Düdingen 12.07.2018

«Dieser Boxenstopp war sogar gut»

In den Obergeschossen des Bahnhofbuffets Düdingen wird der Sozialdienst für den unteren Sensebezirk eingerichtet.
Der regionale Sozialdienst für das Sense-Unterland wird definitiv im Hotel Bahnhof in Düdingen eingerichtet. Die fünf Trägergemeinden haben ihre Differenzen bereinigt und sich auf diesen Standort festgelegt.

Die Gemeinden Bösingen, Düdingen, Schmitten, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt haben sich geeinigt: In den heutigen Personal- und Hotelzimmern des Hotels Bahnhof in Düdingen sollen in absehbarer Zeit Sozialhilfeempfänger beraten werden. Noch muss das Projekt «Regionaler Sozialdienst Sense-Unterland» eine letzte Hürde nehmen: Am 8. Oktober entscheidet der Generalrat Düdingen über den Kredit für den Umbau.

Ein erster Anlauf war letzten Dezember gescheitert – nicht am Projekt an sich, sondern am vorgesehenen Mietpreis von 150 Franken pro Quadratmeter. Eine Mehrheit der Generalräte verlangte damals einen kostendeckenden Preis von 172 Franken (die FN berichteten). Diese Forderung wird nun erfüllt, wie die interkommunale Arbeitsgruppe mitteilt. Um die Mietkosten dennoch zu senken, wie dies einige der beteiligten Gemeinden verlangt hatten, sei die Fläche «spürbar redimensioniert» worden: Statt auf 460 Quadratmetern wird der regionale Dienst nun auf 390 bis 400 Quadratmetern eingerichtet, wie Hans Dieter Hess, Gemeinderat von Schmit­ten und Präsident der interkommunalen Arbeitsgruppe erklärt.

Hans Dieter Hess, wie schätzen Sie die Chancen ein, dass der Düdinger Generalrat den neuen Vorschlag absegnet?

Ich bin nicht Mitglied des Generalrates und deshalb ist eine Prognose schwierig. Doch gehe ich jetzt mal davon aus, dass das Projekt jetzt, wo seine Forderungen erfüllt sind, Gehör findet. Der Düdinger Gemeinderat Andreas Binz hatte an einer Sitzung im Juni gesagt, dass er auch von einer Zustimmung ausgehe, weil der Generalrat sonst unglaubwürdig wirken würde.

Sie sprechen in der Medien­mitteilung von «grosser Kompromissbereitschaft» – was ist damit gemeint?

Alle mussten sich bewegen. Das ist so üblich in der Schweiz: Wir schliessen Kompromisse, um eine gute Lösung zu finden. Alle fünf beteiligten Gemeinden mussten mitmachen, sonst hätte das ganze Projekt keinen Sinn ergeben. Zum Glück ist niemand stur geblieben.

Sie haben viel Zeit investiert, um zu dieser Lösung zu kommen. Sind Sie zufrieden mit dem jetzigen Vorschlag?

Ich bin froh über die Einigung und darum, dass wir eine zukunftsgerichtete und nachhaltige Lösung zum Wohl der Bevölkerung haben. Wie das so ist, wenn man in solchen Arbeitsgruppen mitarbeitet: Persönlich würde man viel lieber viel schneller vorwärtsgehen. Es hat sich aber gezeigt, dass es diesen Prozess brauchte, um dorthin zu kommen, wo wir nun stehen. Dieser Boxenstopp war sogar gut, denn dadurch ist die Lösung nun breiter abgestützt und wird besser mitgetragen – ist also insgesamt besser. Wenn nun noch der Generalrat sein Okay gibt, hat sich die Ehrenrunde durchaus gelohnt.

Haben Sie unterwegs mal daran gezweifelt, dass es eine Einigung gibt?

Nein, ich habe immer daran geglaubt, dass wir eine Lösung finden. Denn das Projekt spricht für sich. Eine Regionalisierung des Sozialdiensts im unteren Bezirk macht nur Sinn, wenn alle Gemeinden dabei sind und wenn wir einen gemeinsamen Standort haben und so die Synergien nutzen können. Den Standort Düdingen sicher zu haben, ist entscheidend, um vorwärtszukommen.

Wie geht es weiter?

Mal angenommen, der Generalrat stimmt dem Geschäft zu, ist dies der Startschuss für die Arbeitsgruppe, wieder an der Fusion zu arbeiten. Während der Diskussion über den Standort haben wir diese auf Eis gelegt, um nicht ins Leere zu arbeiten. Es sind viele Details zu klären, was die künftigen Strukturen, das Personal, die Informatik und so weiter betreffen. Mein Wunschtraum wäre es, dass wir das Projekt 2021 zum Ende der Legislatur umsetzen können. Das ist aber ein sehr ehrgeiziger Plan.

Gleichzeitig wird ja auch das Sozialhilfegesetz überarbeitet, in dem vorgesehen ist, dass es künftig nur einen Sozialdienst pro Bezirk geben soll. Tangiert dies Ihr Projekt?

Ich bin im Steuerungsausschuss für die Gesetzesrevi­sion. In der Vernehmlassungsphase kann sich noch einiges ändern, aber momentan sieht es so aus, dass es einen Sozialdienst pro Bezirk geben wird mit der Möglichkeit, mehrere Zweigstellen zu führen, denn der Kanton will nur eine Ansprechstelle – egal, wie gross der Bezirk ist. Zweigstellen machen in einem geografisch weitläufigen Bezirk wie dem unseren durchaus Sinn. Man wird dann schauen, ob wir im Bezirk einen neuen Gemeindeverband als Trägerschaft bilden oder den Sozialdienst einem bestehenden angliedern.

Reaktionen

Syndics zufrieden mit Kompromiss

«Ich bin froh, dass wir einen Kompromiss gefunden haben, der von allen Gemeinden akzeptiert wurde und dem entspricht, was der Generalrat gefordert hat», sagt der Düdinger Ammann Kuno Philipona auf Anfrage. Nun müssen das Projekt und der Kredit noch die Hürde beim Generalrat nehmen. Wie leicht diese zu überwinden sei, könne er nicht sagen. Der Gemeinderat werde auch das verlangte Gesamtkonzept für die Nutzung der Liegenschaft vorlegen.

Auch Andreas Freiburghaus, Syndic von Wünnewil-Flamatt, ist froh, dass eine Lösung im guten Einvernehmen mit allen gefunden werden konnte, auch wenn der Weg dahin nicht einfach gewesen ist. «Wir stehen zum Kompromiss, jetzt heisst es: Volle Kraft voraus.» Sage der Generalrat von Düdingen Nein zum Projekt, dann sei es gestorben, bis eine Fusion der Sozialdienste vom Kanton verordnet werde, sagte er auch.

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