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Seltene Arten werden wieder häufiger

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Seltene Arten werden wieder häufiger

Ökologischer Ausgleich und Vernetzungsprojekte tragen ihre Früchte

Im Kanton Freiburg leisten die Sensler Gemeinden Pionierarbeit im Bereich des ökologischen Ausgleichs in der Landwirtschaft. Von den 19 Gemeinden haben 13 ein Vernetzungsprojekt nach Öko-Qualitätsverordnung gestartet. Erste Erfolge zeichnen sich ab.

Von JACQUES STUDER

Mit der im Jahr 2001 auf Bundesebene eingeführten Öko-Qualitätsverordnung sollen bestimmte Pflanzen und Tiere der Kulturlandschaft, so genannte Ziel- und Leitarten, bewusst gefördert werden. Die Anlage und Bewirtschaftung der ökologischen Ausgleichsflächen richten sich nach den Ansprüchen der jeweiligen Arten. Zu den Ziel- und Leitarten der Sensler Projekte gehören nicht nur bekannte Arten wie zum Beispiel der Feldhase, die Feldlerche, die Zauneidechse oder die Feldgrille, sondern auch seltenere und weniger bekannte Arten wie der Sumpfrohrsänger, die Sumpfschrecke oder der Schachbrettfalter.

Erste Erfolgskontrolle

Der Erfolg der Massnahmen kann an der Zunahme und/oder Ausbreitung der Ziel- und Leitarten gemessen werden. Im Rahmen des Projekts der Gemeinden Düdingen, Schmitten und Tafers hat der Biologe Jérôme Gremaud diesen Sommer eine Erhebung der Schmetterlinge durchgeführt. Es konnten 18 verschiedene Schmetterlingsarten nachgewiesen werden, was einer eher mittleren Vielfalt entspricht. Zum Vergleich wurden im Intyamon (Greyerz) im Rahmen einer etwas ausführlicheren Studie 79 Arten festgestellt. Erfreulich war aber, dass noch gute Bestände des Schachbrettfalters und des Widderchens gefunden wurden, was für das Mittelland nicht selbstverständlich ist. Beide Arten sind auf blumenreiche, magere Wiesen angewiesen. Sie waren hauptsächlich an den Strassen- und Eisenbahnböschungen anzutreffen.

Malven-Dickkopffalter oft übersehen

Weiter stellte sich heraus, dass eine Art von den ökologischen Ausgleichsflächen – vor allem von den Buntbrachen – besonders profitiert hat. Es handelt sich um den Malven-Dickkopffalter. Dieser tagaktive Nachtfalter ist in der Schweiz selten und wird als gefährdet eingestuft. Spezialisten gehen aber davon aus, dass er verbreiteter ist als bisher angenommen und wegen seiner unscheinbaren Erscheinung oft übersehen wird.

Die wenigen bekannten Beobachtungen in der Schweiz stammen aus dem Rhonetal, dem Genferseebecken, dem Tessin und einzelne aus dem Seeland. Für den ganzen Sensebezirk lag nur eine Beobachtung vor. Anlässlich der diesjährigen Erhebungen jedoch konnte der Falter in fast allen untersuchten Buntbrachen nachgewiesen werden. Im Sensebezirk sind zurzeit rund 80 ha Buntbrachen angelegt.

Die meisten Schmetterlinge sind an das Vorkommen von bestimmten Pflanzenarten, die den Raupen als Futterpflanzen dienen, gebunden. Die Raupe des Malven-Dickkopffalters ernährt sich ausschliesslich von Malven, wie es der Name bereits sagt. Der Falter hat mehrere Generationen pro Jahr. Die erste Generation fliegt bereits im März und April. Die Eier werden einzeln auf Malvenblätter gelegt. Vor der Verpuppung verlässt die Raupe die Futterpflanze und baut ein Gehäuse aus Pflanzenteilen und Spinnfäden, worin sie sich verpuppt. Herbstraupen überwintern in einem Gehäuse in der Streuschicht, das aus zusammengesponnenen Pflanzenteilen und Blättern besteht.

Der ideale Lebensraum

Buntbrachen stellen sich als idealen Lebensraum für den Malven-Dickkopffalter heraus. Das reiche Blütenangebot, das aus der verwendeten Mischung mit über dreissig verschiedenen Pflanzen hervorgeht und in dem sowohl die Bisam- als auch die Wilde Malve enthalten sind, liefert Nektar für den Falter und Futter für die Raupe. Und weil Brachen nie oder höchsten alle zwei Jahr zur Hälfte einmal gemäht werden, kann sich der Falter in der Streuschicht über mehrere Generationen entwickeln.

Am Beispiel des Malven-Dickkopffalters und seiner Abhängigkeit von der Buntbrache werden die Grundzüge der Vernetzungsprojekte verdeutlicht. Im Kulturland sollen Blumen und Strukturen gefördert werden. Währenddem die Blumen in der Öffentlichkeit auf viel Sympathie stossen, werden die Strukturen als unordentlich empfunden und stören. Im Sommer erfreut sich der Spaziergänger an der Blumpracht der Buntbrache, im Winter regt er sich ab der Unordnung auf und ist sogar darüber empört, dass es dafür Beiträge gibt.

Blumen und Unordnung

Nur wer die ökologischen Sachverhalte, wie sie am Beispiel des Malven-Dickkopffalters geschildert wurden, versteht, ist in der Lage, diese so genannte Unordnung zu akzeptieren. Sei es nun in der Hecke, im Wald, am Waldrand, auf dem Feld oder im Garten: Altgrasbestände, Totholz, Ast- oder Lesesteinhaufen sind wichtige Bestanteile der natürlichen Lebensräume und für die Förderung der Artenvielfalt unentbehrlich.

Mit etwas mehr Toleranz gegenüber dem Natürlichen, etwas weniger Sauberkeitsfimmel könnte vielen Pflanzen und Tieren geholfen werden. Doch aufgepasst: Ast- und Lesesteinhaufen, Altgrasbestände und andere Kleinstrukturen müssen gezielt angelegt werden und dürfen nicht als wilde Deponien missbraucht werden. Auch Buntbrachen bedürfen Pflege damit unerwünschte Pflanzen nicht aufkommen.

Die Vernetzungsprojekte

Das erste Vernetzungsprojekt des Kantons ist vor zehn Jahren, also mehrere Jahre vor der Einführung der Öko-Qualitätsverordnung, auf Initiative von Pro Natura und in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve gestartet worden. Es umfasste einen 500 ha grossen Perimeter um den Weiler Bäriswil. 1998 haben die Gemeinden Düdingen, Schmitten und Tafers das Projekt übernommen und auf das gesamte Gebiet ihrer Gemeinden erweitert.

Im Jahr 2002 wurde das Projekt der Gemeinde Bösingen gestartet und im 2004, nachdem die Region Sense mehrer Informationsanlässe durchgeführt hatte, haben sich auch die Gemeinden Wünnewil-Flamatt, Überstorf, Heitenried, St. Antoni, Alterswil, Rechthalten, Giffers und Tentlingen für ein Projekt entschieden. Das Vernetzungsprojekt der Gemeinde St. Ursen wurde diesen Frühling beim Kanton zur Genehmigung eingereicht.

An den Projekten beteiligen sich rund 300 Landwirtschaftsbetriebe und mehr als 650 ha ökologische Ausgleichsflächen erfüllen die Vernetzungskriterien. Nebst dem ökologischen Nutzen haben die Projekte auch eine wirtschaftliche Komponente. Pro vernetzte ökologische Ausgleichsfläche wird ein Betrag von 500.- Fr./ha ausgerichtet. Dank den Projekten sind somit im vergangenen Jahr über 300 000 Franken in die Region geflossen. js

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