Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Sein Ziel ist nicht ein volles Boot

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Gekonnt holt Jérémie Carrel aus, dann schwingt er seine Fischerrute nach vorne. Im richtigen Moment lässt er die Angelschnur los, damit der Köder möglichst weit über die Wasseroberfläche des Schiffenensees fliegt. Sobald dieser gesunken ist und sich die Angelschnur entspannt, dreht er drei, vier Mal schnell an der Angelrolle, um den Köder an die Oberfläche zu holen. Dann lässt er ihn wieder absinken–und wiederholt das, bis ein Fisch anbeisst oder der Köder wieder beim Boot ist.

«Ich fische immer aktiv», sagt Carrel. «Die Herausforderung besteht darin, die Fische zum Beissen zu bringen.» Nichts hält der 30-Jährige hingegen von Lebendködern, die abgesehen vom Kanton Freiburg in der Schweiz nirgends mehr erlaubt sind. «Einen kleineren Fisch an die Angel zu hängen, ihn zappeln zu lassen und zu warten, bis ein grösserer Fisch anbeisst, hat keinen Reiz für mich», sagt er und betrachtet seinen Köder aus Weichplastik. An diesem Abend ist es ein kleines Fischimitat aus gelbem, durchsichtigem und mit Glitzerelementen durchsetztem Plastik. Für Köder gebe er einiges an Geld aus, sagt Carrel und deutet auf eine Kiste, in der Hunderte der Plastikfische in verschiedensten Farben und Formen liegen. Auf was die Fische Appetit hätten, könne sehr stark variieren–nicht nur bei den verschiedenen Arten, sondern auch von Tag zu Tag und von Ort zu Ort. «Da muss man einfach ausprobieren.» Auch müsse er die Köder regelmässig wechseln, sagt Carrel. Warum, zeigt sich einige Minuten später: Ein Ruck geht durch die Angel, schnell holt Carrel den Haken ein. Statt eines lebendigen Fisches ist daran aber nur ein halber Köder zu finden: Der Fisch hat zu weit hinten gebissen. Dass die andere Hälfte nun im See versinkt, sei nicht schlimm, sagt Carrel. «Mittlerweile sind viele Kleinköder biologisch abbaubar.»

Material anpassen

Damit nicht plötzlich auch Blei und Teile der Angelschnur auf dem Seegrund landen, muss Jérémie Carrel genau wissen, was er fischen will und seine Ausrüstung dementsprechend anpassen. Insgesamt 25 Angelruten besitzt der passionierte Fischer, zehn davon benutzt er regelmässig. Hat er es wie an diesem Abend auf Egli und Zander abgesehen, reichen eine leichte, biegsame Rute und eine Angelschnur, die zwei, drei Kilogramm Last aushält. Einen deutlich widerstandsfähigeren Faden braucht er, will er einen Hecht fangen. «Ein Hecht würde die dünnere Schnur sofort durchbeissen.» Auch die Rute muss dann steifer sein. Und noch robusteres Material ist nötig, wenn Carrel im Meer fischen geht, etwa in Mittelamerika, wo er regelmässig angelt.

«Vernünftiges Fischen»

An diesem warmen Sommerabend ist Jérémie Carrel, der bereits mit drei, vier Jahren mit seinen Eltern zum ersten Mal fischen ging und mittlerweile fast täglich auf dem Wasser anzutreffen ist, nicht der einzige Fischer auf dem Schiffenensee. Sechs weitere Boote sind in der Nähe des Ufers von Pensier zu sehen. «Die Fischpopulation im Schiffenensee ist in den letzten Jahren ziemlich zurückgegangen. Wenn ich einmal Kinder habe, hoffe ich aber, dass diese auch noch hier fischen können.» Damit dies der Fall ist, sei es zum einen nötig, dass der Kanton das Geld aus den Fischereipatenten auch wirklich für den Besatz, das Aussetzen von Jungfischen, zur Erhöhung des Fischbestands, einsetze (siehe Kasten). «Zum anderen braucht es vernünftiges Fischen.»

Ist er auf dem Wasser, geniesse er auch die Natur und komme zur Ruhe, sagt Jérémie Carrel. «Mir geht es nicht darum, am Abend mit einem gefüllten Boot nach Hause zu kommen.» So töte er grundsätzlich nie mehr Fische, als er gelegentlich für das Mittag- oder Abendessen brauche, betont er. Dies sei aber nicht bei allen Fischern so. «Manche wollen auch einfach das Geld, das sie für das Patent ausgegeben haben, wieder einholen.»

Während es in Ländern wie Deutschland oder Frankreich in vielen Seen problemlos möglich ist, Fische zu fangen und wieder freizulassen, gibt es für das sogenannte «Catch and Release» in der Schweiz strengere Bestimmungen. Dies findet Jérémie Carrel schade. «In diesen Ländern hat man begriffen, dass Fischen auch nur ein Hobby sein kann. Und hat der Haken nur die Lippe aufgespiesst, macht dies dem Fisch kaum etwas und er kann gut weiterleben», ist Carrel überzeugt.

Mehr als ein Hobby

Für Jérémie Carrel, der an der Universität Wirtschaft studiert hat und nun zu 60 Prozent bei der Schweizerischen Stiftung für Komplementärmedizin arbeitet, ist das Fischen mehr als ein Hobby. Bereits jetzt bietet er ab und zu geführte Touren an. Dies möchte er in einigen Jahren zu seinem Haupterwerb machen. «Viele Menschen sind auf dem See und haben keine Ahnung, was sich unter ihnen befindet. Ich würde gerne mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben.»

Fischbesatz: Kanton hat Pflicht versäumt

Die Fischer im Kanton Freiburg speisen über Patente und die Wiederbevölkerungstaxe einen Fonds, aus dem 30 Prozent für den Besatz, also das Aussetzen von Jungfischen, verwendet werden müssen. Im April 2015 deckte der Freiburgische Verband der Fischervereine jedoch auf, dass der Kanton in den Jahren 2002 bis 2014 nicht die vorgesehene Summe – 668 000 des gesamthaft einkassierten Betrags von 2,3 Millionen Franken – dafür eingesetzt hat (die FN berichteten). Der Kanton hat das Versäumnis anerkannt und will die Summe nun nachzahlen: 220 000 Franken will er für Revitalisierungsmassnahmen einsetzen, 300 000 Franken sollen dem zusätzlichen Fischbesatz im Greyerzer- und im Schiffenensee zugutekommen, verteilt auf 20 Jahre ab 2016. 150 000 Franken verrechnet der Kanton Freiburg für bereits ausgeführte Arbeiten der Fischereiaufseher. rb

Meistgelesen

Mehr zum Thema