Murten 10.01.2019

Prinz rettet Prinzessin – hoffentlich

Anthony Zaugg (l.) hatte am meisten Spass beim Zeichnen und Animieren der Figuren und Objekte.
In der Arteplage «Buzzer Quest» hängt es von den Entscheidungen der Besucherinnen und Besucher des Murtner Lichtfestivals ab, ob der Prinz seine entführte Prinzessin wieder in die Arme schliessen kann.

Der Schrecken ist gross: Ein Drache verschleppt eine Prinzessin in seine dunkle Höhle. Der Prinz will sie retten und erhält dafür von einem Magier einen Zauberstab. Mit diesem kann er sich Gegenstände herbeizaubern, die ihm auf seinem Weg zur Drachenhöhle helfen. Ob er diesen Weg meistert und die Prinzessin zurück in die Burg bringen kann, liegt in den Händen der Besucherinnen und Besucher des Murtner Lichtfestivals. In der Arteplage «Buzzer Quest», die im Museum Murten zu sehen sein wird, bekommen sie immer wieder zwei Gegenstände vorgeschlagen, die der Prinz herbeizaubern kann. Mittels eines schwarzen und eines roten Buzzers entscheiden sich die Besucher für eine der beiden Optionen.

«Nicht jede Wahl bringt den Prinzen automatisch näher zur Höhle. Es kann auch sein, dass er sich wieder zurück Richtung Burg bewegt», sagt Jérôme ­Nyf­feler von Bureautique Multi­media des Préalpes (BMP) in Villars-sur-Glâne, das die Arteplage entwickelt hat. BMP ist eine geschützte Produk­tions­werkstätte für Erwachsene mit einer leichten oder schweren körperlichen Behinderung und gehört dem Verein St-Camille. «Wir wollten eine interaktive Arteplage entwickeln, die mit wenig Material funktioniert», sagt Nyffeler. So bestehe «Buzzer Quest» aus drei Projektoren, einem Computer und zwei Buzzern. Dennoch ist die Arteplage anspruchsvoll: Das Geschehen spielt sich auf drei Wänden in einem Raum des Murtner Museums ab und bezieht Ausstellungsstücke in die Handlung mit ein.

«Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätte haben, begleitet von vier sozio-professionellen Betreuerinnen und Betreuern, die Idee entwickelt, die Figuren und Objekte gezeichnet sowie alles animiert. Jeder hat abhängig von seinen Fähigkeiten zum Projekt beigetragen», sagt ­Nyf­feler.

Zweites Mal am Festival

«Mir hat das Animieren und Zeichnen am meisten Spass gemacht», sagt Anthony Zaugg den FN. Jedoch sei es schon etwas her, dass er Animationen erstellt habe. «Deshalb war es nicht so einfach, mit dem Computerprogramm wieder zurechtzukommen.» Für den 28-Jährigen, der nur die Finger bewegen kann, ist die Mitarbeit an der Arteplage keine Premiere. Er war bereits bei der Ausgabe 2018 des Lichtfestivals mit dabei. Damals zeigte die Werkstätte BMP in den Hausfenstern gegenüber der Deutschen Kirche mehrere animierte Videos zum Thema Energieverbrauch um 1900, 1970 und in der Zukunft im Jahr 2030. Zaugg half auch 2014 bei der Projektion auf das Schloss ­Illens mit. Die Projektion wurde vor Ort untermalt mit dem Gesang eines Chors und mittelalterlicher Musik.

«Bei den Projektionen handelt es sich um grössere Projekte, an denen wir über einen längeren Zeitraum arbeiten», sagt Nyffeler. Diese beschäftigten die Mitarbeiter der Werkstätte, wenn es etwas weniger Aufträge gebe. Unter anderem übernimmt BMP für Vereinigungen und Privatleute Druckaufträge, layoutet Broschüren, digitalisiert Filmrollen und Dias und erstellt Websites.

«Wir wollten eine interaktive Arteplage entwickeln, die mit wenig Material funktioniert.»

Jérôme Nyffeler

Verantwortlicher der Arteplage

Zahlen und Fakten

In 6 Tagen startet das Lichtfestival

Vom 16. bis am 27. Januar findet zum vierten Mal das Murtner Lichtfestival statt. Beginn ist jeweils um 18  Uhr. Die über 20  Arteplages werden bis 22  Uhr vorgeführt. Der Eintritt kostet pro Abend fünf Franken, für Kinder bis 16  Jahre ist das Lichtfestival gratis. Wer mehrmals kommen will, kann für 15  Franken einen Festivalpass erwerben. Der Besuch des Spektakels «Poesie» in der Deutschen Kirche kostet für Erwachsene zusätzlich zehn Franken.

jmw