Gurmels 12.06.2018

Seit 125 Jahren in Gurmels verankert

Mitten in Gurmels gelegen, wartet das Hospiz St. Peter auch mit einem kleinen Park auf. Links im Bild zu sehen ist der moderne Zimmertrakt von 2002.
Das Hospiz St. Peter in Gurmels feiert sein 125-Jahr-Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür und einer Senioren-Olympiade. Das Altersheim ist eigenständig und inzwischen ein Unikat: Es gibt sonst nur noch Pflegeheime im Kanton Freiburg.

«Das Altersheim gehört zu Gurmels und wird von der Bevölkerung getragen», sagt Yvonne Stempfel, Verwalterin des Hospizes St. Peter in Gurmels. Deshalb soll das 125-Jahr-Jubiläum des Altersheims am Samstag mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden, «damit alle daran teilhaben können». Zudem organisiert das Hospiz eine Senioren-Olympiade mit Rollator-Rennen und Büchsen-Spielen.

«Alle Pflegeheime aus dem Seebezirk sind eingeladen, mit aktiven Bewohnern daran teilzunehmen.» Voraussichtlich sind am 6. Juli rund 60  Seniorinnen und Senioren am Start (siehe Kasten). Auch das Heimfest Ende August stehe unter dem Zeichen des Jubiläums, sagt Stempfel voller Vorfreude, «um die 125 Jahre gebührend zu feiern».

«Wie eine Grossfamilie»

«Wir sind das einzige Heim im Kanton, das noch ein Altersheim im traditionellen Sinn ist», erklärt Stempfel. Mit der neuen Gesetzgebung gibt es nur noch Pflegeheime, die mit dem Bedarfsabklärungsinstrument «RAI-NH» abrechnen. «Das wollten wir nicht, der administrative Aufwand wäre zu gross und für unsere heutige Struktur finanziell nicht tragbar.

Deshalb haben wir vor zwei Jahren intensiv nach einer anderen Lösung gesucht.» Das ist gelungen: Das Hospiz St. Peter ist eine eigenständige Organisation. «Die Finanzierung läuft über die Ergänzungsleistungen der Bewohner, «also wie wenn sie in einer Wohnung leben würden», erklärt Stempfel. «Wir funktionieren also quasi wie eine Grossfamilie.» Oder wie eine Alterswohngemeinschaft, fügt Stempfel hinzu, «es ist eine Zwischenstufe».

Das Hospiz sei nach kantonalem Gesetz keine Institution des Gesundheitswesens und somit nicht bewilligungspflichtig, sagt Stempfel. «Wir haben so mehr Zeit für unsere Bewohnerinnen und Bewohner, weil wir ohne das Tarifsystem keinen so grossen administrativen Aufwand haben». Das Hospiz sei zwar wie ein Pflegeheim eingerichtet, «wir haben jedoch keine anerkannten Pflegebetten».

Stempfel ist überzeugt davon, dass es diese Zwischenstruktur braucht: «Wir bieten ein familiäres Zuhause für rund 43 ältere Menschen, die zwar nicht mehr alleine leben können, aber auch nicht in ein Pflegeheim gehören». Natürlich würden die Bewohner mit der Zeit pflegebedürftig, «und wir sagen ihnen auch, dass sie ihr neues Zuhause nicht noch einmal wechseln müssen».

Bei sehr schwierigen Pflegefällen könne das Hospiz auf die Spitex zurückgreifen. «Wir begleiten und betreuen unsere Bewohner auch in den letzten Tagen ihres Lebens», ergänzt Stempfel.

Für diese Struktur hätten sie kämpfen müssen: «Wir haben uns vor zwei Jahren intensiv dafür eingesetzt, dass wir wie bisher weiterfahren können und dass die Finanzierung gesichert ist». Das Gesundheitsnetz See trage seit 2016 mit sieben Franken pro Tag und Bewohner etwas an die Infrastrukturkosten bei, «das Angebot und das Bedürfnis einer solchen ‹leichteren› Struktur wurde anerkannt».

Seit der Gründung des Hauses hätten auch ältere Menschen aus dem Sensebezirk in Gurmels ein Zuhause gefunden. «So beteiligt sich neu auch das Gesundheitsnetz Sense an den Kosten, jedoch nicht pauschal wie im Seebezirk, sondern nur jene Gemeinden bezahlen sieben Franken, aus denen ein Bewohner stammt.»

Der Aufenthalt im Hospiz koste pro Tag rund 140 Franken. Darin enthalten seien die Kosten für Miete, Pension, Betreuung und Reinigung. Die Betreuung ist Tag und Nacht gewährleistet. Die Rechnung gehe auf, sagt Stempfel. Nicht zuletzt auch deshalb, weil im Hospiz weniger diplomierte Fachpersonen angestellt seien als in Pflegeheimen.

«Wichtig für uns ist, dass unsere Mitarbeitenden die Feinfühligkeit haben, mit älteren Menschen umzugehen, und auch die nötige Zeit dafür zur Verfügung haben.» Das Menschliche dürfe nicht verloren gehen, betont Stempfel.

41 Angestellte zähle das Hospiz, «es sind rund 22 Vollzeitstellen.» Der Hospiz-Leitung liege daran, auch Ausbildungsplätze anzubieten: «Bei uns kann man die Lehre zur Fachperson Hauswirtschaft und die Lehre zur Fachperson Betreuung absolvieren.»

Programm

Ein grosses Fest und eine Olympiade

Die offizielle Jubiläumsfeier des Hospizes St. Peter in Gurmels mit Behördenvertretern und geladenen Gästen findet am Freitag um 17 Uhr statt. Tags darauf sind alle Interessierten dazu eingeladen, einen Blick in das Altersheim zu werfen: Am Samstag steht ein Tag der offenen Tür für die Bevölkerung auf dem Programm.

Am 6. Juli geht es sportlich zu und her: In der Gurmelser Mehrzweckhalle Tribüne organisiert das Hospiz eine Senioren-Olympiade mit Rollator-Rennen und vielen weiteren Spielen. Daran dürfen sich alle Pflegeheime des Seebezirks mit je zehn Seniorinnen und Senioren beteiligen. Auch das traditionelle Heimfest des Hospizes St. Peter am 25. August steht ganz im Zeichen des Jubiläums und wartet für einmal mit einem besonderen Unterhaltungsprogramm auf.

emu

 

Projekt

Rückhalt aus der Bevölkerung für Alterswohnungen

Die Stiftung Hospiz St. Peter möchte in Gurmels Alterswohnungen realisieren: Zwei Wohnblöcke mit 13  Zweieinhalb- und 15 Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen sollen gemäss dem auf elf Millionen Franken veranschlagten Bauprojekt auf dem Land hinter der Pfarrschür entstehen. Der Gemeinderat und die Bevölkerung unterstützen dieses Projekt, wie sich an der Gemeindeversammlung im Mai zeigte: Gurmels finanziert der Stiftung den Kauf des Baulandes. Es kostet 460 000 Franken. Heute befindet sich das Land im Besitz der Pfarrei Gurmels. Zudem stimmte die Versammlung einem Antrag des Alt-Syndics Alfons Blanc zu, eine weitergehende finanzielle Unterstützung zu prüfen.

emu