Courlevon 07.10.2016

Viertklässler und schon Museumsdirektor

Der zehnjährige Leonard Riesen kann zu jedem seiner Sammlungsstücke Auskunft geben.
Leonard Riesen ist zehn Jahre alt und hat in Courlevon ein Eisenbahn- und Sammlermuseum eröffnet. Wer denkt, dass es sich dabei um ein paar Lokomotiven und Güterwagen aus einer Spielzeugkiste handelt, der täuscht sich gewaltig.

Es ist ein veritables Museum und das einzige im Dorf Courlevon: Das Eisenbahn- und Sammlermuseum Courlevon. Der Museums­direktor ist Leonard Riesen. Er ist zehn Jahre alt und besucht die vierte Primarschulklasse in Murten.

Ein Andreaskreuz vor dem Haus weist bereits von Weitem darauf hin, am richtigen Ort angelangt zu sein. «Offen» steht auf einer Tafel mit Kreide geschrieben. Der junge Museumsdirektor öffnet die Tür und lässt die Besucherin eintreten. Das Museum übertrifft die Erwartungen: Wer sich bei dem Museum eines Zehnjährigen eine Anordnung von ein paar guten Stücken aus der Spielzeugkiste vorgestellt hat, der hat sich getäuscht. Die Sammlung von Leonard Riesen füllt einen grosszügigen Raum und ist facettenreich. In Vitrinen gibt es Modellautos und -lastwagen, Dampflokomotiven und Güterwagen verschiedener Grössen und Marken zu bestaunen. «Sie sind nicht zum Spielen», erklärt Leonard Riesen, «dafür sind diese Modelle viel zu heikel.» Die eine Lokomotive sei für die Spur H0, die andere für die Spur N, erklärt der Fachmann. «Zu einem kleineren Teil habe ich die Stücke von meinem Vater übernommen», andere habe er geschenkt erhalten, «die meisten kaufte ich jedoch selber mit meinem Taschengeld». Mit seinen Eltern sei er nicht selten an Flohmärkten in Frankreich, zum Beispiel in Lyon, unterwegs: «Dort finde ich oft etwas für meine Sammlung.»

Der Zehnjährige zeigt auf ein Landschaftsmodell aus Styropor mit Häusern, Bäumen und Schienen: «Das habe ich selber gemacht.» Neben den Vitrinen steht ein Kleiderständer mit Uniformen: «Das ist eine SBB-Uniform, diese ein Kleidungsstück aus Dänemark.» Sein Urgrossvater mütterlicherseits aus Rumänien sei bei der Bahn gewesen. Sonst sei niemand in der Familie auf diese Weise an der Welt der Eisenbahn interessiert wie er. «Ich weiss schon am meisten darüber in meiner Familie.»

Der junge Direktor fährt weiter im Rundgang durch sein Museum: «Dies ist eine funktionierende alte Dampfwalze aus England», erklärt er und zeigt auf das Modell. Beim Aufbau der Regale hätten ihm seine Eltern schon geholfen, «das meiste habe ich jedoch selber gemacht».

Leonard Riesen sammelt auch Hüte: «Hier habe ich eine Melone, einen Tropenhelm, einen Posthut, einen Fischerhut und einen Studentenverbindungshut von 1887 – das ist mein ältester Hut.» Neben den Hüten ist eine Ecke mit Sammlungsstücken des Militärs eingerichtet: «Mich faszinieren die technischen Dinge wie Fernrohre oder die alten Telefone.» Das Telefon habe er von seinem Grossvater erhalten. Viel könne er jeweils auch im Brockenhaus ergattern.

Auch Schiffe gibt es zu sehen: «Dieses Schiff stammt von meinem Grossonkel aus Thun.» Daneben verlaufen Schienen: «Ich werde mit den Schienen einen Kreis bilden, damit die Bahn im Museum herum fahren kann.» Auf den Schienen hat es Kesselwagen für Benzin, Öl oder Milch und Wagen nach dem Rollbocksystem, die es erlauben, Güterwagen einer Normalspur auf Wagen einer Schmalspur aufzuladen.

Die Leidenschaft, sich mit der Modelleisenbahn zu beschäftigen, habe ihn bereits mit drei Jahren gepackt, sagt Leonard Riesen. «Ich habe Stücke aus meiner Kindheit knapp nicht weggeworfen», erzählt Leonards Vater, Jeorge Riesen. «Leonard hat sie entdeckt.» Seine 16-jährige Schwester Linda habe sich nicht dafür interessiert. «Wir sind gerne an Flohmärkten unterwegs, Leonard sucht seine Dinge, wir unsere.» So habe sich die Leidenschaft Leonards innerhalb der Familie entwickeln können, «wobei es schon Leonards Welt ist», betont der Vater. Auch seien sie gemeinsam bereits in verschiedenen solchen Sammlermuseen gewesen.

Zwei seiner Kollegen hätten sein Museum bereits besucht, bei den anderen Klassenkameraden sei das Interesse für seine Sammelstücke nicht vorhanden: «Sie haben andere Hobbys», so Leonard Riesen. Für sein Museum wünsche er sich Besucherinnen und Besucher, die sich für seine Sammlerstücke interessieren.

Und er hat noch einen Wunsch: «Ich hätte gerne einen richtigen alten Feuerwehr-Lastwagen der Marke Mercedes Benz vor dem Haus beim Museums-Eingang.» So dass die Besucherinnen und Besucher einen Blick in dessen Inneres werfen können.

Zahlen und Fakten

Öffnungszeiten und Preis

Murten Tourismus hat das Museum in den Veranstaltungskalender aufgenommen. Es ist am Mittwoch von 14 bis 16 Uhr geöffnet, ausser in den Murtner Schulferien, wobei das Museum in diesen Herbstferien zusätzlich offen ist. Kinder bezahlen drei Franken Eintritt, Erwachsene fünf Franken und Senioren vier Franken.

emu

eisenbahnmuseum.courlevon.ch