Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Schreiben schärft die Sinne»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Mireille Rotzetter

«i wäbe dier/i mier/ychi» sind die letzten Zeilen des in Senslerdeutsch verfassten Gedichtbandes «dachbettzyt» der 24-jährigen Lyrikerin Angelia Maria Schwaller aus Überstorf. Im Gespräch mit den FN erzählt sie, weshalb sie den Band so enden lässt und wie ihre prägnanten Bilder entstehen.

Angelia Maria Schwaller, Ihr Band beginnt mit Gedichten, die das Ende einer Beziehung beschreiben, und hört mit Gedichten von frisch Verliebten auf. Wieso diese Anordnung?

Mir war es wichtig, meinen Band nicht mit traurigen Gedichten zu beenden. Ich wollte die Leser mit einem guten Gefühl entlassen. Gleichzeitig ist es natürlich ein Sprachspiel, es gibt das Ende vom Anfang aber auch den Anfang vom Ende.

Im letzten Gedicht symbolisiert das Ineinanderweben eines Bandes die Liebe, in einem anderen Gedicht ist ein Marchstein die Metapher für ein Beziehungsende. Wie kommen Sie zu diesen ausdrucksstarken Bildern?

Ich finde meist im Alltag Inspiration. Wenn man schreibt, schaut man genauer hin und schärft die Sinne. Es ist das, was die Poesie ausmacht – über ein sprachliches Bild, die genaue Stimmung ausdrücken.

Der Alltag als Inspirationsquelle. Wie genau gehen Sie beim Schreiben vor?

Ich habe stets ein Notizbuch dabei. Es sind einzelne Worte oder Bilder, die ich mir notiere. Später, wenn ich Zeit habe, nehme ich die Notizen auf. Manchmal ergeben sich Kombinationen oder ein Bild führt zum nächsten. Viele Gedichte von «dachbettzyt» hatte ich schon geschrieben, für den Band habe ich sie jetzt überarbeitet. Dafür brauche ich Zeit und Freiraum.

Sie studieren Germanistik und arbeiten in einem Verlag. Inwiefern beeinflusst beides Ihr literarisches Schaffen?

Grundsätzlich empfinde ich das Studium und die Arbeit als Bereicherung. Das Studium kann allerdings auch einengen, da ich alles viel mehr hinterfrage. In der Literaturwissenschaft bin ich zudem viel kritischer, insbesondere wenn es darum geht, von Texten auf die Motivation des Autors zu schliessen. Für die Herausgabe des Gedichtbandes empfand ich die Verlagsarbeit als hilfreich, so kannte ich alle Abläufe bereits.

Sie sind kritisch, wenn es um die Bestimmung der Motivation des Autors für einen Text geht. Sind Ihre Gedichte autobiografisch?

Sie sind auf keinen Fall eins zu eins auf mein Leben übertragbar. Natürlich entspringen sie immer einer Stimmung. Die Leser empfinden meine Gedichte jedoch meist als viel persönlicher und autobiografischer als sie es tatsächlich sind.

Sie konnten aus Ihrem Band an den renommierten Solothurner Literaturtagen lesen. Wie haben Sie das erlebt?

Es war eine sehr gute Erfahrung und die Vorfreude war riesig. Es hat mich auch stolz gemacht, dass ich mitten unter bekannten Autoren wie Pedro Lenz oder Franz Hohler lesen konnte. Insgesamt war das Publikum sehr konzentriert, auch bei einer Lesung unter freiem Himmel. Das hat mich positiv überrascht.

Wie haben die Leute auf das Senslerdeutsch reagiert?

Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten. Diese kamen meist von Leuten, die auf irgendeine Art eine Beziehung zum Sensebezirk haben. Allgemein muss der Dialekt darum kämpfen, als Literatursprache angesehen zu werden. Oft wird er mit Heimatdichtung in Verbindung gesetzt, da besteht ganz klar Nachholbedarf.

Von Puristen wurde Ihnen schon vorgeworfen, nicht reines Senslerdeutsch zu schreiben. Was sagen Sie dazu?

Es gibt Leute, die erpicht darauf sind, altes Wortgut zu pflegen. Das kann aber nicht mein Ziel sein. Mir geht es darum, aus meiner Perspektive zu schreiben und meine Alltagssprache zu verwenden. Es ist auch eine Generationenfrage, ich spreche anders als die ältere Generation von Senslern.

Gasthof St. Martin, Tafers. Do., 14. Juni, 20 Uhr. Buchvernissage des Gedichtbandes «dachbettzyt», erschienen im Knapp-Verlag. Musikalische Untermalung durch Guido Daellenbach am Piano.

Die Lyrikerin Angelia Maria Schwaller würde es auch reizen, einmal etwas Längeres, zum Beispiel einen Roman, zu schreiben.Bild zvg

Gedicht

As bann

i flächte

ds bann

wa wier traage

gsee wyn es

i dym haar

weeit

ù sich treeit

i dym hele

blick

wyn es mier trufft

sich chnupft

ù sich engger

flächtet

i üsne hänn

i wääbe dier

i mier

ychi

As bann, Angelia Maria Schwaller. Inspieriert durch die ersten zwei Zeilen des Gedichts «Zerbrechliche» von Rose Ausländer: ich lebe dich/in mich hinein.

www.angeliaschwaller.ch

Zur Person

Germanistik-Studium und Verlagsarbeit

Angelia Maria Schwaller ist in Überstorf aufgewachsen. Mit zwölf Jahren veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte, mit 17 folgte die erste Publikation. Vergangenen September erhielt sie den mit 10000 Franken dotierten Preis der Helmann-Elsner Stiftung, der ihr die Herausgabe von «dachbettzyt» ermöglicht. Die 24-jährige Lyrikerin lebt als Wochenaufenthalterin in Bern. Sie absolviert ein Masterstudium in Germanistik und Philosophie an der Universität Bern. Zudem arbeitet sie 60 Prozent beim Zytglogge-Verlag in Oberhofen am Thunersee. mir

Mehr zum Thema