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Sehnsucht nach Grösse

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Die neue Philharmonie ist bis auf den letzten Platz besetzt. Nelson Freire, der 71-jährige brasilianische Pianist und enge Freund von Martha Argerich, spielt mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam Beethovens fünftes Klavierkonzert. 2400 Menschen hören zu. Es ist ein unbeschreibliches Glück, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Man hört jedes Pianissimo. Optisch aber wirkt der Saal auf den ersten Blick ziemlich wirr: die asymmetrisch abgerundeten Formen, die Hohlräume hinter den Balkonen, die Kacheln an der Decke, die an Jean Nouvels KKL in Luzern erinnern. Doch alles dient dem Klang.

 Der 318-Millionen-Euro-Bau des Stararchitekten Jean Nouvel im Parc de la Villette nordöstlich von Paris ist ein Wunderwerk der Architektur. Die Fassade besteht aus 340 000 Aluminiumvögeln, die wie Fischschuppen schimmern. Aus der Ferne sieht das Gebäude aus wie ineinandergeschobene Felsplatten. Das Dach ist eine Aussichtsterrasse, von der aus halb Paris zu sehen ist: der Eiffelturm, Sacré Coeur, die Wolkenkratzer von La Défense.

Keine Oase der Klassik

 Doch der Bau spaltet die Geister. Die einen loben, die anderen verschmähen ihn. Der Parc de la Villette nahe dem Immigrantenviertel ist alles andere als eine noble Adresse. Die feinen Restaurants fehlen, dafür gibt es heruntergekommene Bistros. Die Lage sei bewusst gewählt worden, heisst es. Die Philharmonie soll keine Klassikoase werden.

Gemäss «NZZ am Sonntag» dürfen die Betreiber nicht wie ursprünglich geplant 270 klassische Konzerte pro Jahr aufführen, sondern nur 150. Dies, damit auch Platz ist für Rock, Rap und Weltmusik und ein möglichst breites Publikum das Haus besucht. Die Preise werden bewusst tief gehalten. Wo in der Schweiz bekommt man für 60 Euro den besten Platz?

 Gehrys Vuitton-Museum

Ein anderer Prestigebau ist die Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne. Auch sie ist ein Wahrzeichen monumentaler Architektur. Bernard Arnault, zweitreichster Franzose und Hauptaktionär des Luxuslabels Vuitton, finanzierte das private Kunstmuseum mit 500 Millionen Euro. Gebaut hat es wiederum ein Stararchitekt: der 86-jährige Amerikaner Frank Gehry. Ein Bau, der einen ins Staunen versetzt und kaum mehr loslässt. Merkmal sind die zwölf Riesensegel aus Glas, Stahl und Holz, jedes in eine andere Richtung gebläht. Der Name des Gebäudes lautet «Glaswolke». Alle paar Wochen wechselt die Ausstellung.

Monumentale Konstruktion

 Allein wegen der exzentrischen Architektur dieser beiden Bauten lohnt sich die Reise nach Paris. Doch da ist auch noch das neue Einkaufszentrum «Forum Les Halles» im alten Marktviertel, das der französische Schriftsteller Emile Zola einst als «Bauch von Paris» beschrieb. In den Siebzigerjahren wurde das Zentrum gebaut und hatte in den letzten Jahren einen zweifelhaften Ruf. Arbeitslose und Drogendealer rückten aus der Banlieue an. Der Bahnhof Châtelet mit rund 800 000 Pendlern pro Tag–er gilt als grösster ÖV-Knotenpunkt Europas–macht das Forum zum Einfallstor der Stadt.

 Kürzlich wurde die monumentale Konstruktion, die aussieht wie zwei Baguettehälften mit einer Scheibe Käse, neu eröffnet. Ein immenses Glasdach liegt über dem Forum, das grösser ist als zwei Fussballfelder. Die Pariser haben zehn Jahre daran gebaut und eine Milliarde Euro investiert. 

Präsenz markieren auch die Basler Architekten Herzog & de Meuron: Der pyramidenförmige Wolkenkratzer «Tour Triangle» am Messegelände bei der Porte de Versailles soll wie der 300 Meter hohe Eiffelturm zu einem Wahrzeichen werden. Mit 180 Metern und 43 Etagen wird das 500 Millionen Euro teure Hochhaus eines der höchsten Gebäude der Stadt sein.

Die Folgen der Attentate

An all dem hätte Kaiser Napoleon seine helle Freude gehabt. War es doch sein Wunsch, dass Paris punkto Schönheit London und St. Petersburg in den Schatten stelle. Doch bezüglich Hochhäuser war Paris bis jetzt eingeschränkt. Nachdem der 210 Meter hohe Tour Montparnasse für viele ein Schandfleck war, erliess Paris 1977 ein Gesetz, das Bauten von mehr als 37 Metern Höhe verbietet. Präsident Sarkozy hat das Gesetz allerdings mit Ausnahmebewilligungen aufgeweicht. Will Paris also à tout prix zu seiner alten Grösse zurückkehren? Den Eindruck hat man, doch die Attentate im letzten November, die 130 Todesopfer forderten, haben der Metropole arg zugesetzt. Im Februar war die Stadt leer. Überall Sicherheitskräfte, bewaffnete Polizisten: auf dem Platz Notre Dame, beim Centre Pompidou, beim Louvre. Auch im Panthéon–nach einer umfassenden Renovation seit kurzem wieder offen–wird man wie am Flughafen kontrolliert.

«Die Asiaten fehlen. Ein Grossteil der Flüge aus Asien ist eingestellt worden», sagt ein Hotelangestellter. Die Hotelpreise haben ein nie gekanntes Tief erreicht: Hotelzimmer gab es im Februar mit bis zu 50 Prozent Reduktion.

Doch wie lange wird die Angst vor Terrorismus der Attraktivität von Paris noch schaden? Immerhin hängen rund 500 000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Paris setzt alles daran, um am Ball zu bleiben. Am 10. Juni beginnt hier die Fussball-Europameisterschaft. Das Eröffnungs- und das Endspiel finden in der grössten Sportarena von Frankreich statt, im Stade de France in Saint-Denis bei Paris mit mehr als 81 000 Sitzplätzen. Bereits jetzt sind 12 000 Soldaten und Sicherheitsleute landesweit im Einsatz. Das kostet eine Million Euro pro Tag–und soll bis Ende Juli so bleiben.

Doch mit nur drei Stunden Zugfahrt ab Grenze bleibt Paris ein ideales Ziel, um dem Alltag für einen kurzen Moment zu entfliehen.

Infos: www.philharmoniedeparis.fr; www.fondationslouisvuitton.fr. Aktuelles: «Pariscope», erhältlich am Kiosk.

Die «Glaswolke» im Bois de Boulogne, ein Werk des Stararchitekten Frank Gehry.Im Dienste der Akustik: Im Konzertsaal der Philharmonie scheint alles ein bisschen wirr.

Zahlen und Fakten

Paris, eine Stadt der Superlative

47 MillionenTouristen besuchen die Stadt jedes Jahr.

12,3 MillionenMenschen leben in der französischen Hauptstadt, inklusive der Banlieues. Sie ist damit nach London (13,6 Millionen Einwohner) die zweitgrösste Metropole Europas.

36000Kunstwerke beherbergt der Louvre, das grösste Museum der Welt.

26000Kunstschaffende leben offiziell in Paris.

465Parks und Gärten gibt es–und 37 Brücken.

300Veranstaltungen finden jeden Tag statt.

20Arrondissements zählen zu Paris.il

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