Bösingen 12.01.2018

Das Potenzial der Wasserkraft

Alpiq bezieht unter anderem Energie von Grande Dixence.
Am Bösinger Neujahrsapéro hat sich der Gastreferent Michael Wider mit der europäischen Energiepolitik befasst. Er tritt für eine starke Position der schweizerischen Wasserkraft ein.

«Fast 60  Prozent der Energieversorgung in der Schweiz werden durch die Wasserkraft gewonnen. Wir sollten stolz darauf sein», sagte Michael Wider am Mittwochabend. Der 56-jährige Düdinger ist Geschäftsleitungsmitglied der Alpiq Holding AG und trat am Neujahrsapéro in Bösingen als Gastreferent auf. Seine Botschaft: Der Wert der Wasserkraftproduktion sollte in der Schweiz bewahrt werden.

Die Energiegewinnung durch Kohle sei heutzutage in Europa lukrativ: Sie sei günstig, und der CO2-Ausstoss werde nur mit sieben Franken pro Tonne gebüsst, erklärte Michael Wider. Der heutige Energiemarkt sei somit für die Wasserkraft wenig vorteilhaft. «Der französische Präsident Emmanuel Macron möchte europaweit 35  Franken pro Tonne für den CO2-Ausstoss einführen. In der Schweiz wäre das Problem damit gelöst.»

Auch im nationalen Strommarkt ist Wider für eine Veränderung. So sei es in der Schweiz nur jenen Konsumenten erlaubt, ihren Stromanbieter selbst auszuwählen, die über 100 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchten. «Kleinkonsumenten sollten diese Wahl ebenfalls haben. Eine Liberalisierung des Strommarktes würde das ermöglichen.»

Bei der Energiewende spiele die Wasserkraft eine wichtige Rolle: Sie sei erneuerbar, CO2-frei und hochflexibel. Der Weg hin zu schadstofffreier Energie könne zwar mit Sonne und Wind erreicht werden, doch hätten diese Energielieferanten Versorgungsprobleme: Sobald die Sonne nicht mehr scheine oder der Wind nicht mehr wehe, werde die Stromproduktion unterbrochen. «Hier kommt die Wasserkraft ins Spiel. Sie ist flexibel und kann auf Abruf innert ein paar Minuten Energie produzieren.» Doch sei dies zurzeit nicht rentabel. Um die künftigen Versorgungslücken zu decken, empfehle er der Schweizer Politik, mit dem Ausland heute schon Verträge für 20 bis 30  Jahre abzuschliessen. Damit würde die Schweiz den Weg zur reinen erneuerbaren Energie absichern.

Politische Teilnahme

Die Schweiz habe ein einzigartiges politisches System, sagte der Bösinger Ammann ­Louis Casali. «Ich möchte Sie alle zusammen auffordern, einen Beitrag zu leisten. Nehmen Sie an einer Abstimmung teil oder auch an einer Gemeindeversammlung.» Die Gesellschaft könne sich nur verbessern, wenn die Bürger mit kleinen Gesten gute Taten vollbringen würden – und nicht mit Angst und Populismus auf neue Herausforderungen antworteten.

Im Herbst sei die Mitte der Legislaturperiode erreicht. «In Bösingen konnten wir viele Projekte umsetzen.» So sei die ausserschulische Betreuung ein Thema gewesen, welches die Gemeinde sehr beschäftigt habe. «Die Umsetzung dieses Projektes war für uns ein Meilenstein.»

«Die Wasserkraft ist flexibel und kann auf Abruf innert ein paar Minuten Energie produzieren.»

Michael Wider

Geschäftsleitungsmitglied der Alpiq Holding AG