tafErs 24.03.2017

Der Hof wird zu einer Schönheitsfarm

Darsteller der Theatergruppe «Just a moment» bringen ihre Talente zur Geltung.
Die Theatergruppe «Just a moment» von Insieme Freiburg steht mit ihrer neuen Produktion «Schöner Gigolo – beau Gigolo» in den Endproben. Sie freut sich auf die Aufführungen der neuen Eigenproduktion in der OS Tafers und der Reithalle in Bern.

Aus der Aula der OS Tafers ertönt laute Musik. Beim Betreten des Saals fällt die hell beleuchtete Bühne im dunklen Saal auf. Auf der Bühne herrscht wirres Treiben, die Theatergruppe «Just a moment» wärmt sich auf.

Viele Talente werden gefördert

«Just a Moment»: Das sind 17 Menschen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung und vielen unterschiedlichen Talenten. Die meisten Schauspieler wohnen in der Sensler Stiftung für Behinderte SSB. Der Jüngste ist 20-jährig, der Älteste ist pensioniert. Dass die ganz unterschiedlichen Talente, die in dieser Theatergruppe schlummern, zur Geltung kommen, ist das Werk von Irmgard Eggel und Stefan Schmutz. Die Theaterpädagogin und der Musikpädagoge haben diese Theatergruppe auf Initiative von Insieme, dem Verein für Eltern und Freunde von geistig und mehrfach behinderten Menschen, ins Leben gerufen und leiten diese seit Beginn im Jahr 2007. «Insieme war von der Idee, eine Theatergruppe zu bilden, begeistert und gab grünes Licht für ein Pilotprojekt zunächst während einer Saison», sagt Eggel. Das erste Stück wurde vor der Generalversammlung von Insieme aufgeführt und begeisterte die Zuschauer. Dies war der Startschuss für «Just a moment».

Am Anfang wird improvisiert

«Unsere Spezialität ist es, die Stücke durch Improvisation zu erarbeiten», erklärt Eggel. Aus Improvisation könne mit der Zeit ein ganzes Theaterstück entstehen. «Jedes Jahr bestimmen wir zuerst ein Motto». Dieses Jahr ist es das Thema Schönheit. «Die Schauspieler überlegen sich, was sie selber mit diesem Thema verbinden», sagt Eggel. Mit diesem Begriff wurde auf der Bühne experimentiert und improvisiert, bis sich daraus allmählich eine Geschichte entwickelte. «Viele Ideen erhalten wir von den Schauspielern. Danach muss das Ganze wie ein Puzzle zusammengesetzt werden», sagt Schmutz. Geübt wurde das Stück «Schöner Gigolo – beau Gigolo» das ganze Jahr über. Dazu gab es eine CD, auf der das Stück nach der Improvisationszeit aufgenommen wurde. Jeder habe so die Möglichkeit, sich seine Einsätze einzuprägen. Die Proben finden jeweils an Samstagen zwischen 11 und 16 Uhr statt.

Der arme Landwirt

Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. Ein Tisch in der Mitte stellt den Vorplatz eines Bauernhauses dar. Auf der rechten Seite steht der Gartenzaun der Nachbarn, auf der linken Seite ist die Gartenbank des Hofs zu sehen. Im Hintergrund stehen die Instrumente der Musiker.

Das Stück beginnt mit einer ländlichen Morgenstimmung. Zu hören sind Vögel, Kühe und Schafe sowie die Hühner im Hintergrund. Die Sonne geht auf, es wird Tag.

Der Bauernhof schreibt rote Zahlen, und der Landwirt ist verzweifelt. Während der Landwirt seine Sorgen im Schnaps ertränkt, ergreift seine Frau die Initiative und veröffentlicht ein Inserat in der Zeitung: «Schöne Zimmer zu vermieten.» Dieses lockt zwei Immobilienmakler mit einer reichen Tante an, die den Bauernhof zu einer Schönheitsfarm mit exklusiven Schönheitskursen umbauen möchten. Diese Idee missfällt dem Landwirt, und es kommt zum Streit. Als wäre dies nicht genug, mischt sich ein Betreibungsbeamter ein, der den Hof pfänden will. Das bunte Treiben wird von den Nachbarn mitverfolgt und kommentiert.

Das Stück wird immer wieder in passenden Situationen vom Knecht unterbrochen. Dieser versucht verzweifelt, einen Hahn zu fangen und zu einem saftigen Poulet zu verarbeiten, was ihm gegen Ende auch gelingt. Doch zur Freude über das saftige Poulet mischt sich auch Bedauern über den Tod des schönen Hahns. Ein Auf und Ab der Gefühle. Dazu spielen die Musikanten immer wieder Musik ein, welche die Stimmungen verstärkt. Am Ende des Theaterstücks bleibt offen, ob der Hof verkauft wird oder nicht.

Eine spannende Arbeit

Mit der Theatergruppe zu arbeiten, mache grossen Spass und bleibe immer sehr spannend, erzählt Eggel. Es gebe aber auch schwierige Momente. Wenn beispielsweise jemand mit schlechter Laune zu den Proben komme und keine Lust habe mitzumachen. Da aber viele Schauspieler seit der Gründung der Theatergruppe dabei seien, sei die gegenseitige Unterstützung und Hilfestellung gross. Nach neun Aufführungen seien sie Schauspielprofis.

Agenda

Aufführungen in Tafers und Bern

Die Theatergruppe «Just a moment» tritt in der Aula der OS Tafers und im Tojo Theater in der Reithalle in Bern auf. Die öffentliche Hauptprobe findet morgen Samstag, 25. März, um 19 Uhr in der Aula der OS Tafers statt. Die Aufführungen in der Aula der OS Tafers finden am Samstag, 1. April, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 2. April, um 16 Uhr statt. Die Aufführungen im Tojo Theater in der Reithalle in Bern sind am Freitag, 5. Mai, um 20.30 Uhr und am Samstag, 6. Mai, um 20.30 Uhr.

chr

Reservationen: www.tojo.ch