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Schutz ja, aber um welchen Preis?

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Schutz ja, aber um welchen Preis?

Hochwasser-Gefahrenkarte erhitzt die Gemüter in der Gemeinde Plasselb

Die Naturgefahrenkarte sieht für das Einzugsgebiet der Ärgera in Plasselb ein hohes Gefahrenpotenzial vor. Schutzmassnahmen sind nötig, doch über die Art und deren Umfang herrscht zwischen kantonalen Behörden und den Bürgern grosse Uneinigkeit.

Von IMELDA RUFFIEUX

Ob Rutschungen, Steinschlag, Überschwemmungen oder Lawinen – die Sensibilität bezüglich Naturgefahren ist in den letzten Jahren gewachsen. Die Gemeinde Plasselb hat die harten Konsequenzen eines vor Jahrzehnten schlecht eingeschätzten Gefahrenpotenzials beim Falli-Hölli-Rutsch vor bald zehn Jahren schmerzlich erfahren. Jetzt ist in der Gemeinde eine andere Naturgefahr im Gespräch: das Hochwasserrisiko.

Gefahrenkarte
für das Einzugsgebiet der Ärgera

Aufgrund von Bundesgesetzen und Richtlinien hat der Kanton Freiburg bei der Ausarbeitung seines Richtplans auch dem Bereich Naturgefahren breite Beachtung eingeräumt. Das ganze Kantonsgebiet soll nach und nach flächendeckend auf mögliche Naturgefahren untersucht und eingeschätzt werden.

Für das Einzugsgebiet der Ärgera mit allen Zuflüssen ist eine solche Gefahrenkarte schon erstellt worden. Als Konsequenz davon ist ein grosser Perimeter im Quartier Sageboden in die so genannte rote Zone eingestuft worden. Das bedeutet, dass für Mensch und Gebäude ein grosses Gefahrenpotenzial angenommen wird und in der Regel ein absolutes Bauverbot gilt. Betroffen sind mehrere private Landbesitzer sowie einige Gewerbebetriebe, die parallel zur Ärgera und einem ihrer Zuflüsse, dem Kuhbach, liegen.

An einer Informationsveranstaltung sind am Montagabend die Bürgerinnen und Bürger von den Gemeindebehörden, dem Oberamt und den kantonalen Stellen über den Stand der Dinge sowie mögliche Gegenmassnahmen informiert worden.

Vorprojekt für Gegenmassnahmen

Nach baulichen und raumplanerischen Massnahmen wäre es allenfalls möglich, dass das festgestellte Gefahrenrisiko neu beurteilt wird. Das heisst, dass das betroffene Gebiet von einer absoluten Bauverbotszone in eine Bauzone mit Einschränkungen umgewandelt wird.

Ein Vorprojekt sieht im Fall Ärgera die Schwachstellen bei der Roggelibrücke, bei der Einmündung des Kuhbaches in die Ärgera und vor allem auch bei der starken Erosion des rechten Flussufers. Als mögliche Gegenmassnahmen schlägt diese Vorstudie vor, den bestehenden Damm entlang des Flusses nicht mehr zu unterhalten, da dies sehr kostspielig ist. Vielmehr soll das Wasser die Möglichkeit haben, seinen natürlichen Weg durch den angrenzenden Auenwald zu suchen.

Erfahrungen in anderen Überschwemmungsgebieten haben gezeigt, dass das Risiko wesentlich eingeschränkt wird, wenn der Fluss mehr Platz hat. Der Auenwald übernähme dann die Funktion einer Pufferzone. Mehrere grosse Steingitter, so genannte Buhnen, sollen den Flusslauf an einer weiteren Ausdehnung in Richtung bewohnte Zone hindern. Auch soll dem parallel zur Ärgera verlaufenden Kuhbach ein neuer Durchlauf zum Fluss verschafft werden.

Oberamtmann Marius Zosso, Präsident der kantonalen Naturgefahrenkommission, sowie Olivier Overney, Chef Sektion Gewässer im kantonalen Tiefbauamt, hatten einen sehr schweren Stand, um diese Ideen den Bürgerinnen und Bürgern von Plasselb nahe zu bringen.

Eine Grobkosten-Schätzung geht von rund 1,5 Mio. Franken für diese Massnahme aus, wobei mit ansehnlichen Subventionen von Kanton (40 Prozent) und Bund (30 Prozent) zu rechnen ist. Die Ergebnisse der Gefahrenkarte sollen nun nochmals überprüft werden.

Auch werden in der Detailplanung die Schutzmassnahmen konkretisiert und könnten also unter Umständen noch wesentlichere Anpassungen erfahren. Falls alles nach Plan verläuft, sollen die Arbeiten ab 2006 ausgeführt werden.

Damm schützen und Kies entnehmen

An der sehr emotional geführten Diskussion äusserten einige Plasselber ihren Unmut über die vorgesehenen Massnahmen. Viel lieber hätte man gesehen, dass Geld und Arbeit in den Unterhalt des bestehenden Dammes gesteckt werden, der bisher gute Dienste geleistet hat.

Mehrfach wurde auch angeregt, dass die Überschwemmungsgefahr wesentlich eingedämmt werden könnte, wenn regelmässige Kiesentnahmen gestattet würden. Die Ausdehnung des Ärgerabettes wurde als «Einladung» an den Fluss verstanden, sich dem Siedlungsgebiet noch mehr zu nähern.

Ein Projekt der «Grünen»?

Aus der Runde der rund 50 Anwesenden wurde zudem der Verdacht geäussert, dass hier dem Naturschutz oberste Priorität eingeräumt wird und nicht dem Hochwasserschutz. Dieses Misstrauen beruht auf einem seit Jahren im Raum stehenden Projekt, den bestehenden Damm abzureissen. Die Befürchtung wurde auch geäussert, dass die Gemeinde am Schluss gar keine andere Wahl hätte als dem Massnahmenkonzept des Kantons zuzustimmen, weil sie sich sonst mit den jahrelangen Verzögerungen in ihrer Entwicklung selbst bremsen würde.

Olivier Overney zeigte Verständnis für die Befürchtungen der Plasselber. Es gebe erfolgreich realisierte Projekte, bei denen Kompromisse gefunden wurden. Er betonte auch mehrfach, dass es bei diesen Massnahmen in erster Linie um den Schutz von Personen und Sachwerte geht.

Natürlich würden Natur- und Umweltschutz miteinbezogen, da die Gesetzgebung bei geschützten Auenwäldern – dazu gehört die Ärgera seit 1992 – sehr streng ist. Und als dritten Faktor erwähnte er die Kosten der Massnahmen, die sich in einem tragbaren Rahmen halten müssen.

Er schloss auch nicht aus, dass die Kiesentnahme bei der Detailplanung als eine mögliche Massnahme in Betracht gezogen wird. Es sei nicht im Interesse des Kantons, partout ein Projekt durchsetzen zu wollen, das total gegen den Willen der Bevölkerung sei.

Vertrauen in Fachleute

Er sei sich bewusst, dass das Thema Kiesausbeutung in Plasselb schon seit Jahren ein heisses Eisen sei, erklärte auch Marius Zosso. Er nahm die geäusserten Vorbehalte entgegen und bat die Bevölkerung, den Fachleuten etwas Vertrauen zu schenken. Er verwies aber auch darauf, dass es sich bei den vorgestellten Massnahmen zuerst einmal um eine Vorstudie handle.

Direktbetroffene
wollen Mitspracherecht

In den Wortmeldungen wurde auch die Informationspolitik in dieser Angelegenheit bemängelt. Erst durch die Einreichung eines Baugesuches war die Diskussion ins Rollen gekommen. Die Bürger, vor allem die Direktbetroffenen, fühlten sich etwas hintergangen und schlecht informiert. Sie verlangten, inskünftig stärker in die weitere Planung miteinbezogen und laufend über die Fortschritte informiert zu werden. Sowohl von Frau Ammann Beatrice Zbinden-Boschung wie auch von Marius Zosso und Olivier Overney wurde der Fehler in der Informationspolitik der kantonalen Behörden eingestanden. Man sei sich selbst erst spät der raumplanerischen Konsequenzen dieser Gefahrenkarte bewusst geworden.

Einige Fragen blieben am Ende des Abends unbeantwortet, zum Beispiel, wie mit einer Wertminderung des betroffenen Landes umgegangen wird, wie weit die Befürchtungen und Anregungen der Bevölkerung in die Detailplanung einfliessen werden und welche Auswirkungen die Gefahrenkarte für Grossanlässe auf dem nahen Fussballfeld hat.

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