Murten/Courgevaux 26.02.2020

Präziseres Licht für Sportplätze

Tom Zimmermann (1. v. l.), Ralf Stucki (5. v. l.) und weitere Aktionäre des Start-ups bereiten die Produktionsräume in Courgevaux vor.
Mit neu entwickelten LED-Scheinwerfern will ein Murtner Start-up die Lichtverschmutzung reduzieren und Strom sparen. Die Produktionsräume von Swiss Precision Lighting befinden sich in Courgevaux.

«Die Scheinwerfer auf Sportplätzen leuchten nicht nur das Spielfeld aus. Sie erhellen indirekt auch die Umgebung, was die Nachbarn und die Tiere stört», sagt Ralf Stucki. Er will dieser Lichtverschmutzung entgegenwirken und hat mit Harald Pier, Tom Zimmermann und Chris­tine Leuenberger das Murtner Start-up Swiss Precision Ligh­ting AG gegründet. Sie möchten ein LED-Beleuchtungssystem auf den Markt bringen, das so präzise strahlt, dass nur das Sportfeld erhellt ist. Die Flächen um das Sportfeld herum bleiben im Dunkeln.

Der neu entwickelte Scheinwerfer – bisher noch ein Prototyp – sei modular aufgebaut, erklärt Geschäftsführer Ralf Stucki den FN. «Die Hülle ist immer dieselbe. Aber abhängig vom Sportplatz und dem Lichtbedarf setzen wir eine unterschiedliche Menge an LED-Modulen in die Lampe ein. Das funktioniert ähnlich wie Lego: Mit denselben Steinen können unterschiedliche Sachen gebaut werden.» Über die technischen Details möchte Stucki wegen des noch laufenden Patentierungsverfahrens noch nichts verraten.

Verbindung zum Seebezirk

Die Schweinwerfer würden nur auf Bestellung produziert, sagt Stucki. Deshalb seien die Lampen aktuell noch etwa zehn Prozent teurer als die serienmässig hergestellten Produkte anderer Hersteller. Der Stromverbrauch betrage pro Kandelaber nur 0,98 Kilowatt, während herkömmliche Produkte vier Kilowatt verbrauchen würden.

Ein Scheinwerfer-Prototyp ist bereits auf einem Mast in Cressier getestet worden. Die nächste Etappe – ein Fussballfeld ausschliesslich mit den neu entwickelten Scheinwerfern zu beleuchten – soll bis Ende März in Cressier umgesetzt werden. «Das ist unser Testort, wo wir unsere Technik erstmals als Ganzes unter Beweis stellen wollen», so der Geschäftsführer.

Derzeit sind die Büros von Swiss Precision Lighting in den Räumen von Fri Up an der Murtner Freiburgstrasse beheimatet. «Fri Up ist mit seinem Netzwerk unser Türöffner für die kantonale Wirtschaft», sagt der Geschäftsführer. «Zudem erhalten wir dort ein fundiertes Coaching und können Bürofläche zu einem vernünftigen Preis mieten.» Fri Up habe auch die Produktionsräume in Courgevaux vermittelt, die Swiss Precision Lighting jetzt nutzt. 400 Quadratmeter hat das Start-up in einem Gebäude neben der Phonak angemietet, wo es langfristig bleiben möchte. «Für die Zukunft erwarten wir, dass wir mehr Platz benötigen werden», so Stucki. Eine Expansion sei an diesem Standort recht einfach, weil Phonak bald nach Murten ziehen werde.

Die enge Verbindung von Swiss Precision Lighting zur Region Murten ist laut Stucki durch die Mitgründer Harald Pier und Tom Zimmermann entstanden. Pier hat das LED-Modul für die Lampen entwickelt und führt in Cressier das Unternehmen Cenogent, das in den Bereichen Lichttechnik und Beratung aktiv ist. Zimmermann ist im Start-up für den Bereich der Elektrotechnik zuständig und ist ebenfalls Geschäftsführer des Unternehmens Atesco, das in Faoug LED-Lichtlösungen plant und entwickelt.

Den Gründern sei es wichtig, in Zukunft alle Bestandteile der Lampe in der Schweiz herstellen zu lassen. «Ganz ist uns das noch nicht gelungen», sagt der Geschäftsführer. Beispielsweise hätten sie für die Kühlelemente aus Aluminium noch keinen geeigneten Hersteller in der Schweiz finden können. Zudem strebe das Start-up eine Zertifizierung im Bereich der Kreislaufwirtschaft an.

Angebote abgegeben

Das Startkapital von Swiss Precision Lighting stammt laut Stucki von acht Investoren aus Murten und Umgebung. Zudem wurde das Unternehmen durch die Stiftung Seed Capital Freiburg unterstützt, welche innovative Freiburger Unternehmen in der Anfangsphase zur Seite steht.

Als Nächstes will das Start-up weitere Standorte akquirieren, um seine Aktivitäten auszubauen. Deshalb habe es Angebote für die Beleuchtung von diversen Sportplätzen abgegeben, zum Beispiel in Freiburg im Grabensaal und in Bern im Neufeld, so Stucki.

Zahlen und Fakten

20 Sportplätze bis Ende Jahr ausrüsten

Swiss Precision Lighting hat laut Geschäftsführer Ralf Stucki derzeit rund fünf Vollzeitstellen. In drei bis vier Jahren möchte das Unternehmen bis zu 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, unter anderem in den Bereichen Produktion, Entwicklung, Buchhaltung und Sekretariat. Bis Ende dieses Jahres will das Start-up 20 Sportplätze mit dem neu entwickelten LED-Beleuchtungssystem ausrüsten und diese Zahl jährlich steigern. Die Scheinwerfer seien in der Anschaffung aktuell zehn Prozent teurer als herkömmliche Lampen, verbrauchten jedoch 75 Prozent weniger Energie, was die Stromkosten für die Sportplatzbetreiber senke.