Ulmiz/Gempenach 02.04.2020

«Jetzt sagen bald die Eltern, wie es in der Schule laufen soll»

Für Manuela Linder aus Ulmiz und Hansueli Möri ist bei der Kindererziehung wichtig, dass der Nachwuchs Anstand lernt. Gleichzeitig sollen sich die Kinder viel in der Natur bewegen und eigene Erfahrungen sammeln können. Ohne dass die Eltern immer alles wissen.

Manuela Linder lebt seit zehn Jahren in Ulmiz und engagiert sich seit knapp derselben Zeit im Elternverein Agriswil, Büchslen, Gempenach, Ried und Ulmiz (Abgru). Ihr ältester Sohn ist neun Jahre alt, der zweite sieben, und der dritte ist zwei Jahre alt und sitzt auf dem Schoss seiner Mutter. Sie habe eigentlich Kleinkindererzieherin werden wollen, erzählt Linder, doch das habe nicht geklappt. Nach der Ausbildung und der Arbeit als kaufmännische Angestellte ist die 38-Jährige nun Mutter von drei Söhnen und als Tagesmutter tätig. Zwei Mädchen sitzen ebenfalls am Esstisch, das eine Mädchen ist zum ersten Mal bei Linders. «Am Anfang lernen die Kinder, welche Regeln bei uns gelten.» So darf sich zum Beispiel niemand auf den Tisch setzen. «Das ist nicht überall so», sagt die Tagesmutter, dessen sei sie sich bewusst. Auch sei es bei ihr nicht erlaubt, mit dem Essen zu spielen, und es werde nur am Tisch gegessen. «Es gibt schon Kinder, die erst mal erstaunt sind über diese Vorgaben.» Die Arbeit bereite ihr viel Freude. «Jetzt bin ich doch noch viel mit Kindern zusammen», sagt sie und lacht.

Der Gempenacher Hansueli Möri sitzt ebenfalls am Tisch. Auch er engagiert sich im Vorstand des Elternvereins Abgru, zudem ist der 46-Jährige Gemeinderat von Gempenach. Er hat eine elfjährige Tochter, eine 17-jährigen Stieftochter und einen 23-jährige Stiefsohn. Für Möri bergen kleine Gemeinden Vorteile für die Erziehung von Kindern: «Sie lernen, die Erwachsenen zu grüssen und Respekt vor ihnen zu haben.» Auch könnten sie auf dem Land sehen, «wo die Milch und das Fleisch herkommen», sagt Möri, der neben seiner Vollzeitarbeit bei den SBB auf seinem Hof Mutterkühe hält. «Auf dem Land können Kinder sehen, dass mal ein Tier wegmuss.» Auch könnten sie beim Spielen im Wald lernen, nicht wegen jeder Wurzel auf die Nase zu fallen, «damit man nicht die Sanität dabei haben muss».

Als Gemeinderat ist Möri in der Murtner Schulkommission. Der Respekt vor Lehrpersonen sei nicht mehr im gleichen Ausmass vorhanden wie früher, sagt Möri, «es sagen bald die Eltern, wie es in der Schule laufen soll». Die Schulkommission gebe sich zudem mit Erziehungsfragen ab, die eigentlich Sache der Eltern wären. Für Linder ist klar: «Schulkinder sollten ihre Jacken und Schuhe selber an- und ausziehen sowie das Turnzeug selber einpacken können.» Auch ihre Hausaufgaben im Griff zu haben, gehöre dazu. «Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sie rausgehen dürfen. Wir sollten die Kinder auch machen lassen, ohne immer Angst zu haben.» Neben der Schule und den Hausaufgaben verbleibe aber nicht viel Zeit zum Spielen, gibt Linder zu bedenken. Ein schönes Beispiel dafür, eigene Erfahrungen sammeln zu können, ist für Möri das zweiwöchige Murtner Sommerlager Solala. «Die Eltern müssen nicht immer alles wissen.»

Für Linder und Möri bedeutet eine gute Erziehung, dass Kinder Anstand lernen, dass sie das Werkzeug erhalten, um unabhängig leben zu können und dass sie wissen, welchen Wert etwas hat. «Sie sollen das machen können, woran sie Freude haben, und selbstständig ihren Weg gehen», sagt Linder.