Bellechasse 02.04.2020

Freiburg fokussiert seine Kräfte auf die Resozialisierung

Franz Walter, Direktor der Strafanstalten Bellechasse.
In den Strafanstalten Bellechasse hat sich der Kanton Freiburg auf die Resozialisierung von verurteilten Kriminellen spezialisiert. Das sei sinnvoll, sagt Direktor Franz Walter. Es solle nicht jeder Kanton alle Strafspezialitäten abdecken müssen.

«In der Strafanstalt arbeiten zu müssen, ist ein Gewinn für die Gefangenen: Sie erhalten eine Tagesstruktur, die Zeit vergeht schneller, sie können etwas lernen und verdienen ein bisschen Geld», sagt der Direktor von Bellechasse, Franz Walter.

Wenn ein Insasse neu in die Strafanstalten komme, brauche es eine Standortbestimmung. «Neben den Hard Facts – Alter, Delikt, Vorstrafen, Drogensucht, Schulden, psychische Störungen – geht es dabei auch um die Soft Facts. Wir wollen herausfinden, was er verändern könnte in seinem Leben und seinen Einstellungen, damit er nicht rückfällig wird.» Auch die Gefährlichkeit des Insassen werde abgeklärt.

Je weiter sich der Häftling entwickle, desto mehr verändere sich der Schwerpunkt von der Sicherungsfrage zur Resozialisierung. In einem idealtypischen Fall durchlaufe ein Insasse alle Entwicklungsstufen, erhalte Kompetenzen für die Arbeitswelt und arbeite an seinen Einstellungen. Verhaltenstherapeutische Ansätze – «der Goldstandard der Resozialisierung» – wirkten erst nach einer Dauer von mindestens anderthalb Jahren. Bei Strafen von unter sechs Monaten – das betreffe ungefähr die Hälfte der Insassen – könne man «entgiften, stabilisieren, die Insassen in einen Rhythmus bringen, Tipps und Adressen geben». Wer weniger als 30 Tage in Bellechasse bleibt, müsse nicht arbeiten, weil diese Dauer höchstens für die Einarbeitung reichen würde.

Insassen mit mehrjährigen Haftstrafen seien ausserkantonal untergebracht und kämen erst gegen Ende nach Bellechasse. Es mache keinen Sinn, dass jeder Kanton, und vor allem ein kleiner Kanton wie Freiburg, sämtliche Strafspezialitäten abdecke, sagt der Direktor. Freiburg habe sich auf Resozialisierung spezialisiert, andere auf Hochsicherheit. «Bellechasse ist ein Trainingslager für die Entlassung von Häftlingen», sagt der Direktor.

Resozialisierung ist für Franz Walter Nacherziehung oder primäre Erziehung. Denn bei einem Grossteil der Gefangenen sei es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie sich in eine geordnete Gemeinschaft einpassen müssten.

jmw