Kerzers 14.01.2020

Antonietti Kerzers stellt Tätigkeit ein

Sichtbeton ist eine der Hauptkompetenzen der Firma Antonietti Kerzers AG. Der Sitz liegt an der Allmendstrasse nahe der Autobahn.
Die Hochbaufirma Antonietti Kerzers AG schliesst ihre Tore. Dadurch gehen 23 Stellen verloren. Die Schliessung soll geordnet bis Ende Jahr vonstattengehen. So will die Firma ihren Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern und Kunden nachkommen.

Die Firma Antonietti Kerzers AG gibt ihre Tätigkeit bis spätestens Ende dieses Jahres auf. Ein gesunder Fortbestand der Firma sei mit der heutigen Firmenstruktur in der gegenwärtigen Situation des Bauhauptgewerbes im Seebezirk nicht möglich. Darüber informierte das Ehepaar Anita und René Antonietti gestern an einer Medienkonferenz. «Wir haben beschlossen, das Unternehmen geordnet aus dem Markt zurückzuziehen», sagte Geschäftsführer René Anto­nietti. Dies solle zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem «wir noch verschiedene Optionen aktiv mitgestalten und den Mitarbeitern helfen können, sich neu zu orientieren». So sei sichergestellt, «dass wir die eingegangenen Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und der Öffentlichkeit vollumfänglich erfüllen können». Das sei ihr grösstes Anliegen, betonte René Antonietti. «Die Tätigkeit bis Mitte Jahr aufzugeben, wäre eigentlich ideal.» Mit der Frist bis Ende Jahr verbleibe eine zeitliche Reserve – auch für laufende Bauarbeiten.

Antonietti Kerzers AG beschäftigt 23 Mitarbeiter: Bauarbeiter, Maurer, Maschinisten, Vorarbeiter, Hochbaupoliere, Bauführer und Büroangestellte. «Wir werden sie dabei unterstützen, einen neuen Job zu finden, und ihnen einen sauberen Austritt anbieten», sagte Anita Antonietti. «Wir suchen individuelle Lösungen.»

Bei der Entscheidung habe auch mitgespielt, dass es keine Nachfolgelösung gibt, sagte René Antonietti. Es sei eigentlich eine Geschäftsaufgabe ohne Nachfolge. Die Firma habe eine schwierige Grösse: «Eine Querfinanzierung der Tätigkeit im Hochbau ist nicht möglich.» Grössere Firmen würden selber bauen und dann zum Beispiel Eigentumswohnungen verkaufen. Die Auftragsbücher seiner Firma seien zurzeit zwar voll, «aber es lässt sich mit einer Firma in dieser Grösse kein Geld verdienen». Der Grund dafür sind die Margen bei Bauaufträgen: «Im Hochbau sind sie für kleine und mittlere Unternehmen extrem schlecht.» Die Präsenz von Grossunternehmen im Seebezirk sei enorm, das habe sich auch beim Bau des Coop Löwenberg oder beim Feuerwehrmagazin in Murten gezeigt. Es werde bei den Handwerkern gespart, weil die Preise oft nur auf Grossunternehmen zugeschnitten seien, erklärt René Antonietti die Situation. Bei rund einem Drittel der Baukosten handle es sich um Baumeisterarbeiten, «weil der Anteil gross ist, wollen viele dort sparen».

Die Antonietti Kerzers AG sei kein Einzelfall: «Es gibt noch andere Unternehmen, die mit Problemen zu kämpfen haben.» Das Raumplanungsgesetz spiele auch eine Rolle: «Unter den Investoren breitet sich Torschlusspanik aus.» Mit dem Gesetz ist es schwieriger geworden, neues Bauland einzuzonen. «Der Markt läuft im Moment noch, aber die Preise sind extrem tief.»

Baumeister fordern Umdenken

Das sieht auch Matthias Engel vom Schweizerischen Baumeisterverband so: «Die Baukonjunktur ist im Moment gut, der Preisdruck ist aber eine grosse Herausforderung und die Margen sind tief.» Die politischen Rahmenbedingungen seien anspruchsvoller geworden, auch mit dem Raumplanungsgesetz. Teilweise könnten sich Unternehmen spezialisieren, beispielsweise auf verdichtetes Bauen, und so in einem bestimmten Marktsegment tätig bleiben. Es brauche aber auch ein Umdenken gerade bei den öffentlichen Bauherren, die – statt den billigsten Anbieter auszuwählen – im Zuge des neuen Beschaffungsrechts jener Baufirma den Zuschlag geben könnten, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist.

Betreffend Immobilien und Inventar der Kerzerser Firma seien Gespräche in Gang, sagt der 53-jährige René Antonietti. Er bleibe trotz allem optimistisch. «Wir haben langjährige, treue Mitarbeiter und finden eine Lösung.» Auch für sich selber ist er optimistisch: «Bauführer sind sehr gesucht, da mache ich mir keine Sorgen.» Anita Antonietti ist ebenfalls im Büro der Firma tätig. Auch sie werde sich einen neuen Job suchen.

Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty drückte auf Anfrage sein «riesengrosses Bedauern» aus, «dass ein grundsolides Traditionsunternehmen schliesst». Seine ersten Gedanken galten den Mitarbeitenden, insbesondere auch den Lehrlingen der Firma. «Wir werden Unterstützung anbieten», betonte Curty. Das Baugewerbe sei ein wichtiger Wirtschaftszweig des Kantons, sagte Curty. Der Margendruck sei jedoch sehr gross.

Chronologie

Die Firmengründung geht auf 1898 zurück

Mit der Schliessung der Antonietti Kerzers AG nimmt eine über 100 Jahre alte Firmengeschichte ein Ende. 1898 gründete Francesco Agostino Antonietti das Unternehmen.

1942 übernahm Alfred Antonietti die Kerzerser Firma in zweiter Generation.

1971 erfolgte die Übernahme des Familien-Unternehmens durch Kurt Antonietti in dritter Generation.

1974 baute die Firma ein Geschäftshaus mit Werkhof an der Murtenstrasse.

1997 erfolgten der Abbruch des Werkhofs und der Neubau eines Geschäftshauses.

2000 übernahm René Antonietti das Unternehmen in vierter Generation.

2005 baute die Firma einen neuen Werkhof und Büros am heutigen Standort an der Allmendstrasse.