Kerzers 09.01.2019

Die ARA-Debatte stiess auf grosses Interesse

Der Journalist Rolf Dietrich (m.) leitete die Podiumsdebatte, bei der sich Adrian Tschachtli (v.l.) und Ursula Schneider Schüttel vom ARA- Verband Seeland Süd sowie Fredi Schwab und Frank Steiner von der Kerzerser Aktionsgruppe gegenüberstanden.
Zahlreich fanden sich die Bürger aus dem Seebezirk in Kerzers ein, als Unterstützer und Gegner des Um- und Ausbaus der Abwasserreinigungsanlage Muntelier aufeinandertrafen. Die Kontrahenten beharrten auf ihren Positionen.

Am 10. Februar stimmt die Bevölkerung in Teilen des Freiburger Seebezirks über Kredite für den Aus- beziehungsweise Umbau der Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in Muntelier und Kerzers ab (siehe Kasten). Ursula Schneider Schüttel, Präsidentin des Gemeindeverbands ARA Seeland Süd und Vize-Stadtpräsidentin von Murten, sowie Adrian Tschachtli, Vizepräsident von ARA Seeland Süd und Kerzerser Gemeinderat, verteidigten das Vorhaben am Montagabend an einer Podiumsdebatte in Kerzers. Sie warnten das über 100 Personen zählende Publikums vor einem Nein im Februar. Denn Letzteres würde für die Region Murten bedeuten: «Die Kläranlage Muntelier wird innert nützlicher Frist nicht erneuert und nicht mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe versehen», sagte Schneider Schüttel. Die Region Kerzers hätte in der Folge keine Lösung für ihre Abwasserreinigung. Dort sei die Lage allerdings dringlich, denn die Einleitbewilligung für den Erligraben läuft Ende 2020 aus.

Anschluss nach Biel diskutiert

Fredi Schwab, Präsident der Aktionsgruppe Planung und Entwicklung Kerzers, die zur Podiumsdebatte eingeladen hatte, sowie Frank Steiner, pensionierter Bauingenieur, forderten dazu auf, die Kredite an der Urnenabstimmung abzulehnen. «Ein Nein gibt die Möglichkeit, die Alternative eines Anschlusses an die ARA Biel zu prüfen», sagte Schwab. Der Alternativvorschlag sieht im Wesentlichen vor, das Abwasser der Regionen Murten und Kerzers via Pipeline nach Biel zu pumpen und dort reinigen zu lassen. Schwab verspricht sich davon «mehr Effizienz, eine bessere Auslastung und mehr Energieverkäufe».

Schneider Schüttel und Tschachtli stellten die Realisierbarkeit eines solchen Anschlusses nach Biel klar infrage. Denn der Kanton Bern, Biel und alle betroffenen Gemeinden müssten damit einverstanden sein, so Schneider Schüttel. Wie der Kanton Freiburg habe auch Bern eine Vision für sein ARA-Netz, «und da passen wir nicht rein», sagte Tschachtli. Zudem sei beim Vorschlag Biel unklar, wie teuer der Einkauf in die bestehende dortige Kläranlage sowie der notwendige Kapazitätsausbau dieser ARA würden. Des Weiteren handle es sich beim Vorschlag Biel um eine Projektskizze. Der Um- und Ausbau der ARA Muntelier sei hingegen das Ergebnis einer jahrelangen Planung und habe nun den Status eines definitiv ausgearbeiteten Projekts.

Schwab wies zurück, dass in Biel wegen des zusätzlichen Abwassers aus den Regionen Murten und Kerzers ein Ausbau notwendig sei. Auch eine Einkaufssumme sei nicht zu bezahlen. Denn bei der ARA Biel handle es sich um eine Aktiengesellschaft, wo es Aktienkapital gebe, das verzinst werde. Darauf entgegnete Schneider Schüttel, dass es für den Kauf der Aktien auch Geld brauche.

Die Einkaufssumme, die der ARA-Verband Region Kerzers an den ARA-Verband Region Murten zahlen soll, war ein weiterer Streitpunkt. Es handelt sich um einen Betrag von 6,355 Millionen Franken. Jedoch sei die Kläranlage in Muntelier bereits «total abgeschrieben», sagte Schwab.

Schneider Schüttel erinnerte daran, dass der ARA-Verband Region Murten die Anlage in Muntelier gebaut habe. Dieses Geld würde nun im Grundstück, in den Gebäuden und in Anlageteilen stecken, welche nach dem Umbau zum Teil weiterverwendet würden. Tschachtli ergänzte, dass die Muntelierer Kläranlage noch einen Wert habe, und verwies konkret auf die Seeleitung, «welche einen beträchtlichen Betrag gekostet» habe und in Zukunft auch von der Region Kerzers genutzt werden könne.

Grossrat Ueli Johner-Etter (SVP, Kerzers) meldete sich aus dem Publikum zu Wort. Er warnte, dass ein Nein die wirtschaftliche Entwicklung in der Region blockiere. «Keine Gemeinde kann einem Interessenten Bauland verkaufen, wo es Wasserverbrauch hat. Der Kanton wird das nämlich ablehnen, solange die ARA nicht gesichert ist.» Das sei «Angstmacherei», so Schwabs Reak­tion. «Ich sehe das nicht so.» Eine neue ARA zu bauen, benötige Zeit. Für die Reinigung des Freiburger Abwassers in Biel brauche es nur eine Leitung dorthin.

Zahlen und Fakten

Die Abstimmungen am 10. Februar

Die Stimmbürger in den Freiburger Mitgliedsgemeinden des Verbands ARA Seeland Süd stimmen am 10. Februar über einen Baukredit von rund 63  Millionen Franken für den Um- und Ausbau der bestehenden Kläranlage in Muntelier ab. In den Gemeinden, die Teil des Verbands ARA Region Kerzers sind, gibt es drei weitere Abstimmungsfragen. Dies sind die Kreditbegehren für ein Pumpwerk und den Bau einer Abwassertransportleitung von Kerzers nach Galmiz (7,94 Millionen Franken), für den Rück- und Umbau der Kläranlage zu einer Pumpstation mit Regenwasserbehandlung (2,965 Millionen Franken) und für den Einkauf der ARA Region Kerzers in den ARA-Verband Region Murten (6,355 Millionen Franken).

jmw