauens ständig in die Atmosphäre entweichen lassen. Je nach Perspektive ist das Rülpsen der Kühe ein natürlicher Vorgang oder ein Umweltproblem. Wissenschaftler versuchen, der Debatte eine wissenschaftliche Basis zu geben.

So auch jene in der Forschungsanstalt des Bundes für Landwirtschaft Agroscope in Posieux. Das Institut misst unter anderem die Produktion von Treibhausgasen im Rahmen der Verpflichtungen des Kyoto-Vertrages. In Posieux haben die Forscher in zwei parallel laufenden Feldversuchen mit Rindern den Ausstoss von Methan und anderen Gasen gemessen, welche die Klimaerwärmung vorantreiben können.

Zwei Versuche

Agroscope-Forscher Christof Ammann erklärt die Ansätze des Experiments: «Einerseits wollen wir wissen, ob es möglich ist, den Methanausstoss von weidenden Kühen mit Messungen der Umgebungsluft zu bestimmen.» Bisher habe man solche Messungen an einzelnen Kühen in einer Versuchskammer gemacht. Die Messungen auf der Weide in Posieux laufen seit rund zwei Jahren. Zuerst befanden sich Milchkühe auf der Weide, im laufenden Jahr sind es Mastrinder. Andererseits wird der Ausstoss an der Kuh selbst gemessen. Bei diesem zweiten Versuchsansatz sah sich Forscher Pierre-Alain Dufey drei Gruppen von je zehn Tieren an: eine ernährte sich nur von Gras von der Weide, eine Gruppe erhielt dazu Kraftfutter und die dritte bekam zum Gras Schotte. Diese Gruppe hatte Dufey besonders im Fokus. Klar ist: Die Ernährung beeinflusst die Bildung von klimaschädigenden Gasen wie Methan im Vormagen der Tiere. Somit müsste sich die Veränderung der Ernährung auf den Gasausstoss auswirken. Die Hypothese: «Die Verfütterung von Schotte an die Rinder reduziert deren Methanausstoss.»

 Während die Messmethode an sich bekannt sei, werde sie in der Schweiz erstmals in dieser Form angewendet, sagt Dufey. Für den Versuch erhalten die Tiere eine Art Rucksack–eine eigens dafür hergestellte Konstruktion einer Firma aus Tafers–umgeschnallt. Konkret handelt es sich dabei um eine Flasche und einen Schlauch bis zum Maul. «Die Flasche saugt die Atemluft auf und wir können den Inhalt messen», beschreibt Dufey. Getestet wurde fünfmal während je 24 Stunden.

Der Versuch hängt direkt mit einer anderen Untersuchung von Agroscope zusammen, dem Projekt Lactobeef. Die Ausgangslage: Alpbauern suchen Mittel und Wege, das bei der Alpkäseproduktion anfallende Nebenprodukt Schotte optimal zu verwerten. «Diese wird in der Regel Schweinen verfüttert, könnte aber zusammen mit dem Gras auch Mastrindern gegeben werden», sagt Dufey. Damit wäre den Bauern geholfen, und durch die intensivere Bewirtschaftung der Alpen würde auch die Ausbreitung der Wälder gebremst.

Positive Ergebnisse

 Die Erfahrung zeige, dass sich Mastrinder gut an das Leben in den Bergen anpassen könnten. Und das Alp-Fleisch von mit Schotte genährten Rindern wäre quasi 100 Prozent Swissness, schliesst Dufey, denn: «Das in der Mast- und Milchproduktion verbreitete Kraftfutter kommt zu mehr als der Hälfte aus dem Ausland und ist dort eine Konkurrenz für die Ernährung der Menschen.» Sein Fazit: «Wir könnten damit viele Probleme lösen.»Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen sind vielversprechend. Ammanns Apparaturen scheinen die bisherigen Erkenntnisse zu bestätigen und eignen sich vermutlich für Messungen. Denn ein Teil der Aufgabe der Agroscope im Rahmen der Kyoto-Verpflichtungen ist es, die Vorgehensweise für die Erhebung des Treibhausgas-Ausstosses zu verbessern.Auch Dufeys Tests weisen deutliche Anzeichen auf, dass die Kombination aus Schotte und Gras den Methanausstoss reduziert. Kommt hinzu: «Wir stellten fest, dass die Schotte die Verdauung der Rinder beschleunigt.» Und dies senke tendenziell den Methanausstoss.Ammann warnt allerdings vor übertriebenen Vorstellungen über mögliche Erkenntnisse aus den Untersuchungen: «Man kann die Ernährung der Tiere nicht auf den Kopf stellen. Aber man könnte sie optimieren. Die Kuh ist ein Grasfresser und soll es bleiben.»

Methan: Aufstossen wird zum Problem

D as farb- und geruchlose Gas Methan (CH ₄ ) gilt als Klimakiller. Es ist – was seine Wirkung auf die globale Erwärmung betrifft – rund 30 Mal klimaschädigender als Kohlendioxid (CO ₂ ). Aus der Landwirtschaft stammen auch grössere Mengen an Lachgas, vor allem aus der Düngung. Zwölf Prozent der gesamten in der Schweiz produzierten Treibhausgase und das meiste Methan stammen aus der Landwirtschaft. Methan und das noch viel stärker klimawirksame Lachgas sind etwa zu gleichen Teilen für die Treibhausgase der Schweizer Landwirtschaft verantwortlich.

Menge ging zurück

Rinder, die für die Milchwirtschaft und die Fleischproduktion gehalten werden, stossen Methan vor allem bei der Verdauung aus. Der grösste Teil entsteht im Pansen von Wiederkäuern als Fermentationsgas. Es entweicht vor allem beim Aufstossen (Rülpsen). Allgemein sei die Menge in den letzten Jahren zurückgegangen, schrieb Agroscope kürzlich in einer Mitteilung. Unter anderem, weil die Zahl der Kühe gesunken ist. Auch die ausgestossene Methanmenge pro Liter Milch ging zurück. Allerdings steigt die Menge pro einzelne Kuh tendenziell an.

Nicht nur Rinder, auch Schafe und Ziegen rülpsen Methan, aber in viel geringerem Ausmass. Im Schnitt produziert jedes der 1,5 Milliarden Rinder auf der Welt bis zu 600 Liter Gas. Wissenschaftler weltweit erforschen das Phänomen, auch mit dem Ziel, den CO₂- und Methanausstoss der Wiederkäuer zu reduzieren. fca

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