Murten 15.11.2019

Murtner Hilfe für Familien in Peru

Seit über 20 Jahren engagieren sich die reformierte und die katholische Kirche in Murten für ein Hilfsprojekt in Peru. Pfarrer Thomas Perler hat sich kürzlich vor Ort von den Fortschritten des Projekts überzeugt.

Seit 23 Jahren unterstützen die katholische Pfarrei und die reformierte Kirchgemeinde Murten ein Hilfsprojekt in der Stadt Puno in Peru. Eine Pastoralassistentin, die diese Gegend besucht hatte, gab damals den Impuls. Sie war dort in Kontakt mit dem Ehepaar Rodriguez aus Peru gekommen, das vor Ort in einem Stadtviertel von Puno ein Gesundheitszentrum aufbauen wollte und dazu Hilfe brauchte.

Die ökumenische Projektgruppe Nord-Süd Murten fing deshalb an, Geld zu sammeln, dies mit verschiedenen Anlässen, durch Kollekten, Spenden oder auch an Spezialanlässen. So konnten jährlich rund 10 000 Franken für das Projekt eingesetzt werden.

Am kommenden Sonntag findet wiederum ein ökumenischer Peru-Gottesdienst statt, dieses Mal in der katholischen Kirche Murten. Die Feier wird von den Schülerinnen und Schülern der 7H-Klassen mitgestaltet wie auch von peruanischen Musikern. Im Anschluss gibt es einen Verkauf von Produkten zugunsten des Hilfsprojekts.

Geld fliesst direkt ins Projekt

Mit dem Geld aus Europa erhielten Frauen und Mütter im Gesundheitszentrum Huayna Pucara Unterricht in Hygiene, Erster Hilfe und im Kochen. «Nach dem Gesundheitszen­trum entstand ein Kindergarten», erzählt Thomas Perler. Er trägt das Projekt mit, seit er 2001 Pfarrer in Murten geworden ist und pflegt regelmässige Kontakte zum Ehepaar Rodriguez in Peru. In den letzten Jahren hat er sich mehrfach vor Ort von den Fortschritten des Projekts überzeugt.

Vor kurzem weilte Thomas Perler wieder in Puno. «Wir haben keine Verwaltungskosten», sagt er. Das gesammelte Geld fliesse ohne Umwege in das Projekt, und Mauricio Rodriguez, der Jurist ist, lege eine genaue Abrechnung der Gelder mit Verwendungszweck vor. Das Gesundheitszentrum wurde durch einen Brunnen und eine Pumpe mit sauberem Grundwasser versorgt. Es entstanden zwei Duschen, die mit Solarstrom beheizt werden, sowie Toiletten. Konkret für dieses Projekt hat sich die Murtner Gruppe eingesetzt.

Mit der Hilfe aus Europa sind Schüler mit Computern ausgestattet worden. Unterstützung erhielten auch Kindergärten in den umliegenden Bergdörfern. «Es sind einfache Leute», sagt Thomas Perler». Die Bevölkerung im Hochland lebt von und mit der Natur. Es gibt nur zwei Jahreszeiten: Von Mai bis Oktober Trockenheit und vom November bis April Regenzeit. Wo der Boden gut ist, werden Kartoffeln, Quinoa und Gerste gepflanzt. Die Viehzüchter haben Schafe, Alpakas und Lamas und produzieren Schaf- und Alpaka-Wolle.

Ein Dach für das Gewächshaus

Weil es kaum Gemüse und Salat gibt, entstand im Rahmen des Hilfsprojekts ein Gewächshaus von 8 mal 40 Metern. «Anfangs war es nur mit Plastik bedeckt», erklärt Thomas Perler. Weil das Dach Wind und Wetter nicht standhielt, soll es nun durch ein stabileres Polykarbondach ersetzt werden.

Anreize für die Jugend

Um der jungen Generation bessere Zukunftschancen zu verschaffen, hat Mauricio Rodriguez an den Orientierungsschulen die Berufsfindung verbessert. Ebenfalls zur Verbesserung der Bildung trägt ein Regionalradio bei, das er gegründet hat. Es sendet 16 Stunden am Tag in den drei Landessprachen Spanisch, Quechua und Aymara. «Das Radio soll die Leute, vor allem die Jugendlichen, dazu bewegen, selber für eine bessere Zukunft zu wirken.»

Neue Kraft

Denn das sei die Philosophie des Projekts, erklärt Thomas Perler: «Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe und geben Anreize, etwas aufzubauen.» Als Beispiel nennt er einen Kurs, in dem den Leuten gezeigt wird, wie sie aus der Milch ihrer Tiere Joghurt herstellen können. Mit dem Verkauf dieser Produkte verbessere sich die Lebenssituation der Menschen. Nicht umsonst heisst das Gesundheitszentrum «Huayna Pucara», was so viel wie neue Kraft bedeutet.

Kath. Kirche, Murten, So., 17. November, 10.30 Uhr.