Murten 03.04.2020

Kellertheater will Stück erneut aufführen

Mustafa Sariboga spielte im Theaterstück «Angst essen Seele auf» den Syrer Ali.
Trotz vorzeitigen Abbruchs ist das Kellertheater Murten zufrieden mit den Zuschauerzahlen seines Stücks «Angst essen Seele auf». Das Ensemble ist von der Inszenierung des Regisseurs überzeugt und plant, das Stück im Herbst ein weiteres Mal aufzuführen.

14 Mal wollte das Kellertheater Murten ab Anfang Februar seine Eigenproduktion «Angst essen Seele auf» von Rainer Werner Fassbinder auf der Bühne im Kulturzentrum KiB zeigen. Doch wegen der Corona-Epidemie sagten die Veranstalter Mitte März die letzten drei Aufführungen ab, noch bevor alle öffentlichen und privaten Veranstaltungen durch den Bundesrat verboten wurden. Das sei zur Sicherheit der Zuschauerinnen und Zuschauer sowie der Crew geschehen, sagt die Kommunikationsverantwortliche Saskia Zahnd auf Anfrage.

Rund 870 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen das Stück. Mit dieser Bilanz sei das Kellertheater zufrieden. Im Laufe der Zeit hätten die Absagen von Platzreservationen klar zugenommen. «Wir spürten, dass die Leute vorsichtiger wurden.»

In den Pausen der letzten Aufführungen wurde kein kleines Mezze, also arabische Häppchen, mehr angeboten. «Jeweils vier Personen hatten sich eine Platte geteilt», sagt Zahnd. Um die Gesundheit der Zuschauerinnen und Zuschauer zu schützen, hätte jede Person eine eigene Platte erhalten müssen. Doch das wäre zu aufwendig gewesen.

Gefordert und gefördert

Zahnd, die im Stück selbst mitspielte, bewertet die Aufführungen von «Angst essen Seele auf» als sehr schön. «Die Schauspielerinnen und Schauspieler waren überzeugt von der Inszenierung.» Für Regisseur Alex Truffer war es die vierte Regiearbeit im Kellertheater. Er habe seine Vision des Stücks mitgebracht und die gesamte Crew dorthin geführt. «Alex Truffer fordert und fördert», so Zahnd. Für die Techniker sei das Stück mit den unterschiedlichen Beleuchtungen, den zahlreichen Texteinblendungen und den Musikstücken anspruchsvoll gewesen, «aber die haben das bravourös gemeistert».

In «Angst essen Seele auf», ein Film von Rainer Werner Fassbinder aus den 1970er-Jahren, verliebt sich Emmi Kurowski, eine verwitwete Putzfrau jenseits der 60, in einen jüngeren Marokkaner und heiratet ihn. Ihr Umfeld lehnt diese Beziehung ab und geht zu der Frau auf Distanz.

In der Mundartversion des Kellertheaters wurde aus dem Marokkaner ein Syrer und der Sprachstil war moderner.

Wegen der behandelten Themen sei «Angst essen Seele auf» kein leichtes Stück, so Zahnd. Die Rückmeldungen der Zuschauer seien positiv gewesen. «Viele schätzten, dass wir ein solches Thema aufgegriffen hatten und hofften, dass die Aufführung einigen die Augen öffnet.»

Der Vorstand des Kellertheaters bereite derzeit die nächste Saison vor, sagt Zahnd. «Wir hoffen, dass wir im Herbst im normalen Modus werden starten können.» Geplant sei, «Angst essen Seele auf» Ende Oktober oder Anfang November nochmals mit ein paar Vorstellungen ins Programm zu nehmen. Für die abgesagten drei Aufführungen im März waren 196 Plätze reserviert worden. Ob Karim Slamas Auftritt «À la carte», der am 27. März hätte stattfinden sollen, nachgeholt werden kann, sei derzeit offen.

Junges Kellertheater

Erstes Theaterstück wird auf 2021 verschoben

Das «Junge Kellertheater» für 10 bis 18 Jahre alte Mädchen und Jungen hat seine Aktivitäten wegen der Corona-Epidemie derzeit eingestellt.

Nach dem Gründungsakt Mitte September vergangenen Jahres begannen die Proben für das erste Theaterstück «Aufbrechen» im Januar. «Diese Proben sind seit Mitte März und bis auf weiteres eingestellt», sagt die Kommunikationsverantwortliche Saskia Zahnd. Auch die Premiere im Herbst kann nicht wie geplant stattfinden. «Der Vorstand hat entschieden, die Aufführungen auf das nächste Jahr zu verschieben.» So sollen die Kinder und Jugendlichen genug Zeit zum Proben haben. Mit der Kinder- und Jugendgruppe will das Kellertheater den Nachwuchs fördern.