Murten 12.01.2018

Das Kellertheater Murten wird 50 Jahre alt

«Lady Päng» war «ein absoluter Treffer für eine Powerfrau», so Pierrette Froidevaux.
Das Kellertheater Murten kann auf 50 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken. Die Kleinbühne gab trotz dem Verlust des Lokals im Stedtli nicht auf und bietet den Zuschauern bis heute hochkarätige Eigenproduktionen.

«Die Gründungsmitglieder des Kellertheaters Murten waren theaterbegeistert, wollten selber auf der Bühne stehen und das Kulturleben von Murten bereichern», erzählt Pierrette Froidevaux. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums wird Froidevaux gemeinsam mit Käthi Hürlimann heute Abend im Kultur im Beau­lieu (KiB) für die Mitglieder verschiedene Anekdoten aus der Geschichte des Kellertheaters darbieten. Froidevaux ist zwar nicht mehr im Vorstand des Kellertheaters Murten, kümmert sich jedoch um dessen Archiv. Käthi Hürlimann gehört zu den Mitgliedern der ersten Stunde. «Lady Päng» war das letzte Stück, bei welchem sie Regie führte. «Ein absoluter Treffer für eine Powerfrau», sagt Froidevaux fröhlich dazu.

Schwarz und Weiss

Hürlimann kann sich auch gut an das Stück «Mu-A-Mu – Mundart Museum Murten» 1985 erinnern. «Das Jahr 1985 wurde im Kanton Freiburg zum Mundart-Jahr erklärt», erzählt Hürlimann. Grund genug, um ein humorvolles Stück dazu aufzuführen. «Bis 1991 war Französisch die offizielle Amtssprache im Kanton», sagt Hürlimann. «Alle Schauspielerinnen und Schauspieler waren für diese Aufführungen analog dem Kantonswappen ausschliesslich in Schwarz und Weiss gekleidet», erinnert sie sich schmunzelnd.

Das erste Stück des Kellertheaters war Bertolt Brechts «Dreigroschenoper». Das Theaterlokal befand sich damals an der Hauptgasse im Murtner Stedtli. «Es war das Haus der damaligen Ersparniskasse und gehörte der Stadt Murten», erzählt Froidevaux. «Die Gründungsmitglieder Marie Jane Schweizer, Maya Buess und Fernand Giauque konnten die Gemeinderäte um den Finger wickeln», sagt sie und lacht: «Die Stadt stellte das Kellerlokal gratis zur Verfügung.» Doch hatte es im Keller des Altstadthauses keine Heizung. «Es gab ein Loch für die Lüftung, dort hatten sie eine Heizung installiert.» Diese sei jedoch so laut gewesen, dass sie während der Vorführungen abgeschaltet werden musste. «Damit keine kalte Luft durch das Loch in den Raum gelangen konnte, stopften die Theaterleute Sagex in die Öffnung», erzählt Froidevaux. «Einmal fiel während einer Aufführung ein Stück Sagex herunter – direkt auf den Kopf eines Schauspielers.» Seine Ehefrau im Publikum habe kurz einen Schock erlitten, denn von weitem habe sie gemeint, es handle sich um ein Stück Stein des Kellergewölbes, sagt Froidevaux. Das sei um 1970 gewesen.

Das Theater «Sanclo»

Im Ursprungslokal der Kleinbühne gab es auch keine Toiletten. «Bei der Namensfindung schlugen damalige Mitglieder deshalb den Namen ‹Kellertheater Sanclo› vor», sagt Froidevaux verschmitzt. Auch «Kellertheater ohne Heizung» sei ein Vorschlag gewesen. Doch Kellertheater Murten habe sich schlussendlich klar durchgesetzt. Und der Name blieb trotz dem Wechsel in ein anderes Lokal. Denn im Januar 1999 war Schluss im Keller an der Hauptgasse. Ein Restaurant sollte den Raum übernehmen. «Ohne Grund?» hiess die letzte Aufführung im heimischen Lokal.

Für die nächsten Jahre bot der Gerbestock in Kerzers den Murtner Theaterschaffenden Unterschlupf. Ein Bruch in der Geschichte des Kellertheaters, der den ursprünglichen Geist jedoch nicht auszutreiben vermochte. 2003 folgte die Rückkehr in ein ehemaliges Gärtnerhaus, das vom Verein Kultur im Beaulieu (KiB) als Dachorganisation geführt wird. Dort bietet das Kellertheater für rund 100 Zuschauer bis heute einen Mix aus Eigenproduktionen und Gastspielen an.

Programm

Jubiläumsstück «Annie» startet im Mai

Die Proben laufen heiss: Zum 50-Jahr-Jubiläum führt das Kellertheater Murten das Musical «Annie» auf. Die zehn Vorstellungen finden von Ende Mai bis Anfang Juni mit einem 27-köpfigen Ensemble und einem 29-köpfigen Orchester in einem 40 mal 15  Meter grossen Zelt im Beaulieupark statt. Die Bühne des Theatersaals im Kulturzentrum im Beaulieupark (KiB) ist zu klein für die Aufführung des Musicals, weil der Inhaber der künstlerischen Rechte am Musical ein Orchester vorschreibt. Dieses benötigt eine Vorbühne, die im KiB den Zuschauerraum entscheidend verkleinert hätte. Das Musical in einem Zelt aufzuführen, war eine nicht unumstrittene Entscheidung. Die Mitglieder hatten vor allem finanzielle Bedenken. Der Vorstand musste das Budget ein zweites Mal vorlegen, ehe die Mitglieder zustimmten. «Annie» ist ein beliebtes und erfolgreiches Musical aus den USA, das von Charles Strouse komponiert wurde. Es enthält mit «Tomorrow» und «It’s a Hard Knock Life» bekannte Lieder. Um das Musical finanzieren zu können, hatte das Kellertheater Anfang November ein Crowdfunding lanciert. Inzwischen ist genug Geld zusammengekommen, der Vorhang kann aufgehen.

emu

 

«Alle Schauspieler waren für die Aufführungen ausschliesslich in Schwarz und Weiss gekleidet.»

Käthi Hürlimann

Mitglied des Kellertheaters