Freiburg 16.02.2017

«Den Imker des Vertrauens finden»

Um die Qualität des Honigs garantieren zu können, müssen die Imker viele Vorschriften einhalten und sich viel Wissen aneignen.
Einige Sensler Imker würden für die Milbenbekämpfung das verbotene Mittel Amitraz einsetzen, sagen Bieneninspektoren. Der Sensler Imkerverein wehrt sich gegen den Vorwurf, dies einfach zu tolerieren.

Der Imkerverein des Sensebezirks feiert dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Nun muss er sich aber erst mit unangenehmen Themen statt mit Jubiläumsanlässen auseinandersetzen. Vor allem der Einsatz des unbewilligten Milbenbekämpfungsmittels Amitraz gibt zu reden. Die beiden Bieneninspektoren Thomas Pfister und Urban Ruffieux kritisierten am Samstag an der Hauptversammlung des Vereins in St. Antoni, dass viel zu viele Sensler Imker dieses Mittel einsetzten und der Verein nichts dagegen unternehmen würde (FN vom Montag).

Das beunruhigt. Deshalb haben die FN nachgefragt. Unter anderem beim Bieneninspektor Thomas Pfister, der auch als Betriebsprüfer von Apisuisse, dem Dachverband der Schweizer Bienenzüchter, tätig ist. In dieser Funktion bürgt er mit Qualitätskontrollen und dem Gütesiegel für saubere und rückstandsfreie Qualität und für eine schonende Verarbeitung des Honigs. Er spricht sich klar gegen den Einsatz illegaler Mittel aus. «Wirkstoffe wie Amitraz, die leider immer wieder eingesetzt werden, sind nicht tolerierbar», sagt Pfister. Niemand wolle doch ein Naturprodukt wie Honig kaufen, das mit Mitteln behandelt werde, die im Verdacht stünden, krebs­erregende Stoffe zu enthalten und deshalb in der Schweiz verboten seien. «Wir wollen zu unserem Produkt stehen können, es soll den Namen Schweizer Honig auch verdienen und darf nicht verwässert werden.»

Es seien immer dieselben Personen, die die Imkerei in Misskredit bringen würden, bedauert er und verlangt vom Vorstand des Imkervereins, dass er etwas gegen die fehlbaren Mitglieder unternimmt und ihnen nicht noch eine Plattform bietet. «Der Vorstand fürchtet wohl, Mitglieder zu verlieren, wenn die Regeln durchgesetzt werden.» Dabei sei nicht die Quantität, sondern die Qualität wichtig. Als Betriebsprüfer sei er an einem Punkt angekommen, wo die Vertrauensbasis gegenüber dem Vorstand fehle.

Nicht für Kontrollen zuständig

Franziska Ruprecht, Präsidentin des Imkervereins des Sensebezirks verhehlt nicht, dass es im Verein «einzelne Mitglieder» gebe, die Amitraz einsetzen würden. Sie nehme dies anhand der Rückmeldungen aus den Kontrollen an. Die genauen Zahlen kenne sie aber nicht, da das kantonale Veterinäramt diese vertraulich behandle. Ruprecht betont, dass sie klar gegen den Einsatz von Amitraz sei und das Thema aufs Tapet bringen wolle. Es sei jedoch nicht ihre Aufgabe, alle 227 Mitglieder zu kontrollieren. Hingegen sei der Verein für die Aus- und Weiterbildung der Imker zuständig. In den Schulungen werde regelmässig darauf hingewiesen, was erlaubt sei und was nicht. Zur Teilnahme an diesen Kursen könne sie die Mitglieder aber nicht verpflichten, sagt Franziska Ruprecht. Nun soll eine Mediation zwischen dem Verein, den Inspektoren und dem kantonalen Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen die Situation entschärfen. Wann diese stattfinde, sei noch unklar.

Keine eindeutigen Schlüsse

Beim Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (LSVW) hält man sich bedeckt. Der stellvertretende Kantonstierarzt Michel Schmitt bestätigt zwar auf Anfrage, dass 2016 auf kantonaler Ebene bei 76 Wachsproben rund ein Viertel mit Rückständen des illegalen Mittels Amitraz belastet gewesen seien. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber verfrüht, das Zahlenmaterial bewerten zu wollen, sagt er auf die Frage, ob dies verhältnismässig viel sei. Sei eine Wachsprobe belastet, werde vom betroffenen Imker eine Stellungnahme eingefordert, erklärt Schmitt das Vorgehen. 2016 sei bei Amitraznachweis im Wachs eine Verwarnung ausgesprochen worden. Das dem Amt vorliegende Zahlenmaterial lasse zurzeit keine gesicherten Aussagen zur absoluten Häufigkeit oder zu Verteilungsmustern zu, sagt Schmitt auf die Frage, ob im Sensebezirk mehr Wachsproben belastet gewesen seien als in anderen Bezirken.

Sorgen ums Image

Andreas Landolf ist Präsident des Imkervereins Deutschfreiburger Seebezirk und hat die Diskussionen über die Amitraz-Probleme im Sensler Imkerverein mitbekommen. «Wir haben dies bei uns in diesem Ausmass nicht», sagt er. Sein Verein zähle 67 Mitglieder, für fast alle könne er bezüglich Amitraz-Einsatz die Hand ins Feuer legen. Bei einem Imker habe er jedoch den Verdacht, dass dieser Amitraz einsetze. Mit diesem müsse er sich deshalb noch unterhalten, sagt Landolf, der auch als Betriebsprüfer für Apisuisse tätig ist.

Einerseits findet es Andreas Landolf gut, dass die Problematik rund um den Einsatz des Mittels Amitraz öffentlich diskutiert wird. Andererseits fürchtet er auch um das gute Image des Schweizer Honigs.

Kann man trotz allem noch mit guten Gewissen Honig aus dem Sensebezirk konsumieren? Ja, betont Franziska Ruprecht. Alle Betriebe, die mit einem Gütesiegel ausgezeichnet seien, müssten zusätzlich alle drei Jahre eine Betriebsprüfung machen und würden für ein Label bürgen, hinter dem man stehen könne. «Man muss sich den Imker seines Vertrauens suchen.»

Zahlen und Fakten

Varroa-Milbe breitet sich rasch aus

Die Varroa-Milbe breitet sich seit 1984 in der Schweiz aus und hat in der Vergangenheit unter den Bienenvölkern grossen Schaden angerichtet. Sie ernährt sich parasitär vom Blut sowohl der Bienenbrut als auch der erwachsenen Tiere. So werden diese geschwächt. Möglicherweise überträgt die Milbe ausserdem Krankheiten. Sie breitet sich schnell unter den Bienenvölkern aus. Der Wirkstoff Amitraz ist leicht erhältlich, darf in der Schweiz aber nicht zur Bekämpfung der Varroa-Milbe eingesetzt werden, da er krebserregende Stoffe enthalten soll.

ak

Bienenforschung

Freiburg wendet neue Methode für Amitraz-Analyse an

Jean-Daniel Charrière leitet das Zentrum für Bienenforschung in Liebefeld von Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für die Forschung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Ihm liegen keine Zahlen vor, wie viele Imker in der Schweiz das nicht bewilligte Mittel Amitraz zur Bekämpfung der Varroa-Milbe einsetzen. «Die Polizeiarbeit ist Sache der Kantone.» Charrière geht nicht davon aus, dass das Mittel breitflächig zum Zug kommt. «Vielleicht in gewissen Regionen, aber nur in wenigen Fällen gibt es einen eindeutigen Beweis.» Er wisse jedoch, dass gerade der Kanton Freiburg in den vergangenen ein bis zwei Jahren gezielt Analysen zu Amitraz-Rückständen gemacht habe. Beim Freiburger Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (LSVW) bestätigt der stellvertretende Kantonstierarzt Michel Schmitt auf Anfrage, dass 2016 eine Analysemethode für die Bestimmung von Amitraz und dessen Metaboliten in Wachs und Honig entwickelt wurde. Nach seinem aktuellen Kenntnisstand werde diese Untersuchung in der Schweiz derzeit ausschliesslich durch das LSVW Freiburg durchgeführt. Wie er erklärt, kann der Wirkstoff Amitraz auf verschiedene Arten eingesetzt werden. In Frankreich ist der Einsatz zugelassen, seit einem Jahr auch in Deutschland. Die Resultate zur Wirksamkeit der Milbenbekämpfung seien dort aber sehr schlecht. Im Honig ist das Mittel nur ein paar Stunden nachweisbar, die Abbauprodukte jedoch viel länger, und diese seien jeweils ziemlich eindeutig, um auf Amitraz zurückschliessen zu können.

Neue Primärkontrollen

Die Bienenhaltung ist dem Landwirtschaftsgesetz unterstellt. Alle Imker, die Honig verkaufen oder verschenken, müssen neu sogenannte Primärproduktionskontrollen über sich ergehen lassen. Dabei werden die Betriebe unter anderem auf die Einrichtungen, das Lokal, die Gerätschaften und die Behandlungsmittel kontrolliert.

Direktzahlungen erhalten die Imker keine, der Bund finanziert jedoch das Zentrum für Bienenforschung von Agroscope und unterstützt das Institut für Bienengesundheit an der Uni Bern, den Bienengesundheitsdienst von Apisuisse, dem Dachverband der schweizerischen Bienenzüchtervereine, sowie teilweise die Beratung der Imker und die Zucht.

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Parallelverein

Der Name steht bereits

An der Hauptversammlung des Imkervereins des Sensebezirks informierte Vereinspräsidentin Franziska Ruprecht darüber, dass im Bezirk ein zweiter Imkerverein entstehen soll. Wer dahinter stecke, wisse sie allerdings nicht. Sie sei jedoch vom Vorstand des Dachverbandes des Schweizerischen Imkerverbandes über diese Absicht informiert worden. Wie Richard Wyss, Zentralpräsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) Recherchen der FN bestätigt, haben sechs Personen beim VDRB Ende Januar 2017 schriftlich ihre Absicht kundgetan, den Verein «Bienenfreunde Senseland» zu gründen. Darunter seien auch die drei für den Sensebezirk zuständigen Bieneninspektoren. Die Gruppe hat sich gestern Abend getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Gemäss Wyss muss ein neuer Verein mindestens 60 Mitglieder zählen, um Sektionsstärke zu erreichen und so im Kantonalverband aufgenommen werden zu können. Die Imkervereine müssten sich zudem territorial von anderen Sektionen abgrenzen. «Wir wollen keine Konkurrenzvereine innerhalb eines Gebiets.»

ak