Murten 07.11.2018

SP See läutet ihr 100-Jahr-Jubiläum ein

1.-Mai-Feier von 1992 in Murten als Kundgebung für Frauenrechte. Festrednerin war die damalige Staatsrätin Ruth Lüthi.
Es war 1919, als sich rund 40 Männer im Café de la Poste in Murten trafen und die Ortspartei SP Murten gründeten. Damit begann die Geschichte der SP im Seebezirk. Gestern hat die Bezirkspartei ihre zweisprachige Jubiläumsbroschüre vorgestellt.

«Aus den Archiven geht hervor, dass die SP Murten im Café de la Poste gegründet wurde. Das war sehr wahrscheinlich hier», sagte Chantal Müller, Präsidentin der SP See, gestern im Saal der Confiserie Monnier an der Hauptgasse in Murten. Die SP See hat gestern ihre Jubiläumsbroschüre zu den 100 Jahren SP im Seebezirk an einer Medienkonferenz vorgestellt und über das Jubiläumsprogramm 2019 informiert (siehe Kasten).

Eine turbulente Zeit

Die Gründung der Sozialdemokratischen Partei SP Murten am 28. Juli 1919 erfolgte acht­einhalb Monate nach dem Landesstreik vom 12. bis zum 15. November 1918. «An der Gründungsversammlung waren rund 40 Männer anwesend», sagte Chantal Müller. «Die frühe Geschichte der SP im Seebezirk ist von Männern geprägt.» Es waren damals auch die Jahre des Entstehens der 3. Internationale in Folge der Oktober-Revolution in Russland, aus der die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken entstand, wie Alain Grandjean, Autor der Jubiläumsbroschüre, erklärte. Das Thema sei für die SP Murten gerade in den ersten Monaten ihres Bestehens brennend gewesen: Die SP Schweiz führte im Spätsommer 1919 die erste Urabstimmung ihrer Geschichte durch, um die Mitglieder über die Frage eines Beitritts der Partei zur 3. Internationalen, also zum Modell des kommunistischen Rätesystems, entscheiden zu lassen. Bei dieser Abstimmung habe sich die junge Sektion Murten vom sowjetischen Weltbild keineswegs angetan gezeigt: «Sie verwarf den Beitritt mit 43 Nein- gegen 2 Ja-Stimmen», sagte Alain Grandjean. Murten gehörte dadurch zur Mehrheit: Gesamtschweizerisch lag die Ablehnung bei 62 Prozent.

Wahlen drei Mal verschoben

Nach dem Krieg bildete das Fehlen der Ernährungssicherheit den Hintergrund zum politischen Leben. Auf Gemeindeebene sei in Freiburg auch ein Demokratiedefizit zu bewältigen gewesen: «In den Kriegsjahren waren die 1915 fälligen Gemeindewahlen dreimal hintereinander verschoben worden», sagte Grandjean. Der Staatsrat habe den Schritt damals damit begründet, dass die Wahlbeteiligung ernsthaft beeinträchtigt sein würde, weil «ein bedeutender Bruchteil der Wählerschaft zurzeit unter den Fahnen steht», wie laut Grandjean im Archiv nachzulesen ist.

Erst im März 1918 wurden wieder Gemeindewahlen durchgeführt. Doch in Murten fehlte bei der SP die Struktur, um an diesen Wahlen teilzunehmen, und so ging die sozialdemokratische Linke leer aus. Nach der Gründung der SP Murten 1919 brachte es die SP bei den Wahlen vom März 2022 auf Anhieb auf zwei Gemeinderats- und zehn Generalratssitze. Die ersten beiden SP-Gemeinderäte waren Alfred Kohly, Postbeamter, und Fritz Kohler, Schriftsetzer. Der Murtner Gemeinderat bestand so neu aus fünf Freisinnigen, zwei Sozialisten und zwei Konservativen.

Die Geschichte der Partei lasse sich aufgrund der im Murtner Stadtarchiv aufbewahrten Protokollbücher lückenlos verfolgen, sagte der Autor der Broschüre, Alain Grandjean. Das bestätigte der Murtner Stadtarchivar, Markus Rubli, an der Medienkonferenz. Leider sei das von keiner anderen Partei der Fall.

In der Jubiläumsbroschüre hat Alain Grandjean die SP-Gemeinderäte des Seebezirks seit 1969 aufgelistet: «Wir hoffen, dass sich die Leser an Namen erinnern können.» Auf einer SP-Liste Einzug in den Gemeinderat fand die Partei demnach in Galmiz, Gurmels, Wallenried, Gurwolf, Bas-Vully, Kerzers und Murten. 2000 gründeten die vier Ortsparteien Murten, Kerzers, Muntelier-Vully und Haut-Lac die SP See.

Die Rolle der Frauen hat sich in den 100 Jahren stark gewandelt: «Wir setzen uns heute erfolgreich für paritätische Vertretungen in Gremien ein», sagte die Murtner Vize-Stadtpräsidentin Ursula Schneider Schüttel. Laut Jubiläumsbroschüre war die Hebamme Marie-Theres Zbinden 1994 die erste SP-Murten-Präsidentin.

Programm

Festakt und Einblicke

Die SP See wird ihr Jubiläumsjahr heute an ihrem Stand am Martinsmarkt in Murten lancieren. Am 1. Mai 2019 ist ein historischer Spaziergang in Murten geplant, bei dem Interessierte mehr zur Geschichte der SP Murten an den Orten des Geschehens erfahren können. Am 5. Juni sowie am 16. September organisiert die SP See zum Jubiläum Einblicke in die Parlamentssession in Bern. Empfang und Erläuterungen erfolgen durch die Murtner SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel. Am Sonntag, 28. Juli, findet der Festanlass zum Gründungstag der SP Murten statt. Es sind ein offizieller Festakt mit anschliessendem Apéro sowie einer Filmvorführung im Rahmen des öffentlichen Openair-Kino-Programms vorgesehen.

emu