Bern 16.01.2018

«Dieses Naturerlebnis muss erhalten bleiben»

Die Petitionäre überreichen die Unterschriften.
15 515 Unterschriften hat die IG Sensegraben gesammelt, damit am Senseufer die rund 300 Parkplätze nicht verschwinden.

Der Sensegraben im Raum Heitenried (Sodbach) und Albligen (Ruchmühle) sind im Sommer sehr beliebte Ausflugsziele vor allem für Familien. Sie können dort grillieren, in der Sense baden und sich sonst vergnügen. Und die Kinder müssen kaum beaufsichtigt werden. Jahrelang war dort auch das Militär präsent für Schiessübungen. Nun beabsichtigt aber die Armasuisse Immobilien, dieses Gelände, das von der Armee nicht mehr genutzt wird, an das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern zu veräussern. Und dieses will die zwei bestehenden Parkplätze für rund 300 Autos ganz oder teilweise aufheben. «Der Kanton Bern will den Sensegraben revitalisieren», hielt gestern Montag Andreas Kehrli, Vize-Gemeindepräsident von Schwarzenburg, fest, als die Interessengemeinschaft (IG) Sensegraben die Petition mit mehr als 15 500 Unterschriften der Vertreterin der Berner Staatskanzlei, Mirjam Tschumi, übergab. Die Petition verfolge nun das Ziel, dass ebendiese 300 Parkplätze nicht aufgehoben werden und dass der Sensegraben als Ferienparadies für Familien erhalten bleibt.

«Für unsere Kinder»

Kehrli war gestern stolz, dass über 15 500 Unterschriften in nur zwei Monaten gesammelt werden konnten. «Und das in der Winterzeit. Wären wir an einem schönen Sommertag an den Sensegraben gereist, so hätten wir im Nu 1000 Unterschriften sammeln können,» gab er sich überzeugt. «Wir haben die Leute nicht gedrängt, unsere Petition zu unterschreiben. Nein, ganz im Gegenteil, viele Leute sind vor allem auch online auf uns zugekommen. Niemand hat sich dabei gegen unser Vorhaben gesträubt», sagte er. «Der Erhalt der Parkplätze entspricht einem echten Bedürfnis der Berner und Freiburger Bevölkerung. Mit der Petition haben wir unser Volksrecht wahrgenommen, in der Hoffnung, dass unser Anliegen bei den Berner Behörden nicht auf taube Ohren stösst», betonte Kehrli. Und als er in die Runde der Vertreter der IG Sensegraben blickte, entdeckte er fast nur Damen und Herren mit grauen Haaren. «Man will uns etwas Liebgewonnenes wegnehmen. Wir haben als Kinder im Sensegraben unsere Liebe zur Natur entdeckt. Auch unsere Kinder und Kindeskinder sollen im Sensegraben die Natur entdecken und sie lieb gewinnen und schützen.»

Keine Alternative

Die IG Sensegraben ist überzeugt, dass gerade diese Parkplätze dazu dienen, die Natur zu schützen, und dass die Aufhebung der Parkplätze keine Alternative sei. So wiesen deren Vertreter darauf hin, dass es dort Toiletten- und Entsorgungsanlagen gibt und dass diese entfernt werden sollen. «Viele werden ohne Parkplätze nicht mehr kommen», sagte Kehrli weiter. «Aber einige schon», fuhr er fort. Gerade auch deshalb macht sich die IG Sorgen. «Sie werden wild parkieren, an Strassenrändern. Zu Fuss an die Sense zu gelangen ist auf den engen Strassen sehr gefährlich, vor allem für Kinder. Und wie werden die Abfälle entsorgt?» So versuchte gestern die IG die Berner Behörden zu überzeugen, dass die Aufhebung der Parkplätze mit den Toiletten- und Entsorgungsanlagen ein Entscheid gegen den Naturschutz und gegen die Interessen der Bevölkerung wäre. «Vor allem Familien, die sich keinen Urlaub im Ausland leisten können, sind auf solche Naturerlebnisse angewiesen.»

«Wollen nicht die Bösen sein»

Rund die Hälfte der Unterschriften stammt von der Freiburger Bevölkerung. «Zu Fuss von Heitenried an den Sodbach – mit vier Grosskindern? Nein, unmöglich», gab Bruno Grossrieder, Gemeinderat von Heitenried, zu bedenken. Auch der öffentliche Verkehr biete keine Alternative, zumal die Buslinie über Albligen aufgehoben worden ist. Und von Heitenried nach Schwarzenburg verkehren nur sehr wenige Busse. «Ich befürchte, dass wir Behörden dann die Bösen spielen und die Polizei auf die Falschparkierer aufmerksam machen müssen», ergänzte Ernst Leiser, Ammann von St. Antoni.

Fakten

Eine Lösung gesucht für kein Problem

60 bis 70 Unterschriftenbögen sind auf der Online-Plattform eingegangen. Die Absender sicherten den Petitionären ihre Unterstützung zu. «Man sucht eine Lösung für ein Problem, das gar keines ist», lautete etwa ein Kommentar. «Der Sensegraben ist seit Generationen ein wunderbares Erholungsgebiet. Seine praktische Erreichbarkeit muss auch für künftige Generationen möglich sein. Naturschutz darf Menschen nicht ausschliessen.» Gemeinderat Bruno Grossrieder aus Heitenried wies darauf hin, dass solche Verbote im Volk Verdrossenheit erzeugen. Ein anderer Kommentar: «Solange das Militär das Gebiet als Schiessplatz mit Panzern durchpflügt hat, war das für die Behörde kein Problem. Jetzt, wo das Volk diese Gebiete für die Erholung nutzt, schreien diese Typen auf.»

az