Murten 05.03.2018

Im Stedtli waren die Narren los

«Chaos um dTanksteu im Löiebärg»: Die Ringmurechutze nahmen die späte Inbetriebnahme einer Tankstelle aufs Korn.
Viele Besucher, keine Unfälle und Wetterglück: Die Organisatoren der Murtner Fastnacht ziehen eine positive Bilanz. Der Umzug am Sonntag war wie immer der Höhepunkt der vier schönsten Tage Murtens, die heute Abend zu Ende gehen.

Wie Weihnachten und Ostern zusammen: Die Fastnacht ist für die Murtner so etwas wie der höchste Feiertag im Jahr – neben der Solennität im Juni, versteht sich. Am Wochenende war es wieder einmal so weit. Der farbenfrohe Umzug am Sonntag krönte die viertägige Veranstaltung. Tausende Schaulustige – verkleidet oder in zivil – liessen es sich auch dieses Jahr nicht entgehen, im Stedtli die schmissige Guggenmusik zu hören und die bunten Sujets zu bestaunen, die ironisch das letzte Jahr reflektierten.

Geschichten wie aus Seldwyla

Die meisten Cliquen hatten lokale Sujets gewählt: Das letztjährige Missgeschick zweier Bootsbesitzer etwa, deren Auto beim Verladen ihres Schiffes gleich mit im Murtensee gelandet war. Die Anekdote nahmen die Schlossmüüs Murten gleich zum Anlass, eine neue Trendsportart zu erfinden: «Autoversänke». Auf dem Wagen demonstrierten sie, wie sie sich das vorstellten: Die Rampe, welche dem Verladen von Schiffen dient, wurde dabei zu einer Art Skisprungschanze für Autos, während aus den Lautsprechern der Song «Perfekte Welle» der deutschen Band Juli erschallte.

«Da wurden Zehntausende Fränkli zum Fenster rausgeschossen», kommentierte ein Mitglied der Ringmurechutze am Mikrofon die späte Inbetriebnahme einer Tankstelle in Löwenberg bei Muntelier. Diese konnte nach langen Querelen erst sechs Jahre nach Einreichung des Baugesuchs eröffnet werden. Analog flog durch einen «Tankschlauch» Konfetti in die Zuschauermenge und erinnerte dabei an die den Betreibern entgangenen Einnahmen. «Ispracheritis – Murte het nie Rueh, jede git si Sänf dezue!», so das Motto der Loubeschränzer Murten. Geschäftig liefen Mitglieder einer fiktiven «Interessengemeinschaft Murten» – Ähnlichkeiten mit real existierenden Gruppen rein zufällig – durch die Gassen, während auf dem Wagen und Schildern Slogans prangten wie «Generell wird alles abgelehnt», «Überall, bloss nicht hier» oder «Hier entsteht Murten – oder auch nicht.» Da hilft wohl nur eine grosse Portion Pragmatik: «Ist mir Wurst, gebt mir Senf», so der Vorschlag auf einem Protestplakat eines Loubeschränzers.

Ein weiteres Sujet: der Umzug der Murtner Steinverarbeitungsfirma Buess nach Sugiez. Die Tätigkeit des Betriebes an seinem vorherigen Standort war nicht zonenkonform. Ebenfalls Thema war die Diskussion um einen Standplatz für Fahrende in Wileroltigen.

«Das Stedtli war nicht nur weiss von Schnee, sondern auch von Konfetti.»

Stefan Büschi

Präsident Fastnachtsgesellschaft Murten

Bunt, originell und mit einer grossen Portion Ironie; der Umzug mit seinen schön gestalteten Wagen und Kostümen als verrücktes Résumé einer Welt, die manchmal nicht minder verrückt erscheint. Vielleicht ist diese am Ende doch ein Dschungel, wie sich die Primarschüler Murten auf das Banner schrieben.

 

«Es war eine sehr ruhige Fastnacht.»

Laurent Lässer

Sprecher Kantonspolizei Freiburg

 

«Das Stedtli war nicht nur weiss von Schnee, sondern auch von Konfetti», sagte Stefan Büschi, Präsident der Fastnachtsgesellschaft Murten gestern Abend. Er ziehe eine sehr positive Bilanz: «Viele Zuschauer, Wetterglück, keine Verletzten, eine friedliche Stimmung.» Alle seien sehr zufrieden. Am Kinderumzug hätten schätzungsweise mehr Besucher teilgenommen als 2017. Die Nachfrage nach dem Shutt­le-Service sei gross gewesen, vielleicht auch wegen des Schnees. «Wir werden den Ausbau diskutieren.» Die weisse Pracht, ein seltenes Phänomen an der stets im März stattfindenden Fastnacht. «Er hat jedoch keine grösseren Probleme verursacht.» Für Büschi war die Organisation des Anlasses eine Premiere – die Feuertaufe ist bestanden. «Es war eine sehr ruhige Fastnacht», sagt auch Laurent Lässer, Sprecher der Kantonspolizei Freiburg. Es habe von Freitag bis Sonntag keine Unfälle gegeben. Ein Wermutstropfen: Ein Instrument wurde gestohlen.