Murten/Kerzers 11.02.2019

ARA-Resultate bleiben unter Verschluss

Wie in allen Freiburger Gemeinden des Verbandes ARA Seeland Süd waren auch in Galmiz gestern keine Resultate zu dieser Abstimmung angeschlagen.
Entgegen ihrer Ankündigung vom Freitag haben gestern auch die Gemeinden Galmiz und Kerzers die Abstimmungsresultate nicht bekannt gegeben. Kerzers machte eine Kehrtwende. Der Galmizer Gemeindepräsident wusste nichts von der Geheimhaltung.

Gestern haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von zwölf Freiburger Gemeinden an der Urne über das Kreditbegehren des Gemeindeverbands ARA Seeland Süd abgestimmt. Die Resultate bleiben jedoch vorerst geheim. Der Gemeindeverband will sie erst morgen Dienstag kommunizieren, weil er die Resultate der Gemeindeversammlung der Berner Gemeinde Münchenwiler von heute Abend abwarten will. Der Gemeindeschreiber von Kerzers, Erich Hirt, sowie der Ammann von Galmiz, Thomas Wyssa, hatten am Freitag jedoch angekündigt, die Resultate bekannt geben zu wollen (siehe FN vom Samstag). «Ich wusste am Freitag noch nichts von der Weisung des Gemeindeverbands ARA Seeland Süd, dass wir das Ergebnis von Galmiz nicht bekannt geben sollten», sagte Thomas Wyssa gestern. Erich Hirt will sich nicht erneut äussern. Klar ist, dass der ursprüngliche Entscheid am Wochenende gekippt wurde. Hirt verweist auf die Gemeindepräsidentin von Kerzers, Nicole Schwab. Diese war jedoch gestern nicht erreichbar. Der Kerzerser Gemeinderat und Vize-Präsident ARA Seeland Süd, Adrian Tschachtli, sagte auf Anfrage: «Ich war beim ersten Entscheid des Gemeinderats von vergangener Woche nicht dabei, weil ich in den Ferien war.» Nun sei es aber so, dass auch Kerzers wie alle anderen elf Freiburger Gemeinden die Abstimmung in Münchenwiler abwarten wolle: «Wir wollen diese Gemeinde nicht vor den Kopf stossen, weil sie als einzige der fünf Berner Gemeinden zeitnah zur Freiburger Urnenabstimmung eine ausserordentliche Gemeindeversammlung durchführt.» Es sei ein Kompromiss, denn bis im Mai, wenn die anderen vier Berner Gemeinden ihre Versammlungen durchführten, könne der Verband nicht warten.

Die Kehrtwende von Kerzers geht laut Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin ARA Seeland Süd, nicht auf ihre Intervention zurück: «Ich hatte keinen Kontakt mit Kerzers.» Die Präsidentin betonte nochmals, «dass die Abstimmung vom Gemeindeverband organisiert wird und nicht von den Gemeinden». Deshalb könne der Vorstand der ARA Seeland Süd entscheiden, wann die Resultate bekannt gegeben würden. Dabei habe sich der Vorstand an der Abstimmung des Feuerwehrverbands Region Murten vor zwei Jahren orientiert, dem ebenfalls Berner und Freiburger Gemeinden angehören. Doch der Feuerwehrverband gab die Resultate am Montag bekannt, so dass die FN und auch die zweimal wöchentlich erscheinende Lokalzeitung «Der Murtenbieter» in ihrer Ausgabe vom Dienstag darüber berichteten. Hingegen möchte der Verband ARA Seeland Süd erst am Dienstagvormittag, nach Vorliegen der Resultate von 13 von 17 Gemeinden, kommunizieren. Gemäss Schneider Schüttel geht es auch darum, mit dem Abwarten der Gemeindeversammlung vom Montagabend in Münchenwiler ein möglichst klares Resultat liefern zu können, «diese Chance steigt mit jeder Gemeinde». Auf die anderen vier Berner Gemeinden bis im Mai zu warten, sei keine Option, «das ist zu lang».

Fredi Schwab von der Ak­tions­gruppe Kerzers, der über Monate gegen das ARA-Projekt kämpfte, sagte gestern zur verzögerten Bekanntgabe der Resultate: «Es ist so viel komisch gelaufen bei der ARA Seeland Süd, das wundert mich nicht.» Er sei auf die Ergebnisse gespannt. Peter Halbherr von der Aktionsgruppe Sauberer Murtensee sagte: «Das gesamte Verfahren ist mangelhaft und zeugt von mangelnder Sorgfalt.» Es sei dazu aber keine Einsprache geplant.

«Es ist so viel komisch gelaufen bei der ARA Seeland Süd, das wundert mich nicht.»

Fredi Schwab

Aktionsgruppe Kerzers

Chronologie

Freiburger stimmten zum dritten Mal ab

Für den Um- und Ausbau der Kläranlage Muntelier fusionierten die Gemeindeverbände ARA Region Murten und ARA Region Kerzers 2016 zur ARA Seeland Süd. Die Statuten des neuen Verbands waren zuvor an Gemeindeversammlungen gutgeheissen worden. Auch zur Finanzierungsweise der neuen ARA wurden die Stimmbürger befragt. Alle beteiligten Gemeinden – ausser Muntelier – stimmten dafür, dass der Verband die Verschuldung für das Bauprojekt unter sein Dach nehmen solle. Zugleich erhöhten die Bürger an den Gemeindeversammlungen die Verschuldungsgrenze für Investitionsausgaben des Verbands von 20 auf 90  Millionen Franken. Über die Kreditbegehren der ARA-Verbände für die Kläranlagen Muntelier und Kerzers stimmten die Freiburger gestern ab. Münchenwiler hält dazu heute eine ausserordentliche Gemeindeversammlung ab. Die ordentliche Versammlung von Ferenbalm findet am 13. Mai statt, jene von Gurbrü am 20.  Mai und jene von Kallnach und ­Wileroltigen am 27. Mai.

jmw