Murten 13.02.2020

Landesverweis wegen Übergriff in Kerzers

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Corinne Aeberhard/a
Weil ein heute 24-jähriger Mann 2017 Mädchen und Frauen am Bahnhof Kerzers und in Gstaad unsittlich berührt hat, muss er die Schweiz verlassen. Zudem verurteilte ihn das Gericht des Seebezirks zu einer Busse und zu einer bedingten Geldstrafe.

Einen Landesverweis von fünf Jahren, eine Busse von 1500 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 10 Franken und einer Probezeit von zwei Jahren: Diese Strafe sprach gestern das Gericht des Seebezirks gegen einen 24 Jahre alten Eritreer aus. Er wurde wegen sexueller Belästigung und sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt.

Laut Anklageschrift hatte der Mann Ende Dezember 2017 kurz vor Mitternacht am Bahnhof Kerzers Mädchen angesprochen und ihnen von einem kaputten Mobiltelefon erzählt. Ein Mädchen – damals 14 Jahre alt – habe er am Handgelenk gepackt, sie an sich gedrückt und «mit offener Hand an der Brust» berührt sowie diese gedrückt, ehe das Mädchen mit einer Freundin weggelaufen sei. Dieses Geschehen sei als sexuelle Handlung mit einem Kind zu qualifizieren, so die Anklage. Wenig später habe der Mann eine 16-Jährige am Bahnhof an der Schulter gepackt und verlangt, dass sie mit ihm mitgehe. Als auch sie weglief, sei er ihr gefolgt.

Ein weiterer Vorfall fand eine Woche später in Gstaad statt. Hier sollen der Beschuldigte und ein weiterer Mann drei Frauen – damals 19, 20 und 27  Jahre alt – hinterhergegangen sein. Die Frauen warfen dem 24-Jährigen laut Anklageschrift vor, dass er sie festgehalten und sie geküsst beziehungsweise dies versucht habe. Er habe sie über den Kleidern an den Brüsten berührt sowie eine der Frauen auch im Intimbereich.

Vorwürfe zurückgewiesen

Vor dem Gericht in Murten wies der Angeklagte, dessen Asylantrag kürzlich ein zweites Mal abgelehnt worden war, alle Vorwürfe von sich. «Ich habe diese Taten nicht begangen», übersetzte die Dolmetscherin.

Die Befragung des Angeklagten durch den Gerichtspräsidenten Peter Stoller war kurz, denn die Vorwürfe waren bereits im Mai Gegenstand einer Verhandlung in Murten gewesen (die FN berichteten). Damals verlangte die Verteidigerin Anne-Sophie Krattinger eine Konfrontationseinvernahme, weshalb der Fall zurück an die Staatsanwaltschaft ging. Laut Peter Stoller hat diese Einvernahme unterdessen stattgefunden, und die Opfer haben ihre Aussagen dort bestätigt.

Krattinger wies in ihrem Plädoyer auf mehrere Unstimmigkeiten und Widersprüche in den Aussagen der Mädchen und Frauen hin. Die Fotos und Videos, auf denen der Angeklagte in Kerzers und Gstaad zu sehen sei, seien kein Beleg für die Taten. Es stehe Aussage gegen Aussage, die Sachverhalte seien umstritten und anhand der Aussagen nur schwer zu erahnen. Gemäss dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» müsse ihr Mandant freigesprochen werden.

Die Staatsanwaltschaft blieb der Verhandlung fern und verlangte in der Anklageschrift eine Busse von 5000 Franken, eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen und einen Landesverweis von zehn Jahren.

Gerichtspräsident Peter Stoller bewertete die Aussagen der Mädchen und Frauen als glaubwürdig. Denn die Taten seien an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten begangen worden. Es gebe keinen Grund dafür, dass die Mädchen vom Bahnhof Kerzers etwas hätten erfinden müssen. Der Angeklagte habe die Taten nicht zugegeben und auch keine Einsicht gezeigt. Er habe ausgesagt, dass er die Frauen von Gstaad nicht kenne. Doch ein Video zeige, wie er auf die Frauen zugeht.b

Neben der bedingten Geldstrafe und der Busse müsse er einen Landesverweis aussprechen, so der Gerichtspräsident; denn sexuelle Handlungen mit Kindern sind eine Katalogtat. Ein Weiterzug des Urteils ist möglich.