Heitenried 06.11.2019

Dem Ururgrossvater auf der Spur

Beat Bürgisser hat intensiv nach seinen Vorfahren geforscht.
Beat Bürgisser hat während acht Jahren einen Stammbaum seiner Familie erstellt, der sieben Generationen zurückreicht und 911 Personen umfasst. Hilfe hatte er dabei unter anderem von einem Computerprogramm. Am Samstag zeigt er seine Erkenntnisse.

Wie viele Stunden er in den letzten acht Jahren im Staatsarchiv verbracht hat, weiss der Heitenrieder Beat Bürgisser nicht. «Die zähle ich besser nicht», sagt er und lacht. Tagelang, ja wochenlang schaute er Mikrofilme der Tauf-, Heirats- und Sterberegister der Pfarreien durch auf der Suche nach Einträgen von Personen namens Bürgisser, die mit ihm verwandt sein könnten.

Die Mühe hat sich gelohnt: Bürgisser konnte einen Stammbaum seiner Familie zusammenstellen, den er am Samstag Interessierten vorstellen wird (siehe Kasten). Der Stammbaum folgt der direkten Linie seines Vaters über sieben Generationen und umfasst 911 Personen. Er geht von Bürgissers Urgrossvater Johann-Phi­lipp Bürgisser, der am 4. August 1835 geboren wurde und am 30. Januar 1910 starb, sowie von dessen Frau Anne Marie geborene Chambettaz, die vom 7. Januar 1839 bis zum 27. Juli 1913 lebte, aus. Das Paar lebte einst im Eichholz bei Giffers.

«Theoretisch sind es sogar neun Generationen», sagt Beat Bürgisser. Denn er hat auch den Vater von Johann-Philipp im Verzeichnis gefunden, Johann Bürgisser, geboren 1802. Auch die Namen von dessen Eltern kennt er, zu ihnen hat er aber keine Geburts- und Todesdaten mehr gefunden.

«Der Anfang war einfach»

Angefangen hatte alles mit einem kleineren Stammbaum, den die Familie der ältesten Tante von Beat Bürgisser angefertigt hatte. «Da habe ich mir gesagt, dass ich das doch auch machen könnte.» 2011 machte er sich an die Arbeit. «Der Anfang war einfach: Ich trug alle meine mir bekannten Verwandten zusammen.» Wo er nicht weiterkam, fragte er die Verwandten nach weiteren Daten. Irgendwann ging es aber auch da nicht mehr weiter.

Also hiess es: ab ins Staatsarchiv. Dieses stellt Ahnenforschern wie Bürgisser einige Hilfen bereit: etwa eine Zusammenstellung der gängigsten lateinischen Wörter und ihrer Übersetzungen sowie Hilfen zum Lesen der alten Handschriften und Jahreszahlen. Die Einträge in den alten Pfarreibüchern sind nämlich alle in Latein und von Hand gemacht worden. «Es gab Pfarrer mit ganz schönen Handschriften, andere haben furchtbar geschrieben», sagt Bürgisser und schmunzelt. «Da musste ich manchmal das Personal des Staatsarchivs um Hilfe bitten.» Die Recherche im Staatsarchiv ist nach vorgängiger Anmeldung gratis, nur die Blattkopien der Mikrofilme kosten.

Auch beim Standesamt und bei den Gemeindeverwaltungen forschte Beat Bürgisser nach. Das war aber aufwendiger. Denn Bürgisser konnte dort nicht selber forschen; die Angestellten taten das für ihn, und das ist nicht gratis. Er betont auch: Bei den Ämtern und im Archiv gibt es nur Informationen zu verstorbenen Personen. Zu noch lebenden gibt es aus Datenschutzgründen keine Auskunft.

Die gesammelten Daten trug Beat Bürgisser auf der Plattform «MyHeritage» ein. Dieses Programm erstellt Stammbäume automatisch, ebenso wie Statistiken und Verzeichnisse. «Das hat mir die Arbeit schon sehr erleichtert», sagt Beat Bürgisser. Vom Programm gibt es auch eine App: Beat Bürgisser zeigt auf seinem Smartphone den ganzen Stammbaum, wobei er einzelne Äste vergrössern kann. «Würde ich den gesamten Stammbaum auf Papier bannen wollen, wäre dieses wohl rund 50 Zentimer breit und 20 Meter lang», schätzt er.

Für die Ausstellung am kommenden Samstag will er das tun. Er hat aber auch ein Buch zusammengestellt mit einem Verzeichnis, verschiedenen Familienstammbäumen und Statistiken. Es ist rund 250 Seiten dick. Via «MyHeritage» hat Bürgisser auch seine DNA testen lassen. Das Ergebnis: Zu 70 Prozent stammt diese aus West- und Mitteleuropa, mit kleinen Teilen aus Skandinavien, dem Balkan, der iberischen Halbinsel und Nordafrika.

Nicht alle gefunden

Trotz der umfassenden Arbeit: Ganz alle Verwandten konnte Bürgisser nicht aufspüren. Bei mehreren Familienzweigen, etwa bei den Weissbaums vom Sense-Oberland oder den Nachfahren von Hans Bürgisser aus Ueberstorf kam er nicht weiter. Eine Schwierigkeit ist auch, dass es in der ganzen Schweiz sehr viele Bürgissers gibt. Die Ursprünge zweier Stämme liegen im Aargau und im Luzernischen, so viel hat Bürgisser herausgefunden. Sie haben auch ein sehr ähnliches Wappen, das eine Burg zeigt, wie die Bürgisser mit Heimatort Giffers. Welche Verbindungen bestehen, hat Beat Bürgisser nicht herausgefunden.

Was er aber weiss: Bereits im 18. Jahrhundert gab es Bürgissers im Sensebezirk. Die Verbindung zu seiner Familie konnte Beat Bürgisser nicht herstellen. Und momentan will er auch nicht weiterforschen. «Je weiter zurück, desto komplizierter und unleserlicher die Akten», sagt er. Und der pensionierte Busfahrer hat mit seinen Enkelkindern und seinem Haus auch sonst genug zu tun.

Zum Anlass

Stammbaum allen Interessierten zeigen

Am kommenden Samstag präsentiert Beat Bürgisser allen Verwandten und Interessierten den Stammbaum seiner Familie. Er umfasst die Familien der Nachkommen von Hans Bürgisser-Götschmann aus Ueberstorf, Arsen Josef Bürgisser-Brügger aus Heitenried, Johann Joseph Bürgisser-Fasel aus Geretach bei Alterswil, Katharina-Adelheid Weissbaum-Bürgisser aus Rechthalten sowie Christoph Bürgisser-Zihlmann aus Oberschrot. Mit dem ehemaligen Oberamtmann Nicolas Bürgisser findet sich auch ein aktueller Grossrat im Stammbaum.

nas

Präsentation: Schulhaus Benewil, Alterswil. Sa., 9. November, 9 bis 16 Uhr.