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Schweizer Goalie-Flaute in der NHL – grosse Fussstapfen von David Aebischer und Co.

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Der Freiburger David Aebischer 2003 im Tor der Colorado Avalanche.
Keystone/a

In der laufenden NHL-Saison wurden bislang elf Schweizer eingesetzt. Nur auf der Goalieposition wird die Schweizer Fahne derzeit nicht mehr hochgehalten. Der Bruch mit einer langen Tradition hat verschiedene Gründe.

Noch lange bevor Feldspieler wie Mark Streit, Roman Josi oder Nico Hischier in der NHL für Spektakel sorgten, waren die Goalies in Nordamerika die Aushängeschilder des Schweizer Eishockeys. Dem Freiburger David Aebischer war es 2001 mit den Colorado Avalanche als erstem Schweizer gelungen, den Stanley Cup zu gewinnen. Fünf Jahre später stemmte auch Martin Gerber mit den Carolina Hurricanes die begehrte Trophäe in die Höhe. Danach stellten ausserdem Jonas Hiller, bis heute der Schweizer Torhüter mit den meisten NHL-Einsätzen (404), Tobias Stephan und Reto Berra ihr Können in der besten Eishockey-Liga der Welt unter Beweis.

Mit dem Entscheid von Berra, nach fünf Jahren dem nordamerikanischen Eishockey den Rücken zu kehren und sich auf die Saison 2018/19 hin Freiburg-Gottéron anzuschliessen, endete eine lange Schweizer Tradition. Zwar ist mit Gilles Senn seit letzter Saison wieder ein Schweizer Keeper in Übersee aktiv, doch der 24-jährige Walliser hat in der Organisation der New Jersey Devils bislang einen schweren Stand. Die Bilanz seiner ersten Saison: 27 AHL-Spiele und zwei (Teil-)Einsätze in der NHL. In seinem zweiten Vertragsjahr pendelt Senn aktuell zwischen NHL und AHL, gespielt hat er aber noch keine Minute.

Mehr Mut und Breite gefordert

Die Gründe, weshalb sich die neue Schweizer Goalie-Generation schwer damit tut, in der NHL Fuss zu fassen, sind vielschichtig. «An Talenten fehlt es uns nicht», ist Peter Mettler, der Goalietrainer des HC Davos, überzeugt. «Aber wir müssen sie auch entsprechend fördern.» Der Schwyzer, der bis zur Absage der Heim-WM im letzten Frühling auch für das Coaching der Nationalmannschafts-Torhüter zuständig war, stellt fest, dass in der National League zuletzt ein Umdenken eingesetzt hat. «Viele Klubs haben heute keine klare Nummer 1 mehr, es wird viel mehr rotiert. Die Bereitschaft, einem jungen Torhüter eine Chance zu geben, hat zugenommen.»

Die Zahlen bestätigen dies. Mit Philip Wüthrich (23) und Luca Hollenstein (20) kommen in dieser Saison in Bern und Zug zwei junge Talente regelmässig zum Einsatz. Bei den ZSC Lions stand der junge Freiburger Ludovic Waeber (24) sogar öfter im Tor als der dreifache Meister-Goalie Lukas Flüeler. Gauthier Descloux (24) und Joren van Pottelberghe (23) haben bei Servette und Biel einen Stammplatz.

Insgesamt werden die Einsätze auf deutlich mehr Schultern verteilt als noch vor 20 Jahren. Mettler weist aber auch darauf hin, dass das Reservoir an Goalies hierzulande um ein Vielfaches kleiner ist, als in anderen Ländern. Finnland und Schweden zum Beispiel weisen im Vergleich zur Schweiz mehr als doppelt so viele Lizenzierte auf. In Russland oder Tschechien sind die Zahlen noch um einiges höher.

Der unbedingte Wille

Talent alleine reicht nicht für eine grosse Karriere. Gerade bei Goalies spielt die mentale Komponente eine entscheidende Rolle. Durchhaltevermögen ist gefragt, und die Fähigkeit, mit Druck umzugehen. In Finnland oder Schweden sei der Konkurrenzkampf enorm gross, sagt Mettler. «Das beginnt schon bei den Junioren. Man muss früh hart arbeiten, um sich einen Platz zu sichern.» Für die jungen finnischen oder schwedischen Goalies sei die NHL das erklärte grosse Ziel. Diesen unbedingten Willen vermisse er hier in der Schweiz manchmal etwas.

Um sich den Traum vom Spitzensportler zu erfüllen, benötige es auch das entsprechende Schulsystem, einen guten Mix aus schulischer und sportlicher Ausbildung. «Mit den Sportschulen sind wir in der Schweiz zwar auf einem guten Weg. Trotzdem bewegen wir uns noch nicht auf dem gleichen Niveau wie in Nordeuropa.»

Auch was die goaliespezifische Ausbildung anbelangt, hat die Schweiz in den letzten Jahren im Vergleich zu den Top-Nationen aufgeholt. Nicht zuletzt dank verstärkten Anstrengungen und mehr Goaliecoaches.

Liga-Reform als potenzielle Gefahr

Damit die Ausbildung von Talenten entsprechend vorangetrieben werden kann, braucht es Zeit und viele Einsatzminuten. Mit der anstehenden Liga-Reform und der geplanten Erhöhung von vier auf sieben Ausländer pro Team ab der übernächsten Saison könnte sich auch die Situation für die jungen Schweizer Goalies verschärfen.

«Die Gefahr besteht durchaus, dass die Klubs die Geduld schneller verlieren und die Ausbildung von Schweizer Talenten darunter leidet», sagt Mettler. Er nennt die SCL Tigers als gutes Beispiel. Statt nach der Verletzung von Stammgoalie Ivars Punnenovs Ausschau nach einem Ersatz zu halten, schenkten die Langnauer zuletzt dem erst 19-jährigen Damien Stettler das Vertrauen. «Mit einer Erhöhung der Ausländerzahl ist die Versuchung für die Klubs grösser, für diese Zeit beispielsweise einen slowakischen Goalie zu verpflichten. Das wäre für den Schweizer Nachwuchs natürlich fatal.»

Ausland-Weg als Alternative

Für David Aebischer, heute Goalietrainer bei Freiburg-Gottéron, wäre deshalb die logische Konsequenz, den Weg übers Ausland zu nehmen. «Um dort einem einheimischen Goalie einen Platz wegzunehmen, muss man aber wirklich top sein», konstatiert der Stanley-Cup-Sieger von 2001.

Einer, der aufgrund der fehlenden Perspektive in der Schweiz diesen Weg eingeschlagen hat, ist Akira Schmid. Der 20-Jährige gilt als grosses Talent. Derzeit spielt er mit den Sioux City Musketeers seine dritte Saison in der amerikanischen Juniorenliga USHL. Auch mit seinen starken Auftritten an der U20-WM hat er sich in die Notizbücher der NHL-Scouts gespielt.

2018 wurde er als Nummer 136 von den New Jersey Devils als bislang letzter Schweizer Goalie gedraftet. Schmid bringt alles mit, was einen modernen Goalie ausmacht. Auch etwas, was vielen jungen Schweizer Torhütern fehlt: Er ist gross. 1,95 m, um genau zu sein. Ob er dereinst auch im Konzert der ganz Grossen in der NHL mitspielen kann, wird sich weisen.

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