Mont-Vully 13.03.2019

Terroir Fribourg feiert 20-Jahr-Jubiläum

Die Gäste der Vereinigung Terroir Fribourg konnten gestern in Praz die Abfüllanlage von Winzer Jean-Daniel Chervet besichtigen.
Seit 20 Jahren setzt sich die Vereinigung Terroir Fribourg für den Verkauf von einheimischen Produkten ein, und dies mit einem bemerkenswerten Erfolg. Die Vereinigung blickt aber vor allem in die Zukunft, wie gestern in Praz betont wurde.

«Herkunft hat Zukunft.» Mit diesem Slogan will Terroir Fribourg die nächsten Jahre anpacken, wie Pierre-Alain Bapst, Direktor der Vereinigung, gestern an einer Pressekonferenz im Hotel-Restaurant Bel-Air in Praz am Murtensee ausführte, einem Restaurant, das sich als eines von 30 Restaurants des Kantons in einer Charta verpflichtet hat, nur regionale Produkte anzubieten.

Eine Erfolgsgeschichte

Daniel Blanc, Präsident von Terroir Freiburg, hielt einen Rückblick auf die vergangenen 20  Jahre. Er würdigte dabei Francis Maillard und Jean-Nicolas Philipona, welche im Jahr 1999 als Pioniere und Visionäre das Bedürfnis erkannten, mit einer Vereinigung die einheimischen Produkte zu fördern. Und das ist unter anderem auch mit dem AOC-Label (Appellation d’Origine Contrôlée oder kontrollierte Herkunftsbezeichnung) möglich. So erhielt der Greyerzer Käse schon zwei Jahre später dieses Label vom Bundesamt für Landwirtschaft (vgl. Box). Zwei Jahre später nahm die Vereinigung erstmals an der internationalen Landwirtschaftsmesse in Paris teil, wo vor allem das Fondue «moitié-moitié» gefördert wurde. Und im diesem Jahr jährt sich die Teilnahme zum 16.  Mal. Im Jahr 2006 erhielt auch der Vacherin Fribourgeois das AOC-Label, das strenge Kriterien bezüglich Tradition, Herkunft und handwerklicher Produktion kennt.

Die traditionelle Kilbi

Eine wichtige Rolle spielt im Leben der Freiburgerinnen und Freiburger laut Blanc auch die Kilbi oder eben die «Bénichon». So wurde erstmals im Jahre 2013 eine «Bénichon du Pays de Fribourg» durchgeführt. In diesem Jahr erfolgt bereits die siebte Ausgabe. Und 2015 erhielt Terroir Fribourg das Zertifizierungslabel. Mittlerweile haben auch die Büschelibirne und die Cuchaule das AOP-Label, also neu die Appellation d’Origine Protégée oder geschützte Herkunftsbezeichnung erhalten.

Kein Ausruhen

Natürlich will sich die Vereinigung nicht auf ihren Erfolgen ausruhen, wie Direktor Pierre-Alain Bapst ausführte, sondern in die Zukunft blicken. «Gegenwärtig orientiert sich die Vereinigung an einer Vision und an Aufgaben, die Ende 2017 vom Vorstand der Vereinigung genehmigt wurden.» In diesem Zusammenhang sei der Freiburger Hochschule für Wirtschaft (HSW) der Auftrag erteilt worden, Vorschläge für die künftige Ausrichtung von Terroir Fribourg auszuarbeiten. In einer Klausurtagung hätten sich deshalb ein Dutzend Experten getroffen. Laut Bapst wird im Juni ein Zwischenbericht in die Vernehmlassung gehen. Und der Schlussbericht werde anlässlich der Feier zum 20-Jahr-Jubiläum am 31. Oktober 2019 am Salon Suisse des Goûts et Terroirs in Bulle präsentiert.

Bündelung der Werbung

Laut Bapst eröffnen sich für die Vereinigung verschiedene Perspektiven. Eine davon werde es sein, die Werbung für Freiburger Lebensmittel bei Terroir Fribourg zu bündeln. Wie er ausführte, führen gegenwärtig mehrere Organisatoren Werbemassnahmen für Lebensmittel durch. «Sie sind aber kaum koordiniert», stellte er fest. So sollen Syner­gien genutzt werden, um Doppelspurigkeiten in der Werbung zu vermeiden. Auch soll die Tourismusbranche stärker einbezogen werden. Zudem soll das Zielpublikum besser definiert werden, damit zum Beispiel auch die Jugend zum Konsumieren von Käse animiert werden kann.

Das Gastgewerbe einbeziehen

Laut Pierre-Alain Bapst hat die Vereinigung erkannt, dass nicht alle Akteure der Verteilkette und des Gastgewerbes sämtliche Möglichkeiten kennen, die sich im Hinblick auf die Beschaffung und Verwendung dieser Produkte bieten. «Es ist tatsächlich so, dass ein Teil der Produzenten weder über die Ressourcen noch über das Netzwerk verfügt, die es braucht, damit sie ihre Produkte über die verschiedenen Verteiler absetzen können», betonte Blanc. «Wir möchten deshalb prüfen, ob es möglich ist, einen Werbe­beauftragten einzusetzen, der die Aufgabe hätte, die freiburgischen Lebensmittel innerhalb und ausserhalb des Kantons Freiburg bekannt zu machen und unter die Leute zu bringen.» Das Ziel sei, den Anteil der einheimischen Lebensmittel in Restaurationsbetrieben zu erhöhen. Aber auch das Label «Zertifiziert Terroir Fribourg» soll besser bekannt werden.

Zahlen und Fakten

Weitere AOP-Labels für Freiburg?

Insgesamt 37 Schweizer Produkte haben bisher das Label AOP-IGP erhalten, darunter vier Freiburger Produkte: der Gruyère, der Vacherin Fribourgeois, die Büschelibirne (Poire à Potzi) und die Cuchaule. Alain Farine, Präsident von Terroir Suisse, und Pierre-Alain Bapst, Direktor von Terroir Fribourg, schlossen nicht aus, dass weitere Freiburger Landwirtschaftsprodukte ein solches Label erhalten, das den Kunden versichert, dass die Herkunft, die Tradition und die handwerkliche Herstellung der Produkte garantiert werden. Und das sei nicht unbedeutend für die Produzenten, könnten sie doch ihre Milch beispielsweise statt für 55 Rappen für 85 Rappen pro Liter verkaufen, also um 50  Prozent höhere Preise erzielen. Chancen auf ein weiteres so wichtigen Label wie AOP haben die Freiburger Produkte Greyerzer Doppelrahm oder der Vully-Kuchen, wie Bapst ausführte. Laut Farine sei es aber wichtig, dass sich die Akteure einig seien, was oft nicht der Fall sei.

az