Murten 17.12.2019

Generalrätinnen kritisieren das Löwenberg-Areal

Im Löwenberg in Murten treffen unterschiedliche Ansprüche aufeinander: Mobilität und Wirtschaft sowie Natur und Umwelt.
Der Fussgängerübergang ist unsicher, es gibt regelmässig Staus, die Nacht ist hell erleuchtet, und die Detaillisten im Stedtli sind bedroht: Die Kritik aus dem Murtner Generalrat am Gebiet Löwenberg und am neuen Einkaufszentrum ist vielfältig.

Unzählige Autos und Camions passieren Tag für Tag das Areal Löwenberg in Murten. Nach dem Bau des neuen Einkaufszentrums mit Restaurant und Fitnesszentrum und einer neuen Bushaltestelle werden hier auch mehr Personen zu Fuss unterwegs sein. Doch bei der Infrastruktur für Fussgänger und Velofahrer gibt es Verbesserungsbedarf, wie die FN Anfang November aufzeigten.

Der Murtner Generalrat thematisierte die Situation im Löwenberg in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch. Generalrätin Christine Jakob (FDP-Fraktion) sprach von «nicht tragbaren Umständen bei der Kreuzung Centre Loewenberg-Grande Ferme. Muss zuerst ein schlimmer Unfall geschehen, bevor die zuständigen Behörden reagieren?» Sehr viele Schüler würden hier die Strasse überqueren, um vom Bahnhof Muntelier-Löwenberg zum Schnellimbiss-Restaurant zu gelangen. Jakob bat den Gemeinderat, beim zuständigen kantonalen Amt vorstellig zu werden, um die Situation möglichst rasch zu verbessern.

Gemäss Vizestadtpräsidentin Ursula Schneider Schüttel (SP) ist eine Querung vom Centre Loewenberg zur Grande Ferme in Planung. Seit Mai befinde sich diesbezüglich ein Dossier beim Kanton zur Genehmigung. Es beinhalte beidseitig der Strasse einen Gehweg sowie eine Signalisation mit Mittelinsel. Einen Zebrastreifen werde es nicht geben. «Der Kanton will keine Streifen ausserhalb von Ortschaften», sagt Schneider Schüttel.

Verhandlungen für neuen Weg

Ein Fuss- und Veloweg könnte in Zukunft von der Querung bis zum Kreisel beim Coop führen. Für die Finanzierung der Kosten von 150 000 Franken verhandle die Gemeinde Murten mit der Genossenschaft, «weil das Einkaufszentrum von diesem Weg profitiert», sagt Schneider Schüttel den FN.

Kanton und Bund reden mit

Generalrätin Carola Hofstetter Schütz (Fraktion CVP-GLP-EVP) wandte sich an den Gemeinderat wegen des «Verkehrskollapses» im Löwenberg. In diesem Gebiet gebe es oft und regelmässig Stau. Vom Murtner Gemeinderat wollte sie wissen, ob es Konzepte zur Verbesserung des Verkehrsflusses in dieser Zone gibt.

Der Gemeinderat könne auf der betroffenen Hauptstrasse nicht allein Entscheidungen fällen und Massnahmen umsetzen, sagt Schneider Schüttel, denn es handle sich um eine Kantonsstrasse. Und auch der Bund müsse einbezogen werden, beispielsweise bei der Überlegung, die Autobahnausfahrt direkt mit der Moosstrasse zu verbinden.

Wildtiere

Löwenberg zerschneidet den Lebensraum

Die Fassadenbeleuchtung des Einkaufszentrums sorge dafür, «dass sich Fuchs und Hase im benachbarten Wald und Feld nicht mehr im Dunkeln Gute Nacht sagen müssen», so das Votum der Generalrätin Carola Hofstetter Schütz (GLP). Sie wies darauf hin, dass gemäss dem Umweltschutzgesetz grundsätzlich nur zu beleuchten sei, was beleuchtet werden muss. Die entsprechenden Bedürfnisse seien mit der geringstmöglichen Gesamtlichtmenge abzudecken.

«Die Aussenbeleuchtung war Bestandteil des Baurealisierungsprozesses mit den Behörden», schreibt die Medienstelle von Coop. Bisher sei dem Unternehmen diesbezüglich keine Kritik zugetragen worden.

Kein Weg für Wildtiere

Zur Thematik Lichtverschmutzung gebe es in der Region keine Fakten und Erfahrungswerte, sagt Wildhüter Elmar Bürgy auf Anfrage. Erwiesen sei allerdings, dass die Gebäude und die Infrastruktur im Raum Löwenberg ein Hindernis für Wildtiere darstellten. Ein Beleg dafür seien die Tiere, die auf den Strassen von Autos und Camions erfasst würden. «Ihr Lebensraum ist zerschnitten durch Strassen, die Eisenbahn, die Autobahn, die Industrie und das Gewerbe», so Bürgy. Der Wildtierkorridor vom Chablais zum Murtenholz sei im Löwenberg nahezu vollständig verbarrikadiert, deshalb könnten die Tiere nicht mehr vom Seeland ins Mittelland wandern.

Gewerbe

Hilfe für die Detaillisten

Sorgen macht sich Generalrätin Carola Hofstetter Schütz (GLP) um das Gewerbe in der Murtner Altstadt. Es sei zu erwarten, dass Coop im Sommer auch am Sonntag geöffnet habe und der Besucherandrang vor den Toren Murtens ende, was massive Auswirkungen auf das lokale Gewerbe haben werde. Eine aktive Wirtschaftsförderung sei wünschenswert. Die Generalrätin wünschte, dass die Murtner Detaillisten die Möglichkeit haben sollten, ihre Produkte im neuen Einkaufszentrum Löwenberg zu präsentieren und zu verkaufen.

Coop teilt den FN dazu mit: «Coop ist bereits seit vielen Jahren Mitglied der Detaillisten-Gruppe Murten. Wir sind offen für einen Dialog. Diesbezüglich wurde das Gespräch mit uns noch nicht gesucht.» Ob das Einkaufszentrum während der Tourismussaison auch sonntags geöffnet sein wird, ist noch nicht entschieden. Dies werde zu einem späteren Zeitpunkt geprüft, so die Medienstelle.