St. Ursen 18.11.2019

Den Puls der Seelsorge spüren

Wie könnte die Seelsorge in Zukunft organisiert sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit die Vereinigung der Deutschfreiburger Pfarreien. Ihr Präsident plädiert für mehr Zusammenarbeit.

Gottesdienste vor halb leeren Kirchenbänken und immer mehr Kirchenaustritte: Die Landeskirchen stehen vor einigen Herausforderungen. Sie beschäftigen auch die Deutschfreiburger Pfarreien. «Wir müssen einen Schritt nach vorne machen. Je besser wir organisiert sind, desto effizienter werden wir, auch gegen aussen», sagte Bruno Boschung, Exekutivrat der katholischen kirchlichen Körperschaft, am Freitagabend in St. Ursen bei der Herbstversammlung der Vereinigung der Pfarreien Deutschfreiburgs. Bei der Organisation der Seelsorgeeinheiten seien die Deutschfreiburger im Rückstand. «Im französischsprachigen Kantonsteil ist dies deutlich besser gelöst.»

Wie genau, das zeigte Arnold Schöpfer, Präsident der Vereinigung, wenig später am Beispiel der «Unité pastorale de Notre-Dame de l'Évi», eines Pfarreiverbands im Greyerzbezirk. Zwölf Pfarreien haben sich in diesem Verband zusammengeschlossen und bilden auch eine Seelsorgeeinheit. Der Verband kümmere sich hauptsächlich um die administrativen Aufgaben, führte Schöpfer aus. Er regle etwa Personal- und Kostenfragen. Zudem gebe es ein Finanzausgleichssystem zwischen den verschiedenen Pfarreien, die nicht alle gleich gross seien. Gleichzeitig behielten die Pfarreien ihre Eigenständigkeit, was sehr wichtig sei.

Pastorale Mitarbeiter entlasten

Ob es in Zukunft in Deutschfreiburg ähnliche Strukturen geben wird, ist offen. «Wir haben keinen genauen Fahrplan», sagte Arnold Schöpfer im Anschluss an die Versammlung im Gespräch gegenüber den FN. Momentan gehe es darum, den Puls zu spüren und in die Zukunft zu schauen.

Die Deutschfreiburger Pfarreien sind derzeit in sechs Seelsorgeeinheiten gegliedert. Das heisst, mehrere Pfarreien haben sich jeweils zu solchen Einheiten zusammengeschlossen, um sich gemeinsam um die Seelsorge zu kümmern. Die Seelsorgeeinheiten sind aber unterschiedlich organisiert und arbeiten in unterschiedlichem Masse zusammen. «Im Sense-Oberland ist die Zusammenarbeit etwa sehr eng», sagte Schöpfer.

In den letzten Monaten hat eine Arbeitsgruppe diese Strukturen analysiert und aktuelle Schwierigkeiten herausgearbeitet. Die Rückmeldungen präsentierte Schöpfer am Freitagabend den Anwesenden. Herausgekommen sei dabei etwa, dass es eine Stärkung des Sekretariats brauche, um die pastoralen Mitarbeiter von administrativen Aufgaben zu entlasten. Jede Seelsorgeeinheit solle einen Jugendseelsorger haben. Die Löhne für Pfarrmoderatoren, Priester, Laienseelsorger und weiteres Personal sollen zudem aus einer gemeinsamen Kasse bezahlt werden.

«Es braucht mehr Austausch und Zusammenarbeit», sagte Schöpfer den FN. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, dass die Buchhaltung zentralisiert werde. Oder dass mehrere Pfarreien Gottesdienste gemeinsam organisierten. «Besser ein grösserer, schönerer Gottesdienst mit mehr Besucherinnen und Besuchern als viele kleine, einzelne mit wenig Besuchern.»

Delegierte für Austritte

Bruno Boschung sprach auch das Thema Kirchenaustritte an. Momentan regelten die Pfarreien dies sehr unterschiedlich. «Manche nehmen die Austritte kommentarlos zur Kenntnis, andere suchen das Gespräch mit den Leuten, die austreten wollen.» Er plädierte dafür, dass in Zukunft jede Seelsorgeeinheit einen Delegierten hat, der sich mit dem Thema auskennt, etwa mit den rechtlichen Folgen eines Austritts.

«Die Idee wäre, dass diese Person das Gespräch mit den Austretenden sucht und ihnen die Konsequenzen erklärt», sagte er. «Es geht nicht darum, die Leute zu bekehren, sondern zu zeigen, dass der Kirche die Austritte nicht egal sind.»

Bildungszentrum Burgbühl

Caritas nimmt Aktivitäten später auf als geplant

Einst wurden im Bildungszentrum Burgbühl in St. Antoni Schwestern ausgebildet, in Zukunft will dort die Caritas Freiburg soziale Projekte umsetzen (die FN berichteten). Die dafür nötigen neuen Statuten wurden an der Herbstversammlung der Vereinigung der Pfarreien Deutschfreiburgs am Freitagabend in St. Ursen verabschiedet. Ein wichtiger Punkt: Den Delegiertenrat des Bildungszentrums gibt es künftig nicht mehr. «Der Delegiertenrat wurde als Mitspracheorgan geschaffen, als die Pfarreien sich finanziell am Zentrum beteiligten», erklärte Arnold Schöpfer, Präsident der Vereinigung. Da sich die Pfarreien nun nicht mehr beteiligten, brauche es ihn nicht mehr.

Schöpfer und Caritas-Präsident Patrick Mayor informierten, dass die geplante Zusammenarbeit langsamer vorwärtsgehe als geplant, dies wegen interner Umstrukturierungen bei der Caritas. So wird die Caritas 2020 zwar schon vereinzelt Aktivitäten im Bildungszentrum aufnehmen, aber weniger als geplant. Gemäss Pa­trick Mayor wird viermal eine Ferienwoche für Senioren organisiert, die normalerweise von Angehörigen gepflegt würden. So würden die betreuenden Angehörigen entlastet.

Für das laufende Jahr erwarte das Bildungszentrum ein Defizit von rund 20 000 Franken, sagte Arnold Schöpfer. «Was uns momentan fehlt, sind grössere Buchungen für stabile Einnahmen.»

nas