Vully 18.09.2019

Vullyaner tun sich zusammen

Im Vully veranstaltet der neue Verein einen Kleidertausch, unterstützt einen lokalen Markt und bringt Generationen zusammen.
Rund 30 Personen haben den Verein «Vully aujourd’hui» gegründet. Sie wollen in der Region die Nachhaltigkeit, den Umweltschutz und das gesellschaftliche Miteinander fördern.

Am Ursprung steht der preisgekrönte französische Dokumentarfilm «Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen» von 2015. Er thematisiert den Klimawandel und die knapper werdenden Ressourcen auf der Erde, aber er zeigt auch Projekte und Initiativen, die dem entgegenwirken wollen. Dies inspirierte mehrere Bewohnerinnen und Bewohner des Vully, ebenfalls ein Projekt auf die Beine zu stellen. Sie gründeten kürzlich anlässlich eines Öko-Festivals auf der Freiburger Seite des Dorfes Mur den Verein «Vully aujourd’hui». Dieser möchte in der Region nachhaltige Projekte entwickeln und unterstützen, den Umweltschutz fördern und das gesellschaftliche Miteinander verstärken, sagt das Mitglied Antonin Lederrey den FN. Laut dem soziokulturellen Animator der reformierten Kirchgemeinde Môtier-Vully folgt der Verein den Prinzipien der Transition-Town-Bewegung (siehe Kasten).

Kleider und Generationen

Arbeitsgruppen seien daran, Anlässe und Projekte vorzubereiten. Lederrey nennt als Beispiel einen Kleidertausch, der am 5. Oktober in Sugiez stattfinden wird. Hier kann man nicht mehr benötigte Kleidungsstücke und Schuhe, die in einem guten Zustand sind, hinbringen und andere Stücke mitnehmen. In naher Zukunft könne sich das zu einem Tauschnetz weiterentwickeln, sagt Lederrey. Dann könnten auch Objekte getauscht werden, zum Beispiel Bohrmaschinen, oder Dienstleistungen.

In Planung sei die Eröffnung eines verpackungsfreien Ladens im Vully. «Dieses Projekt ist gut unterwegs», so Lederrey. Der Markt von Pavy in Sugiez mit lokalen Produkten hatte seine Premiere vor der Gründung von «Vully aujourd’hui» und wird nun von der Gruppe unterstützt.

Die Arbeitsgruppe Abfall habe in der Region Taschenaschenbecher verteilt und veranstalte regelmässig Müllsammelaktionen. Auch generationenübergreifende Treffen will «Vully aujourd’hui» durchführen. Dessen Premiere ist am 2. Oktober in Sugiez.

An der Gründung des Vereins Anfang September waren 30 Personen anwesend, sagt Lederrey. An einem Treffen zuvor, an dem bereits erste Arbeitsgruppen entstanden seien, hätten 60 Personen teilgenommen. 80 hätten bis jetzt den Newsletter des Vereins abonniert. Das zeige, dass viele die Ziele des Vereins unterstützen, auch wenn sie keine aktive Rolle in der Vereinigung übernehmen, so Lederrey.

Die Mitglieder von «Vully aujourd’hui» seien sehr unterschiedlich in puncto Alter, Beruf und sozialer Schicht, sagt Mathilde Ruegsegger, von Beruf Lehrerin. Die meisten seien zwischen 35 und 45 Jahre alt. Kinder und Jugendliche haben im Verein dasselbe Mitwirkungsrecht wie Erwachsene. Die Gruppe habe nicht nur Mitglieder aus dem Vully, sondern auch von Domdidier und Donatyre, so Lederrey. «Diese Personen interessieren sich für unser Vorhaben und bauen später vielleicht etwas Ähnliches in ihrer Region auf.»

Lederrey und Ruegsegger gehören der zehnköpfigen Leitungsgruppe an. Diese hat ähnliche Aufgaben wie ein klassischer Vereinsvorstand. Wahlen gibt es allerdings keine, die Leitungsgruppe steht allen interessierten Vereinsmitgliedern offen. Die Gründerinnen und Gründer von «Vully aujourd’hui» haben sich nämlich für eine flache Hierarchie ausgesprochen.

Infos: www.vully-aujourdhui.ch

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Zahlen und Fakten

Eine Bewegung aus Grossbritannien

«Vully aujourd’hui» orientiert sich an den Zielen und Werten der Transition-Town-Bewegung, übersetzbar als Stadt im Wandel. Sie beschreibt sich auf ihrer Webseite transitionnetwork.org als eine Bewegung von Gemeinschaften, die sich Herausforderungen wie Klimawandel, Verlust der Biodiversität sowie Wirtschafts- und Sozialkrisen mit lokalen Aktionen stellen. 2006 war Totnes in England eine der ersten Transition-Towns. Die dortige Gruppe führte die lokale Währung Totnes Pfund ein, pflanzte Obst, Kräuter und Gemüse im öffentlichen Raum und veranstaltete ein Open Eco Home Weekend, bei der Hausbewohner ihre Energiesparmassnahmen vorstellten.

jmw